Bauabschlussfeier Paulinum Wanka: "Ich finde den Bau wirklich imponierend"

Insgesamt zwölf Jahre hat der Bau der neuen Universitätskirche und Aula St. Pauli gedauert - und damit acht Jahre länge als ursrpünglich geplant. Am Mittwoch wurde der Bauabschluss des Paulinums mit hunderten Gästen gefeiert. Doch bis zur offiziellen Eröffnung dauert es noch einige Wochen.

Innenansicht des Paulinums in Leipzig
Nach zwölf Jahren Bauzeit ist das Paulinum zumindest so gut wie fertig. Bis zur feierlichen Eröffnung im Dezember sollen auch die letzten Arbeiten abgeschlossen sein. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Lichtdurchflutet, weiß und strahlend - etwa so lässt sich das Innere des neuen Leipziger Paulinums beschreiben. Zwölf Jahre hat es gedauert, nun ist der Bau weitestgehend fertig. Und das wurde am Mittwoch gefeiert. Die geladenen Gäste saßen unter gotischen Bögen und hängenden Säulen - unter ihnen auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Finanzminister Georg Unland.

"Mehrausgaben haben sich gelohnt"

Aus der Festreden geht hervor: Der Bau der Universitätskirche und Aula war ein Kraftakt. Von der Planung bis zum letzten Pinselstrich werden Augusteum und Paulinum insgesamt 117 Millionen Euro gekostet haben. Damit ist es der zweitteuerste Gebäudekomplex im Freistaat. Nur das Dresdner Residenzschloss hat mehr Geld gekostet.

Georg Unland
Georg Unland, sächsischer Finanzminister Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Ursprünglich war ein Budget von 52 Millionen Euro eingeplant. Der Bau wurde also mehr als doppelt so teuer. Die Mehrkosten können Sachsens Finanzminister Unland nicht gefallen haben. Beim feierlichen Bauabschluss gibt er sich aber zurückhaltend: "Zwischendurch, das muss ich sagen, war meine Geduld etwas überstrapaziert. Aber wenn man sich das Endergebnis anschaut, kann man, glaube ich, ganz zufrieden sein. Es hat sich gelohnt, das Geld zu investieren."

"Das können ja unsere Enkel wieder korrigieren"

Aber nicht nur Geld hat das Projekt gekostet, sondern auch Nerven. Architekt Erick van Egeraat hatte sich mit dem Finanzminister zwischenzeitlich sogar vor Gericht gestritten. Nun scheint es ein versöhnliches Ende zu geben: "Es ist ja auch für mich eine fast zwölf Jahre dauernde Arbeit. Es hat extrem viel Zeit und Mühe gekostet. Aber wenn das Resultat so ist, wie es ist, vergisst man alle Probleme. Besonders dieser Raum ist genau so, wie ich ihn versprochen und 2005 vorgestellt habe. Und das ist mir extrem wichtig."

Dr. Ulrich Stötzner
Ulrich Stötzner, Vorsitzender des Paulinervereins Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Anders hätte sich das Ulrich Stötzner vom Paulinerverein gewünscht. Er gehört zu den schärfsten Kritikern des neuen Paulinums. Jahrelang hatte er sich für den Wiederaufbau eingesetzt - allerdings mit etwas mehr Bescheidenheit. Zur Abschlussfeier wagt er schon mal einen Blick in die Zukunft: "Es geht jetzt darum, dass wir das Haus mit Leben erfüllen. Das mit den Glassäulen ist jetzt so und das können ja unsere Enkel wieder korrigieren. Das Entscheidende ist, dass genau der Ort, an dem 728 Jahre gebetet, gesungen, gepredigt wurde, wieder da ist. Es sieht zwar anders aus, aber es ist der Grund und Boden auf dem Geschichte geschrieben wurde."

Ein Ort mit Geschichte

Johanna Wanka
Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

An einen Teil dieser Geschichte erinnerte Bundesbildungsministerin Wanka. Luther predigte einst in der alten St. Pauli und weihte sie höchstpersönlich zur evangelischen Kirche. Doch auch aus viel persönlicheren Gründen war es für sie ein ganz besonderer Termin: "Das ist meine Universität. Ich habe hier studiert, nachdem die Universitätskirche gesprengt war. Ich bin jetzt das erste Mal in diesem Bau und ich finde ihn wirklich imponierend."

Damit hat die Bundesbildungsministerin vielen Leipzigern etwas voraus. Denn bisher durften nur wenige Auserwählte das fast vollständige Innenleben des Paulinums in Augenschein nehmen. Das soll sich am Donnerstagnachmittag beim "Offenen Paulinum" ändern. Zwischen 14 und 18 Uhr sind die Leipziger eingeladen, den fertigen Aula-Bereich zu besichtigen. Denn Glassäulen, meterhohe Decke und Jehmlich-Orgel sind längst fertig. Allerdings gilt das nicht für den Kirchteil des Baus. Da hier noch Arbeiten stattfinden, sind Altar und Epitaphien nur durch die Glaswand zu betrachten.

Innenansicht Ein Blick ins Paulinum

Jehmlich-Orgel im Paulinum
2.951 Pfeifen hat sie und 46 Register: Die Jehmlich-Orgel steht seit 2015 auf der Westempore des Paulinums gegenüber vom Altar. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Jehmlich-Orgel im Paulinum
2.951 Pfeifen hat sie und 46 Register: Die Jehmlich-Orgel steht seit 2015 auf der Westempore des Paulinums gegenüber vom Altar. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Innenansicht des Paulinums in Leipzig
Von der Empore hat man einen herrlichen Blick über das Innenleben der Universitätskirche und Aula. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Innenansicht des Paulinums in Leipzig
Das Innere des Paulinums erinnert an einen Eispalast. Die Idee mit den hängenden sechs Säulen stammt von Architekt Erick van Egeraat. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Hängede Glassäule im Paulinum
Der Saal soll auch als Aula genutzt werden. Darum ist freie Sicht wichtig. Die hängenden Glassäulen enden rund vier Meter über dem Boden. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Hängede Glassäule im Paulinum
Das Innenleben der Säulen: Glas, Leuchten und ganz viel Technik Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Decke im Paulinum in Leipzig
Doch sie sind nicht der einzige Hingucker im Paulinum. Die Decke mit gotischen Bögen ist der ursprünglichen Kirche St. Pauli nachempfunden. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Ein Fenster im Paulinum
Meterhohe Fenster sorgen für einen strahlend hellen Raum. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
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Quelle: PM, MDR/kp

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 23.08.2017 | ab 05:30 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.08.2017 | 18:10 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 23.08.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2017, 16:04 Uhr

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6 Kommentare

24.08.2017 16:36 Vogtländer 6

Mahr Bescheidenheit bitte
Auch ich habe von 1970 - 1974 wie Frau Johanna Müller (verh. Wanka) in Leipzig Mathematik studiert. Die Vorlesungen und Seminare fanden in der Talstraße und im Gebäude am Karl-Marx-Platz statt. Das Seminargebäude am Karl-Marx-Platz war damals ein reiner Zweckbau. Ich war im vergangenen Jahr wieder einmal in Leipzig und habe mir den Neubau angesehen. Von außen sieht das Gebäude ja ganz toll aus aber innen ist es die reinste Platzverschwendung. Man hätte für das ganze Geld auch etwas Vernünftiges bauen können, aber es ist ja nur das Geld des Steuerzahlers. Im Personalbereich der Uni langt das Geld, das auch vom Finanzministerium kommt, hinten und vorn nicht, aber Hauptsache der schöne Schein ist gewahrt.

24.08.2017 14:20 Mal ne Anmerkung 5

Ja das hat der Herr Unland CDU schön eingefädelt,Wahlkampfveranstaltung auf Kosten der Steuerzahler.Die Anderen Parteien mussten draußen bleiben.Ja so ist das in Sachsen!

24.08.2017 13:18 Jale 4

Das Geld hätte man für den Neubau von Kitas und Schulen nehmen sollen und die Sanierung der maroden Leipziger Straßen - jeden Tag bringe ich mein Kind auf schlaglochgesäumten Huckelpisten zur überfüllten Kita.
Mal ehrlich, welche normale Mensch braucht ein Paulinum??? Es ging 12 Jahre auch ohne... Dieser ganze Luxus-Scheiß nervt einfach nur, es fehlt in Leipzig an so vielen Stellen das Geld, und dann werden solche Prachtbauten errichtet, nur damit noch mehr Touristen unsere Stadt verstopfen. Armes Leipzig, außen Hui, innen Pfui!

24.08.2017 13:04 Ureinwohner 3

Wanka: "Ich finde den Bau wirklich imponierend"
Ich finde Bauzeit und Kostenexplusion imponierend.

23.08.2017 20:47 Phrasenhasser 2

Hier kann man sicherlich unbesehen mit der Ministerin Wanka einer Meinung sein, obwohl man sonst den Eindruck hat, dass sie einer anderen Generation angehört.

23.08.2017 20:46 Gehts noch 1

Was soll man da noch sagen? Statt geplanten vier Jahren hat man 12 Jahre gebraucht, statt 52 Millionen Euro hat man 117 Millionen Euro gebraucht. Und der Bau ist immer noch nicht ganz fertig. Aber man muß erstmal eine "nichtöffentliche Bauabnahmefeier" durchziehen. Koste es, was es wolle!