Ein Angeklagter wird in einen Saal des Landgerichtes in Leipzig geführt.
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Landgericht Leipzig Kindesentführer verurteilt

Gefasst nahm der 36-jähriger das Urteil am Landgericht Leipzig auf. Die Richter entsprachen mit dem Strafmaß dem Antrag der Verteidigung und berücksichtigten dabei, dass der Angeklagte ein vollumfängliches Geständnis während des Prozesses abgelegt hatte.

Ein Angeklagter wird in einen Saal des Landgerichtes in Leipzig geführt.
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Für sechs Jahre und elf Monate muss der Weißenfelser nun wegen schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern und Freiheitsberaubung ins Gefängnis. Das Gericht blieb damit reichlich drei Jahre unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf elf Jahre Haft plädiert hatte.

Ich hätte mir eine höhere Strafe gewünscht.

Ina Alexandra Tust Anwältin des Opfers

Die Richterin hielt dem Mann zu Gute, dass er mit seinem Geständnis eine Aussage des Opfers und dessen Eltern überflüssig machte. Zum Auftakt des Prozesses in der vergangenen Woche wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Vorsitzende Richterin begründete dies mit besonders schutzwürdigen Interessen des erst 12 Jahre alten Opfers.

Der Ausschluss der Öffentlichkeit war der Familie sehr wichtig.

Ina Alexandra Tust Anwältin des Opfers

Geplant und vorbereitet

Der Verurteilte hatte sich für seine Tat eigens einen Kleintransporter gemietet und ihn präpariert, indem er beispielsweise die Scheiben abklebte und auch dafür sorgte, dass sein Entführungsopfer die Türen nicht öffnen konnte. Auf dem Nachhauseweg zerrte er das 12 Jahre alte Mädchen in das Auto.

Geistesgegenwärtig setzte das Kind mit seinem Handy einen Notruf an die Polizei ab indem sie den Transporter kurz beschreiben konnte. Nachdem klar war, dass es sich um einen Mietwagen handelte, setzte sich die Polizei mit der Firma in Verbindung. Über die Kontrolle der Namenslisten und eine anschließende Handy-Ortung kamen die Fahnder dem Entführer auf die Spur.

Ein Polizeiauto steht auf einer Kreuzung.
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Die Beamten konnten den Wagen auf seinem Weg über die Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt orten. Nach einer dreistündigen Verfolgung stoppten die Polizisten den Kleintransporter schließlich in der Nähe des kleinen Örtchens Söhesten südlich von Lützen und befreiten das Mädchen. Der Entführer wurde festgenommen.

Süchtig nach Pornos

Der nun als Kindesentführer und Vergewaltiger Verurteilte ist nach Aussagen seines Anwaltes süchtig nach Pornografie. Dies sei auch der Auslöser für die Tat gewesen, so Anwalt Malte Heise.
Der gelernte Automechaniker ist selbst Vater eines neunjährigen Sohnes. Er habe wenige Monate vor der Tat seinen Job gekündigt, um von morgens bis abends Pornos zu schauen, so Heise. Alle anderen Bereiche seines Lebens habe er komplett vernachlässigt. Schließlich habe er das, was er in den Filmen sah, selbst erleben wollen. Das zwölfjährige Mädchen sei ein Zufallsopfer gewesen.

Verteidiger Malte Heise erklärte, sein Mandant wolle sich in der Haft in eine Therapie begeben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der Mann bereits wegen des Erwerbs und Besitzes kinderpornografischer Schriften vorbestraft.

Quelle: MDR/sst/gg

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 06.12.2017 | ab 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2017, 21:32 Uhr

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29 Kommentare

08.12.2017 20:21 Mediator an Whiterabbit2000 (28) 29

Entschuldigung aber wenn Janes sich auf die geltenden Gesetze bezieht, dann hat dies nichts mit linksliberal zu tun. So abwertend wie sie dieses Wort verwenden muss ich sie fragen, ob sie eher eine rechtsradikale Haltung bevorzugen würden. Ihr Verweis auf Selbstjustiz durch örtliche Rockerclubs lässt ja tief blicken.

Die üblichen Stammtischforderungen wie: <für immer wegsperren, kastrieren, Zwangsarbeit, Wasser und Brot> sind weder verfassungskonform noch verbessern sie die Sicherheitslage.

Opfer von Verbrechen leiden teilweise ihr ganzes Leben unter einer Straftat, die evtl. nie aufgeklärt wird. Da ist es doch besser Täter zu resozialisieren statt zu drangsalieren. Das Ziel dabei ist, dass andere Menschen erst gar nicht Opfer werden.

In den USA ist es nicht sicherer als bei uns, trotz hoher Strafen. Nach US Maßstäben müssten bei uns 500 tsd Menschen im Knast sitzen statt der aktuellen 64 tsd.
Irgend was machen wir wohl richtig.

08.12.2017 14:17 Whiterabbit2000 an Janes 28

Was heißt hier, nur ich persönlich darf das denken. Natürlich darf Verschärfung offensiv gefordert werden. Das ist doch Ihrerseits nur wieder das übliche linksliberale Geplänkel, härtere Strafen würden nichts bringen. Es geht auch nicht darum, dass ein paar Jahre mehr an Strafe den Täter von der Tat abgehalten hätten, sondern um Sühne, was soviel bedeutet wie rechtsstaatlich gebändigte Vergeltung (welche private Rache ersetzen soll).

Und doch, bezüglich der Erfahrung aus meinem persönlichen Nahbereich kann ich Ihnen sagen, dass eine (hohe) Bestrafung dem Opfer sehr wohl weiterhilft. Es weiß dann nämlich, dass Staat und Gesellschaft auf seiner Seite stehen. Fehlen drastische Strafen, so ist zu befürchten, dass Opfer von Straftaten künftig nicht mehr auf Gerichte vertrauen, sondern auf die Schlagkraft örtlicher Rockerclubs. Und das wollen wir doch alle nicht, wohl?

08.12.2017 11:11 Janes 27

@Whiterabbit2000 an Mediator 26: "Man darf zu Recht Verschärfung fordern." Nur Sie persönlich dürfen das denken. Ich denke, oder befürche vielmehr, dass es dem Mädchen auch nicht hilft das Trauma zu bewältigen, ob der Täter nun 7 oder 10 Jahre "nicht Teil der Gesellschaft" ist. Da gebe ich Mediator Recht-die Tat kann nicht mehr rückgänig gemacht werden. Daher ist ebenso wichtig, dass auf das Verhalten des Täters durch Therapie eingewirkt wird. Außerdem glaube ich ebenfalls nicht, dass noch höhere Strafen solche Taten verhindern.

07.12.2017 22:35 Whiterabbit2000 an Mediator 26

"Grundlage aller Strafverfolgung in unserem Land sind die bestehenden Gesetze und nicht ihre Rache- oder Gerechtigkeitsvorstellungen. An diese Gesetze sind unsere Gerichte gebunden."
So korrekt diese Aussage einerseits ist, so sehr verkennen Sie den Umstand, dass Gerechtigkeitsvorstellungen der Bevölkerung sehr wohl eine Auswirkung auf (Straf-) Gesetzgebungen haben. Außerdem geht es beim Strafrecht nicht primär um Resozialisierung, sondern um Sühne und Generalprävention. Durch einen Strafausspruch wird (unabhängig vom Opfer) ggü. der Bevölkerung signalisiert, dass eine Tat auf sittlich tiefster Stufe steht, und der Täter es für eine gewisse (lange/kurze) Zeit verwirkt hat, gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu sein und zu Recht einem Stigma unterliegt.
Bei derartigen Taten wie hier, welche ein junges Mädchen wohl dauerhaft in der Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigen dürften, halte ich Strafen von unter 10 Jahren für unvermittelbar. Man darf zu Recht Verschärfung fordern.

07.12.2017 18:13 Mediator an Klarheit (23) 25

Ich fasse ihren Beitrag mal mit schneidigem Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit zusammen. Abgekürzt könnte man auch sagen sie geben Stammtischparolen von sich.

1. Grundlage aller Strafverfolgung in unserem Land sind die bestehenden Gesetze und nicht ihre Rache- oder Gerechtigkeitsvorstellungen. An diese Gesetze sind unsere Gerichte gebunden.

2. Da in der Realität, im Gegensatz zum Stammtischgeschwätz, Täter irgendwann aus der Haft entlassen werden, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie man verhindern kann, dass diese Menschen wieder straffällig werden. Resozialisierung und Therapien helfen dem Täter und der Gesellschaft.

3. Wo sehen sie den Wiederspruch sowohl dem Opfer als auch dem verurteilten Täter zu helfen?

4. Die Verwendung des Begriffs "Täterfreunde" für Menschen die sachlich über dieses Thema diskutieren sagt deutlich, dass sie nicht sachlich sind.

Gerne können sie sich empören, wer aber unsere Gesetze negiert, der kriegt hier gottseidank kontra.

07.12.2017 12:20 Klarheit 24

@10:47 Janes 19,
----"....@Klarheit 1: Du kennst dich aber verdächtig gut mit Haftstrafen aus! ..."------
---".... Denn kein Tag im Knast ist Urlaub...."----,

Sie kennen sich ja verdächtig gut aus im Knast !

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

07.12.2017 12:15 Klarheit 23

----"....Schließlich geht es in unserem Staat um Strafe und die Möglichkeit den Täter zu resozialisieren und nicht um Rache...."----------

ja der liebe , gute Täter , der arme - schwere Kindheit , Alk .... ihm muss geholfen werden ..... absolut falsch ! dem Opfer muss geholfen werden nicht irgendeinen Verbrecher - ich möchte solch Gestalten nicht wieder draußen sehen ... was sagen die Täterfreunde dem nächsten Opfer das er sich holt ? Pech gehabt ???
Immer wieder gibt es diese Wiederholungstäter die von "Psycho Fachleuten " als resozialisiert , geheilt etc. eingestuft wurden - diese Fachleute sollten bei Rückfällen gleich mit eingesperrt werden !

07.12.2017 11:22 Mediator an Na so was(18) 22

Was wollen sie mir jetzt sagen?
Dass direkt von einer Straftat Betroffene selbstverständlich eine andere Sicht auf die Dinge haben als Juristen?
In der Rechtssprechung geht es um eine objektive Bewertung eines Sachverhaltes und eine den Gesetzen entsprechende Strafzumessung.
Was glauben sie wie schnell sie wegen eines einfachen Nachbarschaftsstreites im Knast sitzen, wenn ihr Nachbar über sie zu Gericht sitzt und sich einen Dreck um die Gesetze scheren müsste. Von daher führt ihre Argumentation zu nichts!
Es geht weder darum die Tat zu verharmlosen noch den Täter zu verteidigen sondern lediglich um eine den Gesetzen entsprechende Straffindung. Sie können gerne von Lebenslänglich, 12 Stunden harter Arbeit und von mir aus täglichem auspeitschen träumen, sollten aber wissen, dass dies Stammtischniveau ist und nicht rechtskonform. Schon das Arbeitsschutzgesetz begrenzt ja schon die Dauer der täglichen Arbeit unter ihre Forderung. Haft soll Menschen bessern und nicht fertig machen!

07.12.2017 11:14 Janes 21

Komisch-mit Zahlen um sich schmeißen können hier alle ganz toll. Aber das reicht nicht mal aus, um Hobbyrichter zu sein. Als ob ein einziger Tag im Knast eine Art Urlaub oder Reha ist. (@K.Morasch 5: gleich 30 Jahre! Man man. Was sollte dann jemand bekommen, der versucht hat einen anderen zu ermorden? 100 Jahre? Was sollte die Zschäpe bekommen? 1000 Jahre aufwärts? )

Liebe Hobbyrichter-zu einer Urteilsfindung gehört sehr viel mehr das. Und irgendwie scheinen hier auch sehr seltsamen Annahmen zum Thema "gute Führung" zu kursieren.

@Whiterabbit2000 16: Und wer sagt, dass die Urteile dann SCHLIMMER werden? Dazu gibts auch Studien-wie zu so vielem anderen auch. Was macht eine Tat mit dem Opfer? Das Strafgesetz ist aber nicht für Opfer, sondern um den Strafverfolgungsanspruch des Staates durchzusetzen. Strafgesetz!

07.12.2017 10:54 Janes 20

@REXt-! 2: Ich bin absolut dagegen, dass der rechte Stammtisch für die Straffindung zuständig ist. Da kommt dann nämlich sowas wie in deinem Beitrag dabei raus. Du hättest dir doch bestimmt die Todesstrafe gewünscht, wohin gegen so tapfere Bürger wie der Bayernvorstand eigentlich das Bundesverdienstkreuz verdient hätte, trotzt horrender Steuerhinterziehung, aber der hat ja eigentlich nichts gemacht.

Nein nein! So geht das nicht. Was du willst, dass ist nicht im Sinne des Rechtsstaates. Deshalb hast auch du das Urteil zu akzeptieren. Da sitzen Berufsjuristen, sowohl der Staatsanwalt, Richter, also auch der verteidigende Anwalt. Und jeder hat die Möglichkeiten, die ein Rechtsstaat vor sieht (selbst der Angeklagte). Sogar die offenbar zugelassene Nebenklage hat Möglichkeiten. Ich wüßte nicht, wie du da irgend was positives beitragen könntest, was im Sinne unseres Rechtsstaates und der Grundlagen der Gesellschaft dient.