Der Leipziger Gewandhauskapellmeister Kurt Masur in Aktion am Dirigentenpult mit seinem Orchester während eines Gewandhauskonzertes, aufgenommen 1975.
Masur 1975 in Leipzig am Dirigentenpult. Bildrechte: dpa/Manfred Uhlenhut

Musik Dirigent Kurt Masur ist tot

Der Dirigent Kurt Masur ist tot. Er starb am Sonnabend im Alter von 88 Jahren in den USA. Masur war von 1970 bis 1996 Gewandhauskapellmeister in Leipzig und hatte großen Anteil an der Friedlichen Revolution. Mit seiner Arbeit in New York, London und Paris hat er große Spuren in der Musikwelt hinterlassen. Weit mehr als 100 Aufnahmen mit zahlreichen Orchestern liegen von ihm vor.

Der Leipziger Gewandhauskapellmeister Kurt Masur in Aktion am Dirigentenpult mit seinem Orchester während eines Gewandhauskonzertes, aufgenommen 1975.
Masur 1975 in Leipzig am Dirigentenpult. Bildrechte: dpa/Manfred Uhlenhut

Der Dirigent Kurt Masur ist tot. Er starb am Sonnabend im Alter von 88 Jahren in einem Krankenhaus in Greenwich im US-Bundesstaat Connecticut, wie die New Yorker Philharmoniker mitteilten. Mit "tiefer Trauer" gebe er im Namen der Familie Masur und der New Yorker Philharmoniker den Tod des Stardirigenten bekannt, schrieb der Leiter des Orchesters, Matthew VanBesien.

Bundespräsident Joachim Gauck schrieb in einem Kondolenzschreiben an die Witwe des Dirigenten: "Kurt Masur war nicht nur ein herausragender Musiker, sondern auch ein homo politicus." Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich erklärte, mit Masur sterbe ein "Dirigent des Volkes".

Stanislaw Tillich
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich "Mit Kurt Masur stirbt ein Dirigent des Volkes. Als Gewandhauskapellmeister hat er nicht nur das Orchester geführt. Er hat durch seine Persönlichkeit, seinen internationalen Ruf und seine große Beliebtheit mitgeholfen, die Demonstrationen 1989 zu einer friedlichen Revolution zu führen. Dafür sind wir Sachsen ihm für immer dankbar. Er bleibt in unserer Erinnerung als großartiger Dirigent und Weltbürger mit sächsischer Geschichte. Der Tod Kurt Masurs ist ein großer Verlust für Leipzig, Sachsen und die Musikwelt. Wir sind in Gedanken bei seiner Familie." Bildrechte: dpa

"Wir verlieren einen großen Humanisten"

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung würdigte am Sonnabend die prägende Rolle Masurs für die Stadt Leipzig, wo er fast 30 Jahre am Pult stand. "Wir verlieren ein musikalisches Genie, einen faszinierenden Dirigenten von erstem Weltrang und einen großen Humanisten", so Jung. Er erinnerte zugleich an die wichtige Rolle, die Masur am 9. Oktober 1989 mit seinem Aufruf zum Gewaltverzicht bei der Montagsdemo spielte. "Masur setzte erfolgreich seine Autorität ein, um friedlich das System zu revolutionieren. Kurt Masur wird Leipzig fehlen, wir verlieren eine Identifikationsfigur und ich persönlich werde seinen väterlichen Rat schmerzlich vermissen."

Als ich mitbekam, dass auf einmal Straßenmusiker in der DDR festgenommen wurden, die ihren Protest friedlich zum Ausdruck bringen wollten, erkannte ich, dass es überfällig war, etwas zu ändern.

Kurt Masur

Über 900 Tournee-Konzerte mit dem Leipziger Gewandhausorchester

Kurt Masur war von 1970 bis 1996 Gewandhauskapellmeister in Leipzig. In dieser Zeit gab er mehr als 900 Tournee-Konzerte. Im Revolutionsherbst 1989 gehörte er zu den sechs Leipziger Persönlichkeiten, die mit einem eindringlichen Appell öffentlich zur Gewaltlosigkeit aufriefen. Über den Stadtfunk erreichte die mehr als 70.000 Montagsdemonstranten die Nachricht, die Masur vorher aufs Band gesprochen hatte: "Wir bitten Sie dringend um Besonnenheit." Später kommentierte er die Szenerie: "Ich war nur einer der bekanntesten von denen, die ihre Angst überwunden hatten." Den Herbst 1989 beschrieb er für sich so: "In diesem Tagen bin ich Leipziger geworden."


Von 1991 bis 2002 arbeitete Masur als Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. Von 2000 bis 2007 war er Musikdirektor des London Philharmonic Orchestra, ab 2002 zudem in Paris. Mit seiner vielgepriesenen Hartnäckigkeit und Genauigkeit brachte er die Klangkörper zu bemerkenswerten Erfolgen. Weit mehr als 100 Aufnahmen mit zahlreichen Orchestern liegen von ihm vor.

Beisetzung im engsten Familienkreis

Masur litt in fortgeschrittenem Alter an der Parkinson-Krankheit. Im Frühjahr 2012 brach er sich bei einem Auftritt in Paris das Schulterblatt. Einige Monate später machte er seine Krankheit öffentlich. 2013 stürzte er in Tel Aviv und brach sich die Hüfte.

Bis zu seinem Tod war er Ehrendirigent in Leipzig. Die Beisetzung soll nach Angaben der New Yorker Philharmoniker im privaten Kreis stattfinden. Zudem soll es eine öffentliche Gedenkveranstaltung geben.

Hintergrund

Biographie Kurt Masur kam am 18. Juli 1927 im schlesischen Brieg zur Welt. Nachdem er zunächst eine Lehre als Elektriker absolviert hatte, zog es ihn im Alter von 15 Jahren an die Landesmusikschule in Breslau. Nach dem Krieg begann Masur 19-jährig in Leipzig Klavier, Komposition und Dirigieren zu studieren.

1970 wurde er Gewandhauskapellmeister in Leipzig und leitete das Orchester bis 1996. Von 1991 bis 2002 war er Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. Im Jahr 2000 übernahm er zudem das London Philharmonic Orchestra und zwei Jahre später das Orchestre National de France in Paris.

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2015, 20:31 Uhr

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12 Kommentare

21.12.2015 14:11 Behnke, Eva-Maria 12

Kurt Masur wird uns als wunderbarer Dirigent, Initiator des Neuen Gewandhauses und vor allem mit seiner Besonnenheit und Stärke im Oktober 1989 in Erinnerung bleiben. Meinen großen Respekt vor dieser Lebensleistung!
Liebe Familie Masur, ich wünsche Ihnen viel Kraft bei der Bewältigung dieses großen Verlustes und versichere Sie meiner tiefen Anteilnahme. Besondere Grüße und Umarmung an Caroline - wir haben Deine Auftritte hier in Nordhausen (Frida Kahlo u.a.) nicht vergessen!

21.12.2015 07:17 sws 11

Er war einer der ganz Großen - einer, der Beethovens 9. Sinfonie verstanden und gelebt hat. Kurt Masur war einer, der sein ganzes Leben gearbeitet hat - nie zufrieden war, immer die Aussagen von Musik zu den Menschen brachte. Die Welt ist ärmer geworden, ein großer Humanist und ein immer bescheiden gebliebenes Genie ist von uns gegangen. Ich stelle ihn Beethoven an die Seite. Sein Wunsch, in Leipzig bestattet zu werden spricht für seine Größe - hat ihn doch diese Stadt 1996 vertrieben... Ich bin dankbar, einige seiner Konzerte live erlebt zu haben. Das Gewandhaus verliert seinen "Vater" und genialen Begleiter. Kurt Masur möge ewigen Frieden finden.

20.12.2015 10:21 Dr. Becker 10

Ein Haiku f"ur den Maestro von einem Germanistikprofessor aus Deutschland - jetzt im Globus:

Kurt Masur war kein Komponist; er war ein Dirigent! Danke!


Ich hoffe, dass eine seiner Totenmasken im Bach-Haus eine letzte Heimat finden wird.

In den U.S.A. werden wir alle ausgelaugt wir eine Apfelsine oder Zitrone, um Saft zu bekommen;
Ich m"ochte an Heimat 3 von Edgar Reitz erinnern, der Kurt Masurs Reaktion in der Nacht des 9.Novembers 1989 mit so viel Zivilcourage - in seinem Werk verewigt hat!

Ich erinnere mich an seine Konzerte in Chikago, Leipzig und New York City!

Ein wahrer Meister!





20.12.2015 09:41 Renate 9

Er war eine hervorragende Leipziger Persönlichkeit. Wir haben ihn sehr
geschätzt.
Danke Kurt Masur. R.I.P.

20.12.2015 05:10 Dr. Udo Seifert 8

Tiefes Mitgefühl als ebenfalls Parkinsonerkrankter.

19.12.2015 00:31 Irene Wahle 7

lesenswert.

19.12.2015 22:07 Hans-Christoph Gaitzsch 6

Im Sachsenspiegel heute wurden als mitteldeutsche Tätigkeitsorte nur Leipzig, Halle und Schwerin genannt. Wir Dresdner werden aber dennoch die wunderbaren Konzerte mit der Dresdner Philharmonie nie vergessen.

19.12.2015 21:27 Peter Doderer 5

Kurt Masur erhielt 2012 im Gewandhaus zu Leipzig den Kuturpreis der deutschen Freimaurer für sein künstlerisches Schaffen , allerdings kommt man nicht umhin dabei auch an sein Auftreten im Oktober 1989 in Leipzig zu erinnern.Wir haben Kurt Masur als einen Menschen erleben dürfen ,
den eine große Herzenszärtlichkeit gegenüber seinen Mitmenschen auszeichnete .Ihm gilt unser Dank .Seiner Gattin Tomoko Masur unser tiefstes Mitgefuhl.

19.12.2015 21:17 Morchelchen 4

Ein großer Dirigent hat den Stab für immer weg gelegt. Schade, aber er hatte ein langes und erfülltes Leben und einmal ist es nun soweit... Wir werden uns gerne und voller Hochachtung an ihn erinnern!

19.12.2015 18:44 Reiner Arndt 3

Wie der langjährige Gewandhauskapellmeister immer wieder zu Silvester für uns alle Beethovens "Neunte" zelebrierte, gehört für mich zu den unvergesslichen Erinnerungen meines Lebens. Danke!