Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
Bildrechte: dpa

Elektro-Mobilität E-Auto laden mit "Karsten" und "Dieter"

Es klingt absolut logisch: Statt neue Ladestationen aufzustellen, warum nicht einfach das Elektro-Auto an einer Straßenlaterne aufladen? Dass sich das nicht so einfach in die Tat umsetzen lässt, mussten Wissenschaftler der HTWK in Leipzig feststellen. Sie haben an einer Lösung gearbeitet, die mittlerweile bundesweit gefragt ist.

Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
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Diesel-Skandal und Feinstaubbelastung - die Gründe, sich vom klassischen Verbrenner zu verabschieden und aufs Elektro-Auto umzusteigen, liegen auf der Hand. Die Nachteile allerdings auch: In Großstädten wie Leipzig mangelt es oft schon an einer Ladestation direkt vor der eigenen Haustür. Dabei sind Elektroautos mit einer derzeit durchschnittlichen Reichweite von 210 Kilometern vor allem für Großstädter attraktiv. Praktisch wäre doch, wenn man das Auto jederzeit aufladen könnte, wenn es steht: Während man arbeitet, einkaufen geht oder Freunde besucht. Denn nur wenn die Elektromobilität im Alltag praktisch ist, wird sie sich auch durchsetzen, ist ein Forscherteam der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) überzeugt.

Erste Lade-Laternen in Leipzig

Eine, in eine Straßenlaternen integrierte, Ladestationen für E-Autos
Eine der vier Lade-Laternen in Leipzig: Ladestation "Karsten" und LED-Laterne "Dieter". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Wissenschaftler haben deshalb gemeinsam mit den Leipziger Stadtwerken ein Ladesystem entwickelt, das sich in Straßenlaternen integrieren lässt. Die ersten Lade-Laternen wurden bereits im August 2016 in der Mozartstraße eingeweiht. Die vier LED-Laternen haben an ihrem Mast einen Kasten, in dem sich eine Steckdose und ein Touchpad befinden. Sobald sich ein Nutzer per Ladekarte oder Smartphone identifiziert hat, wird die Steckdose mit Strom versorgt - das Auto kann angeschlossen und geladen werden. Und das bisher kostenlos.

"Karsten" und "Dieter"

Wissenschaftler Viktor Wolff arbeitet an einem Laptop.
Viktor Wolff hat die Lade-Laternen mitentwickelt und ist jetzt an deren Markteinführung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Ladesystem wurde so weit entwickelt und getestet, dass es mittlerweile zu einem marktreifen Produkt geworden ist. Ein Leipziger Ingenieurbüro hat zwei Mitarbeiter der HTWK übernommen, die die Software betreuen und Ladekonzepte vermarkten. Das Unternehmen "Leipziger Leuchten" vertreibt die Ladestation unter dem Namen "Karsten", die dazugehörige LED-Laterne heißt "Dieter". Und das Interesse an der Technologie ist da: Über 50 Anfragen seien bereits bei dem "Leipziger Leuchten" eingegangen, teilte Geschäftsführerin Nadine Hofmann MDR SACHSEN mit. Seit 2017 können sich Kommunen in Deutschland Ladeinfrastruktur fördern lassen. Aber auch aus Österreich, Schweden und der Schweiz wurde bereits Interesse angemeldet. Die HTWK will die Kooperation künftig sachsenweit ausbauen und auch mit anderen Hochschulen zusammen arbeiten.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 11.07.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2017, 20:32 Uhr

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5 Kommentare

12.07.2017 16:43 Steinbock 5

Jedenfalls können wir dann in allen Lampen die Leuchtmittel sparen ... weil es ja dann die Drähte zwischen den Lampen sind, die glühen....

12.07.2017 11:29 Zahnkranz 4

Wenn man weiss wie wenig Geld die Stadt für die öffentliche Infrastrucktur ausgibt. Das kann sich jeder gern an zerbröselnen Strassen oder den maroden Gleisen der LVB selber anschauen. Dann weiss man auch das dieses Projekt in Leipzig nicht erfolgreich sein wird. Vieleicht in DD oder C oder Z. Aber sicher nicht Leipzig. Die letzte Grossinvestition in der Stadt war das Aufstellen von Schildern für die Umweltzone!

12.07.2017 10:32 Fragender Rentner 3

Wie CO2-Intensiv ist die Herstellung der Akkus und was ist mit der Entsorgung wenn sie defekt sind?

Bei den Studenten war glaube ich in Ilmenau da brannte ein Akku und hat die E-Autos zerstört die zum Testen entwickelt wurden, kam im Fernsehen einen Tag vorher.

Haben die die Akkus im Griff, dass nicht immer solche Brände entstehen, was geschied bei einen Unfall, wo der Akku beschädigt wird?

Wer will denn schon durch einen Unfall mit den Akkus geschädigt werden?

Bei dem Busbrand soll doch auch möglicherweise ein Batteriebrand mit Schuld sein, zu mindest hatte er mit Strom zu tuen?

11.07.2017 20:53 Großartig 2

Total super! Ein erster Schritt! Ich wünsche Herrn Wolff weiter ganz viel Erfolg und eine glückliche Hand.

11.07.2017 19:53 Fragender Rentner 1

Wie hatten sie vorhin beim MDR-Fernsehen gesagt, dass das Netz nicht ausgebaut ist und man über Std. also die ganze Nacht dort landen muß.

Es ist halt kein Starkstromnetz.