Studenten sitzen bei einer Vorlesung im Felix-Klein-Hörsaal im neuen Paulinum der Universität Leipzig vor einem gotischen Rosettenfenster,
Bildrechte: dpa

Uni Leipzig Langzeitstudenten müssen zahlen

Studiengebühren sind inzwischen überall in Deutschland abgeschafft. Stattdessen setzen die Hochschulen auf Gebühren für Langzeitstudierende. Nun werden sie auch in Leipzig fällig.

Studenten sitzen bei einer Vorlesung im Felix-Klein-Hörsaal im neuen Paulinum der Universität Leipzig vor einem gotischen Rosettenfenster,
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Wer bummelt, muss zahlen: Auch Leipzig führt ab sofort Gebühren für Langzeitstudenten ein. Wenn sie mehr als vier Semester über der Regelstudienzeit sind, werden 500 Euro fällig. 350 Euro kostet es, wenn die Zeit für ein Zweitstudium um mehr als sechs Semester überschritten wird. Das schreibt die Gebührenordnung vor, die 2012 im Sächsischen Hochschulgesetz beschlossen wurde und 2013 in Kraft trat. Aktuell sind von den Gebühren für Langzeitstudenten nur 54 der derzeit knapp 30.000 Studenten der Leipziger Uni betroffen.

Leipzig zieht nach

An den Technischen Universitäten Dresden und Chemnitz sowie der Bergakademie Freiberg gelten die Strafen bereits seit längerem. Der Leipziger Uni-Senat lehnte Studiengebühren aller Art bislang kategorisch ab, weil diese den Zugang zu Hochschulbildung einschränken würden. Seit dem 1. Oktober 2017 werden Langzeitstudenten nun aber auch in Leipzig zur Kasse gebeten.

"Finanzielle Ermahnung"

Der Gesetzgeber beabsichtige wohl eine gewisse finanzielle Ermahnung, denn Hochschulen sind steuerfinanziert, so Uni-Kanzlerin Birgit Dräger. "Jeder, der einen Studienplatz in Anspruch nimmt, besetzt den auch. Das kostet Geld der Hochschule, selbst wenn dieser Student sich nur selten blicken lässt. Er nimmt Ressourcen in Anspruch und das kostet öffentliches Geld und das müssen wir behutsam verwalten."

Der Studienplatz ist besetzt. Niemand anders kann ihn einnehmen.  

Dr. Birgit Dräger Kanzlerin an der Universität Leipzig

Dräger erklärte, in Ausnahmefällen könne die Gebühr gemindert oder erlassen werden. Vereinbart sei, dass eine Kommission über Härtefälle entscheidet.

Modell in der Kritik

Krankheit, Schwangerschaft, familiäre Umstände – Gründe gibt es viele für eine Verzögerung des Abschlusses. Auch die Tatsache, dass viele Studierende neben dem Studium arbeiten müssen, ist ein wichtiger Faktor. Der Studentenrat der Uni Leipzig beklagte zudem erst kürzlich Mängel in der Kommunikationsstruktur einiger Fakultäten. Änderungen der Seminarpläne, der Wegfall von Dozierenden oder der Ausfall von Vorlesungen würde mitunter zu einer verlängerten Studienzeit beitragen.

Quelle: mdr/gb/lt

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.10.2017 | ab 10:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2017, 09:18 Uhr

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6 Kommentare

02.10.2017 16:42 Untermensch aus Dunkeldeutschland 6

@Bernd L.
Studienplätze sind teuer. Aber die Hochschulen haben aufgrund geringer Leistungsorientierung wenig Interesse an erfolgreichen Absolventen. In der Tat benötigt niemand Leute, die nach 10 Jahren immer noch keinen Studienabschluss haben. Ich verstehe nur nicht, warum gerade die so leistungsorientierte Rechtskoalition Druck auf die Hochschulen macht, damit diese ihre Curricula didaktisch vernünftig einrichtet, damit eben die Studenten besser durch ihr Studium kommen und rechtzeitig fertig werden. Es benötigt auch niemand inkompetente Leerkräfte, die durch Parteibuchwirtschaft aus dem Westen in den Osten entsorgt werden.

02.10.2017 15:31 Bernd L. 5

Hallo Untermensch, selten solchen Quatsch gelesen.
Die Argumentation der Uni ist richtig- ein Studienplatz ist teuer- wer bummlet, muss einen teil zahlen. Anderswo zahlen Studenten insgesamt 50 000 und mehr für die Kosten eines Studiums- bei uns ist es gratis, sogar für Ausländer(!)- der Normalbürger finanziert die Studien mit seinen Steuern.

02.10.2017 15:13 Fragender Rentner 4

Wozu benötigen wir Menschen die z.B. über 10 Jahre studieren?

Haben die keine Lust um einen Abschluß zu machen?

Da fällt mir ein "Langzeitstudent" bei einem Fernsehsender ein!

01.10.2017 21:01 Untermensch aus Dunkeldeutschland 3

Ich wünschte dass endlich die Hochschulen für schlechte Lehrorganisation zahlen müssten. Dies ist doch geradezu die Einladung zu Langzeitstudenten, da durch schlechte Lehrorganisation möglichst viele Studenten abkassiert werden können. Warum keine erfolgroientierte Bezahlung von Lehrkräften?

01.10.2017 17:18 Dienaja 2

Hallo,

Erstmal möchte ich sagen das es nicht stimmt das keine Studiengebühr fällig werden. Ich habe wie jeder andere auch Semestergebühren bezahlt. Was die Bummelgebühr an geht im Einzelfällen ok aber nicht wenn wichtige Gründe für eine Verlängerung des Studiums gesorgt haben.

01.10.2017 16:19 walter 1

Vollkommen richtig!

Es kann keinen Beruf Student geben. Regelzeit in gewissen Maß überziehen ist ok (10, 20 % dafür gibt es immer Gründe).