Gruppenbild mit Dankesplakat.
Die Fahrt wurde vor allem durch Spenden finanziert. Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Papstbesuch "Der Papst ist ein ganz normaler Mensch"

Zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit hat der Papst 6.000 Menschen, die sich in sogenannten prekären Lebenssituationen befinden, nach Rom geladen. Darunter auch zwölf Leipziger und drei Betreuer, die mit vielen Eindrücken und schönen Erinnerungen, aber auch erschöpft zurückgekommen sind.

Gruppenbild mit Dankesplakat.
Die Fahrt wurde vor allem durch Spenden finanziert. Bildrechte: MDR/Lily Meyer

"Ich bin doch noch gar nicht da, ich bin doch noch in Rom", scherzt Annett Adam. Sie ist eine von 15 Leipzigern, die am vergangenen Wochenende den Papst besuchen durften. Seit mittlerweile elf Jahren kommt Adam fast jeden Tag in die Leipziger Oase - einer Anlaufstelle für Wohnungslose, aber auch Menschen, die mit Krankheiten oder ihrem Schicksal zu kämpfen haben. Die 49-Jährige ist selbst nicht obdachlos, stand aber schon zweimal fast auf der Straße. Bis zuletzt war sie sich nicht sicher, ob sie die Reise packen würde. Adam leidet an einer Muskelkrankheit. Ihre Hausärztin habe ihr aber Mut gemacht. Zum Glück, denn die Reise zum Papst sei für sie sehr wichtig gewesen, erzählt Adam.

Kraft aus einer kräftezehrenden Reise

Frau mit blauem Schal: Annett Adam
Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Ich hab mich die ganze Zeit darauf gefreut, ihn mal live zu erleben. Er hat mir Kraft gegeben, weiterzumachen, wenn man an einem Punkt ist, wo man nicht mehr kann. Ich wollte mir beweisen, dass ich auch was schaffen kann. Ich wollte mir beim Papst Kraft holen.

Annett Adam

Am Donnerstagmorgen um 4:30 Uhr begann die Reise in Leipzig. Mit dem Flugzeug ging es dann von Berlin nach Rom. Gleich die erste Kraftprobe für Adam - sie hat mit Flugangst zu kämpfen. Aber die Vorfreude auf den Papst überwog. Am Freitag war es dann endlich soweit - gemeinsam mit 6.000 anderen Pilgern aus der ganzen Welt konnten die 15 Leipziger den Papst sehen und hören. Nur zehn Meter trennten die Leipziger vom Kirchenoberhaupt. Ein besondere Erfahrung für die ganze Gruppe.

Aber nicht nur die Audienz beim Papst hat Adam sehr bewegt, den sie als ganz normalen Menschen erlebt hat. Auch die Stadt Rom hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen: "Da liegen die Obdachlosen auf dem Fußweg und da dachte ich, oh mein Gott, wie gut geht es dir. Auch wenn wir manchmal auch zu knaubeln haben. Das hat mir Mut gemacht." Unter Tränen erklärt Adam, dass ihr einiges bewusst geworden sei: "Es kam so vieles hoch, was man einfach manchmal vergisst. Dass ich eigentlich auch mein Leben ändern muss." Für andere da zu sein, sei zwar schön, aber sie müsse einfach öfter auch an sich denken. Sich selbst mehr wertschätzen.

Nach Vorne schauen

Auch Bernd Hänsch, der von allen nur der Seemann genannt wird, haben die vielen Obdachlosen auf den Straßen Roms sehr mitgenommen. Weil sie ihn an seine eigene Vergangenheit erinnert haben. Hänsch hat sich von der Obdachlosigkeit zurück ins Leben gekämpft und arbeitet jetzt ehrenamtlich in der Oase. Der 64-Jährige muss seine Eindrücke von der Reise erst noch verarbeiten. "Es war schön, es war erfüllend, es war schwierig", sagt der ehemalige Bauningenieur.

Älterer Herr: Bernd Hänsch (Der Seemann)
Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Ich habe mit Gott gesprochen und es tat mir sehr gut. Der Papst ist ein toller Mann. Er war da. Er ist durch die Menschenmengen gegangen und hat Guten Tag gesagt. Hat gesagt, du bist ein toller Mann, du bist eine tolle Frau. Ich konnte es mit einer großen Freude wahrnehmen.

Bernd Hänsch, genannt der Seemann

Auch wenn es eine schöne und wichtige Erfahrung für Hänsch war, er schaue lieber nach vorne und freue sich auf das, was noch kommt: "Ich glaube, kluge Menschen schauen niemals zurück. Es kommt noch so viel Schönes auf uns zu. In sechs Wochen ist Weihnachten. Da freue mich mich drauf."

Helfen und helfen lassen

Begleitet wurde die Gruppe auch von Schwester Maria. Der Papst habe jedem einzelen Mut gemacht und die Gruppe im Inneren berührt, berichtet sie. Menschen, die sonst an den Rand gedrängt werden und nicht gesehen werden wollen, hätten für einen Moment im Mittelpunkt gestanden.

Frau mit gelbem Stirnband: Schwester Maria
Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Es ging darum, dass man von ganz unten wieder rauskommen kann, wenn man sich helfen lässt, wenn man an die richtigen Leute gerät, wenn man einen Glauben hat, der einem Halt gibt. Also alleine kommt man da nicht raus.

Schwester Maria

Die Reise habe aber noch etwas ganz anderes bewirkt, erzählt Schwester Maria. Die Gruppendynamik habe sich innerhalb der kurzen Zeit stark gewandelt. "Wir hatten Menschen mit, die körperlich angeschlagen waren, die auf Hilfe angewiesen waren." Am Anfang wurden die nur mitgezogen. Am Ende habe man sich darum gerissen, einander zu helfen. "Es war dann plötzlich eine Ehre, nicht mehr allein zu gehen, sondern im Doppelpack mit jemandem, der Hilfe braucht. Und die starken Männer haben angeboten, den Frauen die Koffer zu tragen und wurden richtige Kavaliere. Und im Bus war es sogar so, dass sie mich haben schlafen lassen, obwohl sie noch so viel hätten wissen wollen."

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2016, 15:55 Uhr

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