Leipzig March for Science
Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

March for Science Wissenschaftler in Sachsen gehen auf die Straße

Im Freistaat haben Wissenschaftler gegen sogenannte Fake News demonstriert. Der „March for Science“ fand in Leipzig und Dresden statt. Auf der Veranstaltung in Dresden forderte Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange Vertrauen in die Forschung und Freiheit der Wissenschaft. Sachsenweit waren tausende Unterstützer auf den Veranstaltungen.

Leipzig March for Science
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Am Sonnabendnachmittag haben sich in Dresden und Leipzig mehrere tausend Akademiker, Studenten und Unterstützer gegen Wissenschaftsfeindlichkeit ausgesprochen. In der Landeshauptstadt zählten die Veranstalter bis zu 2.000 Teilnehmer. Unter ihnen war auch die Wissenschaftsministerin von Sachsen, Eva-Maria Stange. Die SPD-Politikerin sagte auf der Veranstaltung, Wissenschaft dürfe nicht weg- oder eingesperrt werden. Außerdem müsse man wissenschaftliche Diskussionen friedlich führen.

Gegenwind für Wissenschaftskritiker

Leipzig March for Science
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Zeitgleich gab es auch in Leipzig eine Demonstration. Wer Banner oder selbstgemalte Schilder dabei hatte, musste die gut festhalten, denn den Teilnehmern blies der Wind kräftig um die Ohren. Trotz der kühlen Temperaturen beteiligten sich laut der Forschungsgruppe Durchgezählt rund 950 Unterstützer. Vor allem Studenten und Doktoranden der Universitäten Leipzig und Halle waren dabei.

Auffällig sind die vielen Transparente auf Englisch. Den Grund dafür sieht Demonstrationsteilnehmerin Sigrid Uxe im Ursprung der Prostestbewegung: "Der March for Science kommt aus den USA, deshalb habe ich mein Schild auch auf Englisch verfasst." Auf ihrem Schild prangen die Worte "Dear Donald, if you don't have a clue, you shouldn't have an opinion!", was auf Deutsch etwa heißt "Lieber Donald, wenn du keine Ahnung hast, solltest du auch keine Meinung haben."

Der aktelle US-Präsident zieht sich wie ein roter Faden durch den Protestzug in Leipzig und wird auch auf der abschließenden Kundgebung thematisiert. Im Schnelldurchlauf erklären Experten in kurzen Vorträgen auf dem Augustusplatz, welchen Bedingungen Wissenschaftler in Ländern wie den USA oder der Türkei ausgeliefert sind. Unter den Rednern ist auch die Leipziger Universitätsrektorin Beate Schücking.

US-Präsident als Auslöser weltweiter Proteste

Die größten Probleme - so der Tenor der Wissenschaftler - sind sogenannte "alternative Fakten" und die Beschneidung der Freiheit von Wissenschaft. Ergebnisse, die nicht ins eigene Weltbild passen, werden immer öfter umgedeutet, das Vertrauen in wissenschaftliche Untersuchungen schwindet. Das könne man beispielsweise an den Impfskeptikern sehen. Immer häufiger entscheiden sich Eltern demnach gegen eine Masernimpfung - entgegen der medizinischen Empfehlungen.

Leipzig March for Science
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Wer in bestimmten Ländern gegen die Überzeugung der Machthaber forscht, müsse mit Verfolgung, Drohungen, Repressalien und Haft rechnen. Die weltweite Forderung des March for Science lautet deshalb, dass Entscheidungen wissenschaftsbasiert gefällt werden sollten – und nicht aus einem Bauchgefühl oder einem politischen Interesse heraus.

Weltweit waren am Sonnabend in rund 600 Städten Menschen auf die Straße gegangen. Sie wollten damit ein Zeichen setzen gegen Populismus, alternative Fakten und Fake News. Auslöser für den Marsch waren wissenschaftskritische Aussagen von US-Präsident Donald Trump.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR 1 RADIO SACHSEN | 22.04.2017 | 13:00 Uhr

MDR SACHSENSPIEGEL | 22.04.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2017, 19:06 Uhr

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20 Kommentare

24.04.2017 18:35 Agnostiker 20

@ 12: Und was hat der Holocaust mit Wissenschaft zu tun?

24.04.2017 17:42 ralf meier 19

@Der Lutz spricht Nr 18: Schauen Sie sich noch mal die Videos an. Es war der Professor, der an seinem Vortrag gehindert wurde. Seine wissenschaftliche Arbeit war es auch, die schon im Vorfeld ausgerechnet von Anhängern der Genderideologie als nicht wissenschaftlich diffamiert wurde. Wenn Sie die Redeerlaubnis für einen Professor davon abhängig machen wollen , welche legale politische Gruppierung ihn eingeladen hat, dann verlassen allerdings Sie den Boden freier Lehre und Forschung.

24.04.2017 16:33 Der Lutz spricht an ralf meier 18

Ich bleibe bei den Fakten: es war eine als solche auch beworbene Veranstaltung der AfD-Studentenschaft, in der Andre Poggenburg als Redner noch vor Wolff angekündigt wurde und sprach. Und damit verlässt diese Veranstaltung den Boden freier Lehre und Forschung.

24.04.2017 10:54 ralf meier 17

@Anonymus Nr. 14: siehe mein Kommentar Nr 15.

23.04.2017 19:27 grünauerin 16

Das ist ein Marsch für die Mütze. Da wollen Genderisten und Klimatologen uns einreden, dass sie Wissenschaftler wären. Niemand ist gegen wissenschaftliche Forschung, kein Trump und kein sonstwer. Aber alle, die sich Wissenschaftler nennen, sollten sich an These und Antithese erinnern. DAS macht wirkliche Wissenschaft aus!

23.04.2017 19:23 ralf meier 15

@Der Lutz spricht: Hallo Lutz, können wir bei den Fakten bleiben, die im Kontext dieses Artikels von Bedeutung sind? Herr Professor Gerald Wolf wurde daran gehindert, seine Rede zu halten. Das war kein Protest, sondern ein Anschlag auf die Freiheit von Forschung und Wissenschaft. In einem stimme ich Ihnen zu. Das Verhalten der 35 Professoren, die diesen Anschlag verteidigten, sollte wirklich zu denken geben.

23.04.2017 19:11 Frage an Ralf meier 9 14

Warum soll sich die sächsische Wissenschaftsministerin zu einem studentischen von einer Vielzahl von Professoren unterstützten Protest gegen eine AfD-Propagandaveranstaltung an einer sachsen-anhaltinischen Uni äußern?

23.04.2017 18:47 Reinhard Moysich 13

Nur neutrale Wissenschaft kann mehr Frieden schaffen.

Bei der sehr großen Vielfalt aller Menschen kann alleine die Wissenschaft grundlegende Bedingungen erarbeiten, dass wir alle in mehr Frieden leben.
Zum Beispiel kann das genetische Forschungsergebnis, dass alle Menschen zu 99,8% miteinander verwandt sind, dazu beitragen, in jedem anderen Menschen einen engen Verwandten zu sehen, welcher Respekt und gegebenenfalls auch Hilfe verdient. Die sehr geringen 0,2% an Unterschieden - z.B. an Hautfarbe - sollten als willkommene Vielfalt der Menschheitsfamilie angesehen werden.
Hinzu kommt, dass Astronomen bisher nirgendwo im gesamten Universum auch nur entfernt ähnliches Leben wie den Menschen entdeckt haben. Dies sollte ein sehr wichtiger Grund sein, sich selbst und jeden anderen Menschen als eine extreme Kostbarkeit anzusehen, angehäuft mit einer riesigen Anzahl sowohl mitmenschlicher wie leider aber auch - von unseren tierischen Vorfahren her - gegenmenschlicher Fähigkeiten.

23.04.2017 18:41 Der Lutz spricht @ Ralf Meier 9 12

Es sollte zu denken geben, wenn 35 Professoren den Protest gegen die von Ihnen genannte AfD-Veranstaltung offen unterstützt haben. Es ging auch weniger um einen genderforschungskritischen Vortrag von Herrn Wolf als vielmehr um die Selbstdarstellung des Herrn Poggenburg. Und wie sich zeigte, fühlte der Herr Wolf sich unter den Studenten sichtlich wohler als unter den etwas einfacher gestrickten Schlägern ähh "Saalschützern" des Herrn Poggenburg...

23.04.2017 11:24 Marco Körner 11

Die englische Sprache der Schilder und Transparente hat auch ein bisschen was damit zu tun, dass Wissenschaftler hauptsächlich auf Englisch miteinander kommunizieren. In vielen Labors weltweit ist Englisch die Arbeitssprache weil die Forscherteams einfach international zusammengesetzt sind. Genau das meint auch der Slogan "Wissenschaft kennt keine Grenzen".

@Grünspecht:
Die Türkei sperrt aktuell ihre Wissenschaftler weg: [...]
[..., externer Link. MDR.de]