Junge Künstler ausgezeichnet Marion-Ermer-Preis erstmals wieder in Leipzig vergeben

Was wäre, wenn die industrielle Revolution von der arabischen Welt ausgegangen wäre? Dieses Szenario können sich Kunstinteressierte seit Freitag anschauen. Für seine Arbeit hat Manaf Halbouni neben Katharina Schilling, Marian Luft und Thomas Taube den Marion-Ermer-Preis für junge Künstler erhalten.

Preisträger Manaf Halbouni vor einem seiner Werke beim Marion-Ermer-Preis 2016
Preisträger Manaf Halbouni Bildrechte: MDR/Niklas Tolkamp

Manaf Halbouni führt die Betrachter in der Rolle eines fiktiven Generals in ein Paralleluniversum seiner Werke. Er stellt sich vor, dass die industrielle Revolution im 18. Jahrhundert nicht von Europa, sondern vom arabischen Raum ausgegangen ist. Die Figur des Generals Yusef Hadid ist maßgeblich an der Befreiung und Kolonialisierung Europas beteiligt. Auch auf die Angst vor Überfremdung insbesondere in Sachsen spielt er an.

In meinem Gehirn laufen viele Geschichten ab, die sich anschließend verbinden.

Künstler Manaf Halbouni

Seine Werke aus Beton und Plastik sowie Landkarten und Videos hat der gebürtige Syrer komplett selbst erstellt.

Besucher betrachten ein Werk von Preisträger Manaf Halbouni
Beton und Plastik finden sich in einigen Werken von Manaf Halbouni. Bildrechte: MDR/Niklas Tolkamp

Ausstellung, Preisgeld und eigener Katalog

Malerei, Bildhauerei und Film - all das zeigen Manaf Halbouni, Katharina Schilling, Marian Luft und Thomas Taube in ihrer Ausstellung im Museum der bildenden Künste in Leipzig. Sie haben am Freitag den Marion-Ermer-Preis bekommen, der zum ersten Mal seit 2002 wieder in der Stadt vergeben wurde. Eine fünfköpfige Jury hatte aus über 200 Einreichungen ausgewählt.

Der Preis wird seit 15 Jahren von der Marion-Ermer-Stiftung vergeben, die nach der Wiedervereinigung als erste private Kulturstiftung in den neuen Bundesländern gegründet wurde. Neben der Ausstellung erhalten die Gewinner jeweils ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro und einen eigenen Katalog.

Bewegtes Leben der Stiftungsgründerin

Möglich macht es die Stiftung. Deren Namensgeberin Marion Ermer erhielt nach der Wende aus Restitutionsansprüchen ein Immobilienvermögen in Höhe von 150 Millionen Mark. Daraufhin gründete die gebürtige Münchnerin die Kulturstiftung für Sachsen und Thüringen. Aufgrund eines Betrugs verlor Ermer einen Großteil des Vermögens und konnte nur sechs statt der vorgesehenen zehn Millionen Mark bereitstellen. Die heute 63-Jährige lebte anschließend in sehr einfachen Verhältnissen. Zudem leidet sie seit Jahrzehnten an Multipler Sklerose und ist erblindet. Aus gesundheitlichen Gründen konnte sie nicht bei der Preisverleihung dabei sein, die in diesem Jahr zum ersten Mal in Kooperation mit dem Museum der bildenden Künste stattfand.

Lob für die Stiftung und die Künstler

Der Friedlichen Revolution sei es zu verdanken, dass es die Stiftung gibt, sagte Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke. Kuratoriumsvorsitzender Hellmut Seemann erntete einige Lacher, als er anmerkte: "Der Preis ist zu 90 Prozent für die, die ihn bekommen und zu 10 Prozent für die, die ihn vergeben. Dieses Verhältnis ist bei manchen Kunstpreisen umgekehrt." Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt lobte die Künstler für ihre "stets ausgefahrenen Antennen" auf dem Weg durch verschiedene Länder und Städte. Ihre Antennen durften auch die Besucher auf ihrem Rundgang durch die Ausstellung ausfahren.

Inspiration aus dem Internet

Während Manaf Halbouni in seinen Ausstellungsstücken mit dem Einfluss der arabischen Welt spielt, lässt sich Marian Luft von Bildern auf Blogs und in sozialen Netzwerken inspirieren. In Collagen setzt er diese Bilder neu zusammen und macht so auf die Reizüberflutung durch Smartphones und Tablets aufmerksam.

Preisträger Marian Luft vor seinem Werk "Slooagh"
Preisträger Marian Luft betrachtet sein Werk "Sluagh", das zehn Logos der weltweit größten Firmen in abgewandelter Form zeigt. Bildrechte: MDR/Niklas Tolkamp

Film aus New York wird am 25. Januar gezeigt

Alltagsobjekte, Porzellanfiguren oder Früchte sind auf den Gemälden von Katharina Schilling zu sehen. Ihre Bildmotive sind nicht symbolisch aufgeladen, stattdessen geht es ihr in erster Linie um Materialität, Oberflächen und Strukturen. Thomas Taube wiederum stellt eine Art Making-of seines Films "Situations" aus. Zuschauer können sich mit Regieanweisungen, Skizzen sowie Video- und Tonaufnahmen beschäftigen. Der Film selbst, der in New York entstanden ist, wird am 25. Januar im Museum uraufgeführt und ist bis zum Ende der Ausstellung zu sehen.

Besucher betrachten ein Werk von Preisträger Thomas Taube
Die Kunstwerke von Thomas Taube beziehen sich auf seinen Film "Situations". Bildrechte: MDR/Niklas Tolkamp

Öffnungszeiten Die Ausstellung ist täglich außer montags bis zum 19. Februar geöffnet. Mittwochs von 12 bis 20 Uhr, an den übrigen Tagen von 10 bis 18 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2016, 16:08 Uhr

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3 Kommentare

06.12.2016 11:11 Nur zu Info 3

Phersenhasser,
Ich bin der Meinung sie sollten sich einmal mit dem Nahenosten beschäftigen bevor sie losrollen.
Bis 1920 war die Industrialisierung auch dort überall im vollen Gange. Sprich die Grosen Metropolen wie Damskus, Beirut, Aleppo, Jarusalem, Cayro, Bagdad und natürlich die Hauptstadt des Osmanischen reich Istanbul. Teil dieser Städte waren schon viel weiter in bestimmten Handwerken und Industrie als so mansch Grose europäische Metropole. ( textile Industrie ). Die Kolonialisierung der Gegend nach dem erstem Weltkrieg durch die Engländer und Franzosen hat fatales mit sich gebracht da einfach Teil weise die Problem die wir jetzt kennen. Die Gegend ist ziellos mit dem Lenial auf geteilt ohne Rücksicht auf Minderheiten von denen es dort sehr sehr sehr viele gibt. Die Franzosen haben sich übrigens in den 20ern auch die ganze textile Industrie in Damaskus und Aleppo geklaut und einfach in Paris wider Aufgebaut. ich würde mich an deiner Stelle etwas mehr belesen.

04.12.2016 09:13 Wieland der Schmied 2

@ 1 Phrasenhasser > Gratulation zu dem vorzüglichen Artikel. Sie machen ihrem Namen alle Ehre. Danke.

03.12.2016 17:30 Phrasenhasser 1

Was es da "Künstlerisches" zu sehen gibt, kann man sich anhand der Schilderung ungefähr vorstellen...
Auf solche Ideen, dass die industrielle Revolution von islamischen Ländern hätte ausgehen können, die jetzt noch im Mittelalter feststecken, dazu gehört eine märchenhafte Phantasie. Und es müsste dem Mann in der Protz-Uniform der "Hans-Christian-Andersen-Anerkennungspreis" dafür verliehen werden, aber nicht dieser...
Ach so: Spätestens als "General" Halbouni mit seinem "beachtenswerten Werk" auf die Überfremdungsmacke der Sachsen anspielte, die zur benannten Zeit, nebenbei bemerkt, sehr hoch industrialisiert waren, während die Araber größtenteils noch als Nomaden ihr Auskommen fristeten, war ihm die Nominierung sicher. Dazu muss man kein Schelm sein, um sich das auszudenken, sondern einfach Realist!