Eine Spritze liegt auf einem Impfpass.
Bildrechte: IMAGO

Gesundheitsamt alarmiert Mindestens 30 Masernfälle in Leipzig

Das Jahr ist erst sechs Wochen alt, doch schon jetzt haben sich in Leipzig mehr Menschen mit den Masern infiziert als 2011 im ganzen Freistaat. Betroffen sind neben Erwachsenen und Jugendlichen auch Kinder. Das Gesundheitsamt ist alarmiert und ruft dazu auf, den eigenen Impfschutz zu prüfen.

Eine Spritze liegt auf einem Impfpass.
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Rote Flecken auf der Haut und Fieber – das sind die typischen Masern-Symptome. Verläuft die Krankheit schwer, sind auch lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungen- und Hirnentzündungen möglich, an denen Patienten sogar sterben können. In Leipzig haben sich seit Beginn des Jahres mindestens 30 Menschen mit dem Virus infiziert, in drei weiteren Fällen steht eine Bestätigung noch aus. Erstmals war das Virus hier in diesem Jahr am 9. Januar entdeckt worden.

Für Nils Lahl vom Gesundheitsamt in Leipzig ist die aktuelle Masern-Welle bedeutend, weil "es so schnell ging, dass die Masernfälle aufgetreten sind. 2015 haben wir 74 Fälle gehabt und da hatten wir vier Monate Zeit dafür. Und das ist schon eine Zahl, die macht uns sehr nachdenklich." In drei Schulen, einer Kita, mehreren Arztpraxen und einer Klinik wurden deshalb Impfnachweise kontrolliert. Denn hier könnte es zu Übertragungen der Krankheit gekommen sein.

Die Infektkette unterbrechen

Hintergrund für die Kontrolle der Impfnachweise ist die enorme Kette, die in Gang gesetzt wird, sobald ein Masern-Fall vom behandelnden Arzt gemeldet wurde. Das Gesundheitsamt muss die Personen ausfindig machen, mit denen ein Masern-Kranker Kontakt hatte. Dann wird geschaut, ob Menschen darunter sind, die nicht gegen Masern geschützt sind, erklärt Lahl. "Wir müssen Besuchs- oder Tätigkeitsverbote aussprechen, um die Infektkette zu unterbrechen." Laut Stadtverwaltung dürfen Menschen, die sich mit dem Masernvirus angesteckt haben, Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten vorübergehend nicht besuchen. Eine Wiederzulassung sei nach dem Abklingen der Beschwerden und frühestens am fünften Tag nach dem Auftreten des Hautauschlages möglich.

Das Gesundheitsamt warnt davor, die Masern als harmlose Kinderkrankheit zu unterschätzen. "Masern sind eine wirklich ernstzunehmende Erkrankung, aber sie sind aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden. Das macht uns wirklich unruhig, weil wir anscheinend 2015 mit dem großen Ausbruch scheinbar nicht viel erreicht haben", meint Nils Lahl. Deshalb sei es gerade jetzt sinnvoll, den eigenen Impfschutz zu überprüfen.

Virus kam aus Rumänien

Nicht nur die schweren Krankheitsverläufe bei Kindern seien problematisch, auch ungeimpfte Erwachsene könnten sich anstecken und die Krankheit weiter übertragen. "Ganz kleine Kinder und chronisch Kranke sind gefährdet. In unserer großen Stadt kommen viele Menschen zusammen. Da ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass jemand die Masern bekommt, der bedroht ist. Das macht uns sehr unruhig."

Die aktuelle Häufung von Masern in Leipzig steht im Zusammenhang mit dem Masern-Ausbruch in Rumänien. Das hat das sogenannte Nationale Referenzzentrum festgestellt. Das Gesundheitsamt hatte Blutproben von Leipziger Masern-Patienten zu den Experten geschickt. Die haben herausgefunden, dass es sich um exakt das gleiche Virus handelt wie in Rumänien. Dort kommt es seit September vergangenen Jahres immer wieder zu Ansteckungen. Laut des Centrums für Reisemedizin wurden in Rumänien über 2.100 Erkrankungen gemeldet, 13 Menschen sind gestorben.

Bisher sind die Masern-Fälle anscheinend nur im Stadtgebiet selbst aufgetreten. Aus dem Landkreis Leipzig sind derzeit keine Fälle bekannt.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN: MDR 1 RADIO SACHSEN Regionalnachrichten | 13.02.2017 | 16:30 Uhr

MDR SACHSENSPIEGEL | 14.02.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2017, 20:22 Uhr

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3 Kommentare

14.02.2017 21:33 Mal ne Anmerkung 3

Wenn Eltern die Gesundheit ihrer und der anderen Kinder aufs Spiel setzen ,sollte den Kindern der Zutritt zu Kindereinrichtungen verwehrt werden.Irgendwie müssen die Eltern begreifen ,das wenn sie ihre Kinder nicht impfen lassen ,andere Kinder gefährden !Leider begreifen das viele "angeblich hochgebildete" Menschen nicht! Natürlich sollten Ausnahmen bei gesundheitlichen Problemen gemacht werden.

14.02.2017 18:54 rosmarie schade 2

Da diese Krankheit - MASERN-
nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist,
müßte die Impfpflicht für Kinder unbedingt
eingeführt werden!
DAS IST EIN MUß!
schließlich wurden wir Älteren früher auch geimpft
und das war gut!

14.02.2017 18:29 Die Fragende 1

Mit einer Impfpflicht, von Ausnahmen aus gesundheitlichen Gründen abgesehen, würde es dieses Problem zum größten Teil nicht geben.
Ich kann es nicht verstehen, dass so viele Kinder und junge Erwachsene nicht geimpft sind.
In unserer Familie gehen alle regelmäßig zur Auffrischungsimpfung.