Dokfilm-Festival "Montags in Dresden"

In Leipzig startet am Montag das DOK-Filmfestival. Im Programm eine Welt-Uraufführung: Der Dokumentarfilm "MONTAGS IN DRESDEN" von Sabine Michel. Der Film begleitet drei überzeugte Pegida-Anhänger der ersten Stunde. Im Gespräch mit MDR SACHSEN erzählt die Regisseurin, wie wichtig Kommunikation ist, von ihren Erfahrungen mit den Protagonisten und was Pegida bewirkt hat.

"Montags in Dresden" ist für den Dokfilmpreis des Goethe-Instituts und für den Filmpreis "Leipziger Ring" nominiert. Im Gespräch mit MDR SACHSEN begründet Ralph Eue, Leiter der Auswahlkommission warum der Film nominiert wurde. Die Frage, wie man mit einem Sachverhalt umgeht, der einem nicht gefällt, sei sehr interessant. Auch wie man sich mit ausgewiesenen AfD-Wählern auseinandersetzt und wie man da in Konfrontation geht, sei für ihn spannend. Es sei ein sehr heikles Spiel, das sich durch den gesamten Film durchzieht, so Eue.

Diese Gradwanderung ist spürbar, den ganzen Film hindurch. Sich in Begegnungen hinein zu begeben, die nicht unbedingt angenehm sind, die man aber als notwendig erachtet und mitteilen will.

Ralph Eue Leiter Auswahlkommission Dokfilm-Festival
Filmszene aus dem Dokumentarfilm 'Montags in Dresden'.
Filmszene mit René Jahn aus dem Dokumentarfilm 'Montags in Dresden'. Bildrechte: solo:film GmbH/Sabine Michel

Über ein Jahr lang hatte Regisseurin Sabine Michel drei überzeugte Pegida-Anhänger auf Demonstrationen in Dresden und in deren Alltag begleitet. Einfach waren die Dreharbeiten nicht. Oft wurde sie von den Leuten gefragt, wofür gedreht wird, erzählt die Regisseurin. Am Anfang sei die Ablehnung groß gewesen. Das sieht man auch im Film, so ist das Wort "Lügenpresse" oft zu hören. Doch als sie den Hintergrund der Dreharbeiten erklärt habe, war es für die Demonstranten ok, erklärt Michel. So portraitiert der Film Pegida-Anhänger der ersten Stunde: einen Unternehmer, das ehemalige Mitglied im Organisationsteam René Jahn und eine alleinerziehende junge Mutter.

Im Gespräch mit MDR SACHSEN erklärt Sabine Michel ihre Beweggründe für den Film.

Ich wollte wirklich verstehen, um was es unter der Oberfläche geht.

Sabine Michel

Und so fängt auch ihr Film an, mit der Frage: Wer geht hier und aus welchen Gründen auf die Straße? Und um was geht es ihnen wirklich?

Film ist kein Erklärstück

Sabine Michel ist mit offenem Interesse an Alltag und Denkweise ganz dicht an ihre Protagonisten herangerückt. "Montags in Dresden" sei dabei aber kein allumfassendes Erklärstück über Pegida, erklärte die Regisseurin.

Mich haben wirklich die Menschen auf dem Platz interessiert, die uns vielleicht etwas über unsere Gesellschaft erzählen können.

Sabine Michel
Filmszene aus dem Dokumentarfilm 'Montags in Dresden'.
Filmszene aus dem Dokumentarfilm 'Montags in Dresden'. Bildrechte: solo:film GmbH/Sabine Michel

Sie habe durch den Dreh erkannt, dass sich in den letzten Jahren die Widersprüche in der Gesellschaft verschärft hätten. Für die Menschen auf der Straße sei vieles nicht mehr nachvollziehbar, laufe vieles zu schnell ab, berichtete die Filmemacherin. Daher sei klar, um den Menschen zum Beispiel ein vereinigtes Europa oder die Globalisierung zu erklären und sie auf diesen Weg mitzunehmen, müsse es eine gute Kommunikation in der Gesellschaft geben.

Und ich glaube an dieser Kommunikation hakt es!

Sabine Michel

Reden ist Gold

Ob nun Pegida und Nicht-Pegida - die Abneigung werde von beiden Seiten gepflegt, berichtet Michel über ihre Dreherfahrungen in Dresden. Und das sei auch das Problem.

Wie soll es in der Gesellschaft weitergehen, wenn wir es nicht schaffen irgendwie miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die eineinhalb Jahre langen Dreharbeiten haben auch gezeigt, so Michel, dass die Pegida-Bewegung die Kommunikation in der Gesellschaft verändert habe. Sie spricht von der Einflussnahme von Pegida auf das politische Klima und dass das nicht allen schmeckt. Wichtig und kostbar sei doch, so Michel, dass sie und ihre Protagonisten es geschafft haben, obwohl man unterschiedlichen Lagern angehört, über die ganze Drehzeit und auch danach miteinander im Gespräch zu bleiben.

Filmszene aus dem Dokumentarfilm 'Montags in Dresden'.
Filmszene aus dem Dokumentarfilm 'Montags in Dresden'. Bildrechte: solo:film GmbH/Sabine Michel

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.10.2017 | 07:20 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 31.10.2017 | 19:00 Uhr

"Montags in Dresden" auf dem Dokfilm-Festival Leipzig 01.11.2017| CineStar Leipzig Kino 6 | 17 Uhr
02.11.2017 | Hauptbahnhof Osthalle | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Oktober 2017, 20:00 Uhr

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2 Kommentare

02.11.2017 20:46 Wieland der Schmied 2

Ein beachtenswerter Versuch, mit der Kamera etwas unverzerrt aufzuzeichnen und mit echten,aber kurzen Gesprächsfetzen die Situation wiederzugeben, ohne dem Vorwurf ausgesetzt zu sein, dem „Feind“ ein Sprachrohr zu geben.Das Klima ist heute nicht absolut gegensätzlich zu dem der DDR, Du mußtest immer gewapppnet sein, auf eine gesellschaftpolitische Frage die adäquate systemkonforme Antwort zu geben, wenn Du dazugehören wolltest. Ist heute keinen Deut anders. Anhänger von PEGIDA und AfD haben diesen Ballast abgeworfen, was einer Frau Michel natürlich selbst nicht ansatzweise unterlaufen durfte, Respekt. Die Deliquenten von PEGIDA heben die öffenliche Reputation längst abgestreift und erwarten aus Medien und anderen Verlautbarungen nichts mehr anderes als Nazis, Wutbürger, Fremdenhasser, Hetzer usw.usf. Auf dieser Basis kann es keine Verhandlungen geben. Die braucht es auch nicht mehr, wenn heute Vertreter der Reg.-Partei offenkundige Symphatien der Bewegung zollen.

02.11.2017 18:01 A.K. 1

Ein Glanzstück der Dokumentation. Hat uns sehr gut gefallen!
Ja wir müssen reden und das bald.