Explosion Leipzig Wohnhaus
Bildrechte: MDR/Dirk Knofe

Explosion in Leipzig "Den Knall werde ich meinen Lebtag nicht vergessen"

Nach einer Explosion in einer Wohnung in Meusdorf stehen einige Mieter vor dem Nichts. Nachbarn stehen auch drei Tage nach dem Unglück vor ihren Häusern und können das Geschehen kaum fassen. Der Schock sitzt bei einigen tief.

Explosion Leipzig Wohnhaus
Bildrechte: MDR/Dirk Knofe

Es ist kurz vor 14 Uhr, als am Sonnabend in Leipzig-Meusdorf ein Knall zu hören ist. "Der war nicht laut aber durchdringend, nicht wie bei einem Böller. Die Fensterscheiben haben vibriert, mein Mann ist von der Couch aufgesprungen. Dann haben wir raus geguckt und Flammen kamen aus dem Fenster da drüben." Nachbarn stehen am Dienstagvormittag vor ihrem Haus - nur zwei Aufgänge vom Unglücksort entfernt.

Vom Fenster im dritten Stock zwei Haustüren weiter ist nichts mehr übrig. Der Rahmen wurde herausgeschleudert, schwarzen Ruß haben die Flammen an der Fassade hinterlassen. Diese hängt teilweise nur noch in Fetzen von der Hauswand. Den Bereich hat die Polizei abgesperrt. Die Gefahr ist anscheinend groß, dass sich Teile lösen und herunterfallen können.

"Er ist nicht kriminell!"

Was in der Wohnung passiert ist, aus der später Flammen schlugen, ist noch nicht restlos geklärt. Ermittler gehen ersten Erkenntnissen zufolge von einer Verpuffung aus. Die Art und Weise, wie es zu der Verpuffung kam, ist aber weiterhin unklar. Der 28-jährige Mieter wurde befragt, laut Polizei gab es aber hier keine neuen Erkenntnisse.

"Trotzdem sind hier jeden Tag die Gaffer. Sonntag war es hier ein regelrechtes Ausflugsziel. Da sind alte Menschen mit Rollatoren hier lang gefahren und haben sich das angeguckt." Die Anwohner sind bedient. Auch über die Berichterstattung einiger Medien: "Da wird geschrieben, der Bewohner ist polizeibekannt. Der wird als Krimineller dargestellt und das stimmt einfach nicht. Das war mal eine Dummheit als Jugendlicher. Er ist jetzt alleinerziehender Vater. Und der hätte niemals sein Kind absichtlich in Gefahr gebracht."

Hilfe von Nachbarn

Einer der Nachbarn deutet auf einen Baum schräg gegenüber: "Schauen Sie mal da drüber im Baum - da hängt noch was. Die Feuerwehrleute haben nicht alles rausgeholt. Aber hinten sieht es viel schlimmer aus." Auch die Rückseite des Hauses mit angrenzender Grün- und Spielfläche hat die Polizei großflächig abgesperrt. Dort liegen Glasscherben, Wäsche, Balkonmöbel und das Balkongeländer der Wohnung quer durcheinander. "Die Scherben sind bis zur Straße geflogen. Das sind bestimmt 150 Meter."

Kein Wunder, dass bei dieser Wucht und dem anschließenden Feuer mehrere Menschen verletzt wurden. Einige Nachbarn sind überzeugt, dass sie Glück hatten: "Das hätte auch schlimmer sein können. Und die Nachbarschaftshilfe hat auch wunderbar funktioniert am Sonnabend. Da sind auch Nachbarn aus ganz anderen Häuser hergekommen und haben geholfen - noch bevor Polizei und Krankenwagen da waren."

Statiker prüfen Wohnungen

Und die Nachbarn helfen sich auch jetzt noch: Gespräche werden seit Sonnabend geführt. Immer wieder berichten sie, was sie zum Zeitpunkt der Explosion gemacht haben, wie die Feuerwehr erst nach einer gefühlten Ewigkeit kam, wie sie draußen warten mussten - teilweise im Bademantel. Eine Nachbarin berichtet: "Aber erst am Sonntag ist mir richtig bewusst geworden, was da passiert ist. Das geht hier einigen so. Ich wollte dann wieder arbeiten gehen. Das ging nicht. Morgen soll ein Kriseninterventionsteam kommen, hat man uns gesagt."

Während sich die Nachbarn weiter über die Vorkommnisse seit Sonnabend unterhalten, ist drei Aufgänge weiter reger Betrieb. Statiker prüfen, ob und wann einige Bewohner wieder in ihre Wohnungen dürfen, um wenigstens die wichtigsten Dokumente zu holen. Das Ergebnis wird noch am Abend verkündet: Alle zehn Mietwohnungen bleiben bis zu ihrer Sanierung aus Sicherheitsgründen gesperrt. Auch die angrenzenden fünf Wohnungen des benachbarten Hauseinganges sind wahrscheinlich nicht mehr bewohnbar, sagt eine LWB-Sprecherin MDR SACHSEN. Dazu seien aber noch weitere Untersuchungen nötig. Den betroffenen Mietern will die LWB nun Ersatzwohnungen in der Nähe anbieten. Ob und wann sie persönliche Dinge aus ihren gesperrten Wohnungen abholen können, ist weiterhin unklar.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 10.10.2017 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 13:38 Uhr

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3 Kommentare

13.10.2017 11:24 Kontrovers 3

Da geb ich Morchelchen recht! Auch wenn ich 10 Spraydosen deponiere ist die Sprengkraft nicht so groß das es das Haus so demolieren kann! Das wir hier nicht die reine Wahrheit erfahren kann mit den Ermittlungen zusammenhängen! Schätze ich mal so ein und deswegen werden sie uns nichts weiter mitteilen!!

12.10.2017 14:38 Morchelchen 2

Dass so eine Wucht nicht mit einigen zufällig explodierten Spraydosen zustande kam, müsste jedem Menschen klar sein. Also ist es unmöglich, dass es damit, oder völlig grundlos, zu dieser Explosion kam. Wenn es denn eine Verstrickung unglücklicher Zusammenhänge war, könnte Gas dabei wirklich eine Rolle gespielt haben. Übrigens kann man sich nicht vorstellen, dass die patenten Feuerwehrleute und Brandursachenermittler nicht darauf kommen, was der Grund dafür war.
Diese Raterei kommt uns Mediennutzern mittlerweile wirklich merkwürdig vor.

10.10.2017 21:38 Leepzscher 1

Irgendwas verschweigen die uns. Hat er ne Bombe gebaut oder Automaten gesprengt?