Region Leipzig

Offizin Andersen Nexö : Leipziger Traditionsdruckerei meldet Insolvenz an

Die Leipziger Traditionsdruckerei Offizin Andersen Nexö (OAN) hat Insolvenz angemeldet. Das teilte Unternehmenssprecher Jörg Nolte am Freitag mit. Er betonte jedoch, dass der Schritt nicht das Ende des Unternehmens bedeuten müsse, sondern langfristig das Überleben der Druckerei sichern könnte.

Nolte begründete den Schritt mit dem Abwärtstrend in der Branche. Dieser habe die Druckhäuser seit längerem belastet. Der Ausfall eines Großkunden habe dann die Zahlungsfähigkeit des Hauses belastet.

Insolvenz in Eigenverwaltung

Offizin Andersen Nexö
Die Unternehmenszentrale von Offizin Andersen Nexö in Zwenkau

Die Insolvenz soll nach Unternehmensangaben in Eigenverwaltung vollzogen werden, um die Druckerei langfristig wieder zu stabilisieren. Da die Auftragslage durchaus stabil sei, stünden die Chancen für eine Rettung durchaus gut, sagte Nolte. Zudem würde Offizin Andersen Nexö durch die Insolvenz finanziell entlastet, etwa weil die Mitarbeiter jetzt Insolvenzgeld erhielten.

Bei der eigenverwalteten Insolvenz würde die momentane Geschäftsführung von OAN im Amt bleiben, allerdings von einem Insolvenzspezialisten als Sachverwalter beaufsichtigt werden. Für die Stelle ist nach Angaben des Druckhauses Rechtsanwalt Rüdiger Wienberg vom Gericht bestellt worden. Kündigungen schloss Nolte nicht aus, er betonte aber, dass es das erklärte Ziel sei, die große Mehrheit der Jobs zu erhalten.

Über 250-jährige Unternehmensgeschichte

In dem Unternehmen sowie seinen Tochtergesellschaften sind rund 600 Mitarbeiter beschäftigt. Für die Töchter Messedruck Leipzig und Leipziger Kunst- und Verlagsbuchbinderei sind bereits im Dezember Insolvenzanträge gestellt worden. Lediglich die OAN-Tochter Sachsendruck aus Plauen ist nicht betroffen. Die Druckerei blickt auf eine mehr als 250 Jahre lange Geschichte zurück. Das erste Vorgängerunternehmen von OAN war 1746 gegründet worden. Nach der Wende hatte das Haus unter anderem Versandhauskataloge gedruckt, so für Quelle und Otto. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat das Unternehmen seinen Hauptssitz in einem Neubau in Zwenkau.

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2013, 18:21 Uhr

2. Marktbegleiter:
Im veröffentlichten Jahresabschluss der OAN-Gruppe von 2010 ist zu lesen, dass das Unternehmen in den sechs Jahren vor dem Berichtsjahr rund 6 Mio. Investitionszulagen erhalten hat. Offenbar ist dieses Steuergeld inzwischen verbraucht. Nun will sich das Unternehmen durch das Insolvenzgeld sanieren? Die Sächsische Beteiligungsgesellschaft mbH hat sich mit 2 Mio. Euro beteiligt. Auch hier sollte kein weiteres Geld dazu gegeben werden. Wurde in dieses Unternehmen auch eigenes Geld investiert? Der Abwärtstrend in der Branche wurde auch durch Unternehmen befeuert, die ungeeignete Expansionspläne verfolgten und damit die Preise unverhältnismäßig nach unten trieben.
11.01.2013
21:08 Uhr
1. schulze ulrich:
Es wäre vielleicht dienlich, darauf hinzuweisen, dass diese Insolvenz nichts zu tun hat mit dem Druckkunstmuseum Leipzig in der Nonnenstraße, die bis zur Wende ebenfalls OAN - also Offizin Anderson Nexö - hieß, wesselben Namen auf den dänischen Autoren zurückgeht.
11.01.2013
20:41 Uhr

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Offizin

Als Offizin wird seit dem späten Mittelalter eine Werkstatt mit angeschlossenem Verkaufsraum bezeichnet. Bis heute ist er für Buchdruckereien und Apotheken gebräuchlich. Er stammt vom lateinischen "officina" ab, was so viel wie "Werkstätte" oder "Arbeitsraum" bedeutet.

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