Leipzig : Stadtrat beschließt Verkauf von Tochterfirma
Die Stadt Leipzig verkauft ihre IT-Firma "perdata Gesellschaft für Informationsverarbeitung mbH". Das beschloss der Stadtrat am Mittwochabend nach langer Debatte mit 37 zu 32 Stimmen. Die Befürworter kamen vor allem aus den Reihen von CDU, SPD, FDP und Bürgerfraktion. Linke und Grüne lehnten mehrheitlich ab. Den Zuschlag erhielt das Bertelsmann-Tochterunternehmen Arvato Systems. Es hatte 18 Millionen Euro geboten.
Warnung vor Verkauf profitabler Firma
Auf einem Bürgerforum in der Vorwoche hatte Arvato damit geworben, im Falle eines Zuschlags neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das Antiprivatisierungsnetzwerk Leipzig (April) hatte dagegen die Stadträte davor gewarnt, nur auf den Verkaufserlös zu sehen. Die April-Sprecher Wolfgang Franke und Mike Nagler wiesen in der "Leipziger Volkszeitung" darauf hin, dass Leipzig die von perdata erbrachten Leistungen künftig teuer einkaufen müsse. Zudem erwirtschaftete die Firma mit ihren 180 Mitarbeitern zuletzt einen Jahresgewinn von knapp drei Millionen Euro, der letztendlich an die Stadt floss.
Perdata gehört bisher zu den Stadtwerken, die mit Verkehrsbetrieben und Wasserwerken in der stadteigenen Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (LVV) untergebracht sind. Deren Aufsichtsrat hatte sich gegen den Verkauf des IT-Dienstleisters ausgesprochen, der den mit Abstand größten Teil seiner Aufträge von Firmen innerhalb der Holding erhält. Mit dem von perdata und anderen LVV-Firmen erwirtschafteten Gewinn werden beispielsweise die Verluste der Leipziger Verkehrsbetriebe zum Teil ausgeglichen. Am Ende bleibt aber immer noch eine Lücke im zweistelligen Millionenbereich, die von der Stadt geschlossen werden muss.
Leipzig will deshalb die LVV durch Verkäufe und andere Sparmaßnahmen wie Stellenstreichungen soweit sanieren, dass kein Geld mehr zugeschossen werden muss. Kritiker bezweifeln allerdings diese Strategie, zumal sich nicht in jedem Fall Interessenten finden, die den gewünschten Kaufpreis zahlen. So beschloss der Stadtrat am Mittwoch, das Bieterverfahren für den ebenfalls zum Verkauf stehenden Telekommunikationsanbieter "HL Komm" auszusetzen. Der letzte verbliebene Bieter Versatel hatte nicht die von der Stadt verlangten 38 Millionen Euro für die Firma geboten, die 2010 rund 3,5 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftete.

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