Banner an Zelt.
Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Leipzig "Keine Abschiebung nach Afghanistan!"

Im Leipziger Stadtzentrum protestieren seit Sonnabend mehrere Menschen gegen die Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan. Bereits am Dienstag soll ein Flug von Leipzig in die Region am Hindukusch gehen. Abschiebung in Kriegsgebiete sei nichts anderes als Mord, sagen die Organisatoren des Protestcamps.

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Seit Sonnabend protestieren auf dem Augustusplatz in Leipzig mehrere Menschen gegen eine geplante Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan. Am kommenden Dienstag soll ein Flug vom Leipziger Airport in die afghanische Hauptstadt gehen. An Bord: Eine Gruppe von abgelehnten Asylbewerbern.

Für die Organisatoren des Protestcamps und der Kampagne "Zendegi - Keine Abschiebung nach Afghanistan" ist das Mord. Das Land sei nicht sicher, ein Kriegsgebiet, erklärte eine Teilnehmerin. Erst in der vergangenen Woche habe es dort die blutigsten Anschläge seit langer Zeit gegeben. Menschen, die in Deutschland eigentlich Asyl und Zuflucht suchen, dorthin abzuschieben, sei unmenschlich.

Zelte auf Augustusplatz.
Seit Sonnabend demonstrieren mehrere Menschen mit einem Protestcamp auf dem Augustusplatz gegen die geplante Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Protestcamp, Workshops & Gespräche

Mit dem Camp soll generell gegen Abschiebungen von Geflüchteten in ihre oft unsicheren Heimatländer demonstriert werden. Menschen die Zuflucht suchen, sollen dort leben dürfen, wo sie sicher sind, fordern die Camp-Teilnehmer. Um die Angst vor Geflüchteten zu nehmen, haben die Aktivisten auf dem Augustusplatz unter anderem Workshops zu Asyl und Abschiebung organisiert sowie offene Gesprächsrunden mit deutschen Staatsbürgern. Man wisse sehr wohl, dass eine Demonstration oder ein Protest die Abschiebung nicht stoppen werde, heißt es in einer Erklärung der Kampagnenmacher. Mit dieser und den folgenden Aktionen solle aber auch ein Weg gefunden werden, mit und in der deutschen Gesellschaft einen Dialog über das Thema "Abschiebung" zu beginnen.

Protest geht weiter

Ein Plakat mit der Aufschrift (Afghanistan ist nicht sicher).
Bildrechte: dpa

Am Dienstag, den 24. Oktober soll vom Flughafen Leipzig/Halle der nächste Abschiebeflug starten. Dann seien dort auch die nächsten Protestaktionen geplant, so die Organisatoren. Was genau am Airport Leipzig/Halle passieren wird, ist noch nicht bekannt.

Quelle: MDR/bb

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.01.2017 | ab 10:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2017, 20:48 Uhr

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14 Kommentare

25.10.2017 08:26 Christine 14

Wenn es wirklich Gefährder und Straftäter sind, gehören sie zurückgeschickt.

24.10.2017 11:36 Anfrage 13

Gehen die Protstler eigentlich arbeiten oder werden sie von Parteien bezahlt ? Andrea haben sie die Länder selbst bereist oder dort gelebt ? Es wird sicher viele Orte geben ,wo man friedlich leben kann und mit etwas Willen sich eine Existenz aufbauen . Die rückgeführten Bürger haben doch eine Weile hier unter Vollversorgung gelebt ,hatten die Möglichkeit sich zu informieren , die Sprache zu lernen und wie hier gelebt und gearbeitet wird. Sie sollen ihr Land selbst verteidigen und es nicht Soldaten aus anderen Ländern überlassen. @11 so ein Lager wurde auch schon vor der Semperoper aufgebaut und von Linken Landtagsabgeordneten unterstützt ,einige dürfen alles .

24.10.2017 09:26 Franz Demmering 12

Afghanistan ist ein geschundenes Land. Und Frieden ist dort nicht in Sicht, solange diverse Stämme und Moslemgruppen sich gegenseitig bekämpfen. Mittelalterliche Verhältnisse und frühmittelalterliches Denken kommen mit den Migranten auch nach Europa. Niemand braucht das hier. Die Einwanderer selbst landen wegen ihrer kaum zu korrigierenden kulturellen Prägung und mangelnder Bildung im sozialen Abseits und richten sich dort als Opfer dauerhaft ein. Dieser Prozess stiftet Unfrieden und Unsicherheit in Deutschland und es kostet Unsummen, von denen ein Bruchteil ausreichen würde, um in Afghanistan ein selbstbestimmtes Leben in Würde für sehr viele Menschen zu ermöglichen. Allerdings sieht es nicht so aus, als ob die Afghanen sich selbst vernünftig organisieren könnten. Aber ist das unser Problem? Wollen Afghanen überhaupt lernen, wie man eine Gesellschaft vernünftig organisiert oder ist für sie mit dem Koran nicht bereits alles bestens geklärt?

24.10.2017 08:41 Hannes 11

Kann ich eigentlich auch einfach Zelte auf dem Augustusplatz aufbauen, wenn mir irgendwas nicht passt?

24.10.2017 07:44 Dreißiger 10

Ab nach Hause, aber nicht wieder bloß ein halbvolles Flugzeug.

23.10.2017 23:29 Andrea 9

Hier ein Auszug aus dem Bericht von zeit.de:
zeit.de: Viele Tote bei Talibanoffensive (17. Oktober 2017, 18:05 Uhr)
"Es war einer der schwersten Angriffe des Jahres: In Gardez haben die Taliban ein Ausbildungszentrum der Polizei angegriffen. Auch in anderen Regionen starben Zivilisten."
"Die radikalislamischen Taliban haben in mehreren Provinzen Afghanistans Anschläge verübt. Dabei wurden mindestens 85 Menschen getötet. Einer der schwersten Überfälle überhaupt in diesem Jahr ereignete sich in Gardez, der Hauptstadt der ostafghanischen Provinz Paktia. Sieben Attentäter griffen das Polizeihauptquartier an, vor dem am Morgen viele Menschen Schlange standen, um Pässe oder Personalausweise abzuholen. Das Gebäude dient der Polizei als Ausbildungszentrum, der Regierung als Passbehörde."

23.10.2017 23:25 Andrea 8

Weiterhin heißt es zu diesem Massaker von den Taliban und dem IS bei n-tv:

"Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Daulat Wasiri, sagte, der Angreifer sei zu Fuß unterwegs gewesen und habe sich am Tor der Marschall-Fahim-Militärakademie direkt neben einem Kleinbus mit den jungen Männern an Bord in die Luft gesprengt. Vier Menschen seien verletzt worden."

"Es war schon der zweite schwere Anschlag in Kabul innerhalb von 24 Stunden. Am Freitagabend hatte sich in einer schiitischen Moschee ein Selbstmordattentäter des IS in die Luft gesprengt. 56 Menschen starben, 55 wurden verletzt."

Weiterhin gab es vor sechs Tagen eine weitere Warnung vor einer neuen Taliban-Offensive bei zeit.de.

23.10.2017 23:23 Andrea 7

Zusätzlich ist es so, dass sich die Sicherheitslage in Aghanistan in den letzten 48 Stunden rapide verschlechtert hat:

n-tv: Taliban und IS töten hunderte Zivilisten (Samstag, 21. Oktober 2017)

"In Afghanistan eskaliert die Gewalt. Die Taliban nehmen Rache für US-amerikanische Militäroffensiven im Land, der IS tötet Schiiten, weil er sie für Abtrünnige hält."

"Bei Anschlägen und Offensiven der radikalislamischen Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind in Afghanistan zwischen Dienstag und Samstag knapp 250 Zivilisten und Sicherheitskräfte ums Leben gekommen. Die Islamisten griffen Militärbasen und Sicherheitsposten, Bezirkszentren und Moscheen an."

"Der jüngste Anschlag kam am Samstagabend (Ortszeit), als in der Hauptstadt Kabul ein Selbstmordattentäter 15 Armee-Kadetten mit in den Tod riss."

23.10.2017 23:21 Andrea 6

Weiterhin sagt die Anwältin von diesem Betroffenen dazu dass hier:

"Sie befürchtet, dass er dadurch in Afghanistan in Gefahr geraten könne - wegen einer "unverhältnismäßigen Strafverfolgung", da auch die Behörden in Kabul nicht darüber informiert würden, wer konkret abgeschoben werde."

"Mann gehört zu besonders gefährdeter Minderheit

Erschwerend kommt hinzu, dass der Mann zur Volksgruppe der Hasara gehört. Sie gilt als oft diskriminierte und besonders gefährdete Minderheit in Afghanistan. Extremisten verüben immer wieder gezielte Angriffe auf Hasara, vergangenen Freitag starben Dutzende Menschen bei einem Bombenanschlag auf eine Moschee in Kabul."

"Außerdem habe ihr Mandant zwar die afghanische Staatsangehörigkeit, sagt Anwältin Laaser. Er wurde aber im Iran geboren und hat nie in Afghanistan gelebt. "

23.10.2017 23:20 Andrea 5

Bei der Tagesschau lese ich gerade, dass mindestens einer der Betroffenen ein höchst fragwuerdiger Fall ist:

"Mindestens ein Fall erscheint jedoch zweifelhaft. Die Berliner Anwältin Myrsini Laaser berichtet von einem betroffenen Mann, der am vergangenen Mittwoch in Abschiebehaft genommen worden sei. Ihr Mandant sei offensichtlich weder Straftäter noch Gefährder. Außerdem sei seine Identität zweifelsfrei geklärt. Das geht auch aus dem Haftbefehl gegen ihn hervor. Darin heißt es, gegen den Mann - der seit zwei Jahren in Deutschland lebt - seien nach Kenntnis der zuständigen Behörde keine strafrechtlichen Ermittlungsverfahren anhängig."

"Laaser kritisiert, dass durch die Ankündigung der Regierung, nur Straftäter und Gefährder abzuschieben, jetzt auch ihr Mandant einem solchen Verdacht unterliege...."