Einige Dutzend Teilehmer der Legida haben sich vor einer Bühne versammelt.
Bildrechte: MDR/Lars Tuncay

Demonstrationen in Leipzig Legida kündigt Rückzug von der Straße an

Legida gibt auf. So kann man den Schritt interpretieren, den das islam- und fremden-feindlichen Bündnis am Montag in Leipzig bekanntgegeben hat. Zumindest von der Straße will sich der Pegida-Ableger zurückziehen, der zuletzt nur noch monatlich statt wöchentlich zu Demonstrationen aufgerufen hatte.

Einige Dutzend Teilehmer der Legida haben sich vor einer Bühne versammelt.
Bildrechte: MDR/Lars Tuncay

Legida will künftig nicht mehr regelmäßig in der Leipziger Innenstadt demonstrieren. Das kündigte Arndt Hohnstädter vom Legida-Organisationsteam am Montag bei einer Kundgebung des islam- und fremdenfeindlichen Bündnisses an.

Legida plant Kabarett

Hohnstädter begründete den Schritt damit, dass die Demonstrationen der vergangenen zwei Jahre viel Kraft und Geld gekostet hätten. Autos seien angezündet und Mitglieder bedroht worden. Einige hätten sogar ihre Jobs verloren. Laut Hohnstädter will Legida im Internet aktiv bleiben und zu kleineren Veranstaltungen einladen. Zunächst sei Kabarett mit Stéphane Simon geplant. Der in Leipzig lebende Franzose ist umstritten, er trat unter anderem als Redner bei Pegida in Dresden auf und störte dort die Live-Berichterstattung des ZDF von der Kundgebung.

Überraschend viele Gegendemonstranten

Zur Legida-Demonstration hatten sich am Montag laut Forschungsgruppe "Durchgezählt" zwischen 340 und 400 Teilnehmer versammelt – zur ersten Kundgebung waren am 12. Januar 2015 noch 2.000 bis 3.000 gekommen. Den drei großen Gegendemonstrationen hatten sich am Montag "Durchgezählt" zufolge zwischen 1.580 bis 1.730 Menschen angeschlossen. Der Abend verlief weitgehend friedlich. Vereinzelt kam es aus den Reihen der Demonstranten zu Böllerwürfen, etwa im Demonstrationszug der Initiative "A Monday Without You", die sich aus dem Stadtteil Connewitz auf den Weg in die Leipziger Innenstadt gemacht hatte. Die Organisatoren hatten mit 150 Teilnehmern gerechnet. Am Ende waren es fast fünfmal so viele, so dass der Zug nicht durch die Leipziger Innenstadt geführt werden konnte, sondern die Versammlungsbehörde die Demo kurzfristig über den Ring leiten musste.

Teilnehmer einer Demonstration gegen einen Aufmarsch des fremdenfeindlichen Bündnisses Legida
Das Bündnis "Willkommen in Leipzig" zog nach einem Friedensgebet in der Nikolaikirche durch Leipzig. Bildrechte: dpa

Rechtsextreme Band darf auftreten

Die Gegendemonstranten zogen zum Waldplatz, in dessen Nähe Legida seine Bühne für eine Kundgebung aufgebaut hatte. Dort trat am Abend die "Kategorie C" auf, die der Verfassungsschutz Bremen in seinem Bericht vom Juni 2016 der rechtsextremen Hooliganszene zugeordnet hat. Noch am Nachmittag hatte die Stadtverwaltung rechtliche Schritte für ein Auftrittsverbot geprüft. Nach dem Auftritt zogen die Legida-Anhänger durch das Waldstraßenviertel, wo sie sich Pfeifkonzerten und Schneebällen ihrer Gegner ausgesetzt sahen. Die Anwohner des Waldstraßenviertels reagierten mit ihrer eigenen Form des Protests: Aus vielen Fenstern schallte die "Ode an die Freude".

Hubschrauber und Wasserwerfer

Das Bild zeig einige hundert Demonstranten bei der Demo
Im Waldstraßenviertel trafen Legida und seine Gegner in Sicht- und Hörweite aufeinander. Polizei versuchte, die Lager zu trennen. Bildrechte: MDR/Lars Tuncay

Die Polizei war mit einem Großaufgebot sowie Hubschraubern, Räumpanzern, Wasserwerfern und der Reiterstaffel im Einsatz. Vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen von Gegendemonstranten mit der Polizei. Die Behörde stellte bislang neun Straftaten fest: drei versuchte gefährliche Körperverletzungen, eine Körperverletzung, drei Widerstände gegenüber Polizeibeamten, einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und eine Sachbeschädigung.

Im vergangenen Jahr war es zum ersten "Legida"-Jahrestag im Stadtteil Connewitz zu heftigen Randalen gekommen. Dabei hatten vermutlich vor allem rechte Randalierer Geschäfte und Häuser angegriffen. 215 Tatverdächtige wurden ermittelt, zu einer Anklage kam es bisher nicht.

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen MDR 1 RADIO SACHSEN | 09.01.2017 | 07:20 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 09.01.2017 | 19:00 Uhr

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299 Kommentare

12.01.2017 09:48 Wo geht es hin? 299

@Janes - Zitate von Ihnen:"Immer wieder relativieren nach dem Motto "ich bin ja kein Nazi, aber"...nervt" Sie haben Krause vergessen. Und:"Es waren auch die "alten Semester", die sich von einer Lüge haben leiten lassen und England ins wirtschaftliche Abseits gewählt haben." Ach? Ist das so? Na wenn Sie es sagen....oder:"Zuwanderung und Asyl sind zudem auch unterschiedliche Vorgänge." Zitate Janes Ende. Richtig! @Wessi - Zitat von Ihnen:"Ich sehe die Unterstellung als einen taktischen Verstoß an." Zitat Ende. Äääähhh, wie meinen? Was ist ein"taktischer" Verstoß?

12.01.2017 08:54 Ingrid 298

Frage: Wie ist eigentlich das Antifa-Transparent auf dieser Seite "DIE RECHTEN ZU BODEN!"
zu bewerten? Was will man damit sagen?

12.01.2017 02:12 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 297

Kritischer Bürger zu der Focus-Schummel-Abstimmung:
"Nun dann kann man ja mal feststellen das jede Umfrage frisiert werden kann! Auch jene die von beiden Seiten des politischen Spektrums so oder so ausgelegt werden (können)!"

Kritischer Bürger zu 'GG-widrige Punkte im AfD-Programm gezeigt':
"Im Wandel machen es nicht nur die etablierten Parteien in vielen gemeinsam erscheinenden Punkten, auch manch Andere. Also ist keine Partei ist so oder so wählbar."

Und so geht es mit dem Typen in einem durch...
er will keine ordentliche Diskussion, sondern diese nur zerstören... ekelhaft!

11.01.2017 23:03 Mediator an Kritischer Bürger (291) 296

Sorry, ich nehme gar nichts zur Kentniss von Ihnen, wenn Sie glauben ein Angriffskrieg Russlands gegen einen souveränen Staat und die Annexion eines Teils seines Territoriums wäre gerechtfertigt oder gar legitim!
Wenn dies alles so legitim gewesen wäre, dann hätte Herr Putin nicht in einer Nacht und Nebel Aktion mit verdeckten Kräften die Ukraine auf der Krim angreifen müssen. Völkerrechtlich ist die Sache klar und Russland befindet sich im Unrecht.
Da Russland die Annexion zumindestens verbal vor den Augen der Welt legitimieren musste, wählte man das Narrativ einer mehrheitlich russischstämmigen Ethnie die zurück ins "Reich" sollte und wollte.
Der Nebeneffekt dieses Kommunikationsversuches war, dass an RU angrenzende schwache Staaten mit russischen Minderheiten nun besorgt um ihre Sicherheit sind.
Es wäre ehrlicher und für die int. Beziehungen entspannender gewesen, wenn RU freimütig zugegeben hätte, dass man nicht bereit war die strategische Position der Krim zu riskieren.

11.01.2017 22:26 Janes 295

@ Kritischer Bürger 294: Apokalypse im Sinne von einer angeblichen Umvolkung, einer Islamisierung (was auch immer genau damit gemeint sein sollte) oder gar der "Untergang" unseres Landes. Klingt ja immer nach Apokalypse. Und genau diese seh ich nicht! Das Problem an Politik ist, dass diese Berufsgruppe niemals eine Entscheidung zum Wohl aller treffen kann. Es kann nur um das Berücksichtigen vieler Interessen gehen bei optimalem Ergebnis. Das macht es ja so schwierig. Und selbst wenn die AfD Regierungspartei würde, könnten die das nicht anders machen. Was passiert, wenn das jemand probiert, können wir bald in den USA sehen. Und ich meine einen Auszug aus einem Werbeflyer der AfD, den ich neulich im Briefkasten fand. Wäre ich neutral, hätte dieser mich nicht überzeugt!

11.01.2017 22:05 Kritischer Bürger 294

@Janes 279: Eines bringt es auf jeden Fall wenn man nicht bei den etablierten Parteien und mit alten Gewohnheiten als Bürger sein Kreuz macht. Die Stimmen verteilen sich anders und wie in vielen Landesregierungen müssen genau diese etablierten Parteien und Politiker sich ggf. mehr als mit einer Regierung aus zwei Parteien befassen um eine Regierung zustande zu bekommen. Man muss keine "Schaumschläger folgen" es gibt auch kleinere und andere Parteien, die zwar kaum eine Rolle spielen doch die Stimmen für diese Parteien sind den Anderen entzogen! ***282: Meinen Sie 12.6 aus dem Leitantrag. Da steht doch eigentlich nur die Laufzeit bis zur Erforschung alternativer Energie zu verlängern. Alternativen bestehen doch und weiter entnehme ich das es sich hier um die weltweit sichersten Kernkraftwerke geht. *** Peter-287: Sie lernen es wohl wirklich nicht! Frage nach was: IHRE PAUSCHALEN! Auch wieder in diesem Kommentar!

11.01.2017 21:39 Kritischer Bürger 293

@Janes-278: Ach was =Apokalypse= bezogen auf Untergang oder nur in religiöser Hinsicht auf Herbeireden. Jeder hat eben seine Meinung, ob da rechtes oder linkes Gedankengut darin enthalten ist, sollte zweitrangig bleiben, denn für oder gegen Gedankengut kann man diskutieren und ggf. am Ende eine konstruktive Grundmeinung "herausfiltern" der man folgen kann. WENN MAN WILL-VORAUSGESETZT! *** Tut mir leid wenn ich Ihnen etwas unterstellte im Bezug auf Rassismus, aber ich habe in meinem Meinungsbild aus Zeit der DDR gelernt zwischen den Zeilen zu lesen und selbst zu schreiben! Wie viele Forumsteilnehmer haben mir diese Rechtslastigkeit schon versucht anzuhängen. ZU VIELE! Immer jedoch aus einem ganz bestimmten Lager, gegen das ich schon zur besagten Zeit Kritik und Meinung vertreten habe. 1989 mit einbezogen an für meine Überzeugung wichtiger Stellen und heute? Wenn Sie es so meinen wie Sie geschrieben haben nun dann Entschuldigung, das ich da falsche Schlussfolgerungen herausgezogen habe.

11.01.2017 21:18 Kritischer Bürger 292

@Krause-ich bin....: 275: Auch Sie könnten sich mal mit dem Leitantrag-Grundsatzprogramm-Bundesprogrammkommission vom 30.04.-01.052016 auseinandersetzen oder mindestens lesen. Viel Spass! Im Wandel machen es nicht nur die etablierten Parteien in vielen gemeinsam erscheinenden Punkten, auch manch Andere. Also ist keine Partei ist so oder so wählbar.

11.01.2017 21:07 Kritischer Bürger 291

BERICHTIGUNG: Nicht 225 sondern @255 ist gemeint bezugnehmend auf diese Manipulationen! *** @Mediator-269: Es wurde angesprochen aber nehmen Sie in Ihrem verständnis und Meinung zur Kenntnis das das auf der Krim von vorn herein eine klare Entscheidung entgegensah. Die MEHRZAHL DORT SIND RUSSISCHE BÜRGER und das spiegelt dieses Ergebnis wieder. Also nichts von wegen .... usw.

11.01.2017 21:02 Dresdner an Bernd Escher 249 290

deutschland und die USA kommen lediglich ihren Bündnispflichten gegenüber ihren osteuropäischen Bündnispartnern nach deren Antrag nach. Es gibt diverse jahrhunderte Erfahrungen, warum Polen, die Balten usw. sehr sensibel auch auf "kleinstes" russisches Säbelrasseln aus Zaren- und Stalinzeit reagieren. Eigentlich habe ich auch gehofft, dass diese Zeit vorbei sei. Und ja, das hat sehr viel auch mit den gegensätzlichen Bewegungen hier zu tun. Bachmann etc. stehen immer noch in dem Verdacht, Putins verlängerter Arm hier zu sein.