Region Leipzig

Hochschulentwicklungsplan : Tausende Studenten protestieren in Leipzig

Rund 3.000 Studenten und Hochschulbedienstete haben am Montag auf dem Augustusplatz in Leipzig gegen den geplanten Stellenabbau an den Hochschulen demonstriert. Sie kritisierten den Hochschulentwicklungsplan der Landesregierung, der bis zum Jahr 2020 den Abbau von 1.000 Stellen vorsieht.

Die Sprecherin der Konferenz sächsischer Studierendenschaften, Anni Fischer, forderte die Landesregierung auf, die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben je Student von 6.300 auf 8.000 Euro anzuheben. "Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Ausgaben für die Hochschulen. In Niedersachsen sind es sogar mehr als 12.000 Euro."

Studenten fürchten um Qualität der Lehre

Die Studenten kritisieren weiterhin, dass mit den Streichplänen die Qualität der Lehre leiden wird: Mit den steigenden Zahlen von Studienanfängern werde die Betreuungsrelation auf ein unhaltbares Niveau gehoben. Schon jetzt seien die Hochschulen teilweise überlastet: Von Vorlesungen wird der Ton in einen zweiten Hörsaal übertragen und Seminare werden von studentischen Hilfskräften gehalten. Anni Fischer forderte, das Betreuungsverhältnis zwischen Professoren und Studenten auf 1:50 zu begrenzen. An der Universität Leipzig liege es teilweise bei 1:170.

Hunderte Studenten sächsischer Hochschulen protestieren auf dem Leipziger Augustusplatz gegen den nach ihrer Meinung zu harten Sparkurs bei der Wissenschaft.
Unter dem Motto "Kürzer geht nicht" protestieren die Studenten gegen die Sparpläne der Regierung.

Der Hochschulexperte der Grünen, Karl-Heinz Gerstenberg, kritisierte bei MDR INFO die Pläne. Wenn die Staatsregierung ihre Kürzungsvorgaben nach der Rasenmähermethode mache, wähle sie den Weg des geringsten Widerstands. Notwendig sei eine Ressourcen-Verteilung nach Erfolg und nach Studiennachfrage.

Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer entgegnete, man habe erreicht, dass der vorgesehene Stellenabbau von 2010 bis 2015 gestreckt worden sei. Die Universitäten hätten dadurch mehrere Jahre zusätzlich Zeit gewonnen. Derzeit gibt die Landesregierung 6.300 Euro für jeden Studenten pro Semester aus.

Grüne und SPD warnen vor Einschnitten

Wegen der geplanten Kürzungen hatte es schon in der Vergangenheit Proteste gegeben. Grüne und SPD warnten im Landtag angesichts des aktuellen Studentenansturms eindringlich vor Einschnitten. So verwiesen Sprecher der Grünen darauf, dass sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Studenten an den Hoch- und Fachschulen eingeschrieben hätten. So sei die Zahl der Studienanfänger allein an der Technischen Universität Dresden mit 9.000 auf das Anderthalbfache des Vorjahres gestiegen. Leipzig und Chemnitz hätten Zuwächse um ein Drittel verzeichnet.

Der SPD-Bildungspolitiker Holger Mann sagte, wer dem Fachkräftemangel begegnen wolle, der müsse investieren, statt zu streichen. Zugleich warf Mann der Koalition vor, 60 Prozent der Hochschulpaktmittel des Bundes einzubehalten. Gerade angesichts des Bewerberansturms sei eine Kehrtwende nötig, um einen Zusammenbruch des Systems zu verhindern.

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2011, 20:35 Uhr

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