Bücher der Universal-Bibliothek von Relcam stehen am 03.02.2017 in Ditzingen (Baden-Württemberg) in einem Regal am Hauptsitz des Verlages.
Bildrechte: dpa

Reclam-Ausstellung in Leipzig Die kleinen Gelben feiern Geburtstag

150 Jahre nachdem das erste Reclam-Heft der Taschenbuchreihe erschienen ist, widmet sich jetzt eine Ausstellung im Deutschen Buch- und Schriftenmuseum in Leipzig "Reclams Jahrhundertidee" - der ältesten noch existierenden deutschsprachigen Taschenbuchreihe.

Bücher der Universal-Bibliothek von Relcam stehen am 03.02.2017 in Ditzingen (Baden-Württemberg) in einem Regal am Hauptsitz des Verlages.
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Das erste gelbe Heftchen ist am 10. November 1867 erschienen. Die Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftenmuseums der Deutschen Nationalbibliothek, Stephanie Jacobs, spricht von einer kleinen Medienrevolution, die allen Prognosen vom Ende des Buches zum Trotz bis heute überlebt habe und kommerziell erfolgreich sei.

Das ist etwas ganz Einmaliges. Es ist die älteste Taschenbuchreihe, die überlebt hat.

Stephanie Jacobs Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftenmuseums
Anton Philipp Reclam
Anton Philipp Reclam Bildrechte: Deutsche Nationalbibliothek/Reclam-Verlag

Anton Philipp Reclam hatte mit der Gründung seines Verlages zwei Ideen: Er wollte allen den Zugang zu Literatur ermöglichen. Ein auch heute noch unglaublich modernes Thema, wie Jacobs sagt. Texte von Klassikern, die einmal verlegt waren, sollten möglichst nachhaltig am Markt gehalten werden und das zu möglichst günstigen Preisen.

Das war eine Bildungsvision, die durchaus auch links-liberal war.

Stephanie Jacobs Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftenmuseums
Reclam-Buchautomat
An diesen Buchautomaten konnte man sich in den 1910er- und 1920er-Jahren Bücher ziehen wie heute Kaffee an einem Automaten. Bildrechte: Deutsche Nationalbibliothek/Reclam-Verlag

Die andere Idee war: Reclam machte sich eine Veränderung im Urheberrecht von 1867 zunutze. Verlage konnten nun Texte von Autoren, die 30 Jahre tot waren, tantiemenfrei veröffentlichen. Damit standen plötzlich zahllose Texte zur Verfügung, für die keine Autorenvergütung mehr gezahlt werden mussten. "Diese beiden Dinge waren die Geburtsstunde der Reclam Universalbibliothek", sagt Stephanie Jacobs.

Ikone der Verlagsgeschichte

Die Ausstellung versteht sich als Kabinettausstellung, die schlaglichtartig 150 Jahre Geschichte der Reclam-Hefte beleuchtet. Gezeigt werden neben vielen Büchern, Plakaten und Briefmarken auch erstaunliche Erfindungen wie Frontbibliotheken und Bücherautomaten, die Reclam seit 1912 einsetzte.

Tragbare Feldbücherei
Frontbibliotheken waren kleine Pakete mit rund 100 Heftchen, die an Soldaten an der Front ausgeliefert wurden. Reclam war damit auch einer der kommerziellen Gewinner der Kriegszeit. Bildrechte: Deutsche Nationalbibliothek/Reclam-Verlag

"Universal. Reclams Jahrhundertidee - Leipzig 1867 bis 1990" Die Ausstellung ist vom 27. Oktober bis zum 3. Juni 2018 dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr und donnerstags bis 20 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Quelle: MDR/gg/epd

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.10.2017 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2017, 17:14 Uhr

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1 Kommentar

27.10.2017 22:08 Johann Sebastian Göhte 1

Dafür gibt es doch mindestens mal einen Punkt, wenn nicht drei.