Baumstamm mit eingeritzte Liebesgrüßen
Bildrechte: Anne-Sophie Arnold

Kammerforst bei Regis-Breitingen Sowjetische Liebesgrüße im Wald

Mehr als vier Jahrzehnte hatte die Rote Armee Soldaten in der DDR stationiert. Tausende Kilometer weit weg von der Heimat lebten sie in den ostdeutschen Kasernen oft voller Entbehrungen und Sehnsüchte. In ihrer wenigen freien Zeit wurden aus Sowjetsoldaten Männer, die Frau und Kinder zu Hause hatten, Söhne, die an ihre Eltern dachten. Sie ließen im Im Kammerforst südlich von Regis-Breitingen bei Leipzig ein Stück von sich zurück: Schnitzereien in Buchenstämmen.

von Grit Grimmer

Baumstamm mit eingeritzte Liebesgrüßen
Bildrechte: Anne-Sophie Arnold

Sie kamen aus Baku, Dushanbe, Kiew, Minsk, Nowgorod, Taschkent oder Wolgograd. Zwischen 1945 und 1992 waren hunderte Soldaten der Roten Armee in Altenburg stationiert. In den Kasernen war Soldaten der 8. Garde-Truppen-Armee, der 1. Garde-Panzer-Armee sowie des 968. Jagdfliegerregiments. Meist verbrachten die Soldaten zwei Jahre hier. Ihre Manöver trugen sie im Kammerforst vor den Toren von Regis-Breitingen aus.

Historikerin und Fotografin Anne-Sophie Arnold in der Ausstellung in Wyhra vor ihren Fotos.
Historikerin Anne-Sophie Arnold hat die Schnitzerreien im Kammerforst fotografiert und eingeordnet. Bildrechte: Grit Grimmer

Es war eine Zeit in der Fremde, voller Drill und Sehnsucht.

Anne-Sophie Arnold, Historikerin

Weit weg von der Großstadt verbracht die Soldaten wohl auch ihre spärliche Freizeit in den Wäldern rund um die Kaserne und gingen dort ihren Träumen und Sehnsüchten nach.

Die Soldaten haben sich dort als Individuen gefühlt.

Anne-Sophie Arnold, Historikerin

In mehr als 80 Buchen ritzten sie mit Piktogrammen und Akronymen Sehnsuchts- und Liebesbotschaften in die Rinden. Die Historikerin Anne-Sophie Arnold hat diese Zeitzeugnisse auf langen Herbstspaziergängen fotografiert und aufgearbeitet. Daraus ist eine Ausstellung entstanden, die derzeit im Volkskundemuseum Wyhra zu sehen ist.

Sowjetsoldaten verewigen ihre Sehnsüchte Schnitzereien in Buchenstämmen

Im Kammerforst südlich von Regis-Breitingen gibt es mehr als 80 Buchen, die geziert sind mit Sehnsuchtsbotschaften ehemaliger Soldaten der Roten Armee. Liebesgrüße in Stämme geritzt.

Baumstamm mit eingeritzte Liebesgrüßen
Mehr als vier Jahrzehnte hatte die Rote Armee Soldaten in der DDR stationiert. Sie verewigten sich an Bäumen im Kammerforst. Bildrechte: Anne-Sophie Arnold
Baumstamm mit eingeritzte Liebesgrüßen
Mehr als vier Jahrzehnte hatte die Rote Armee Soldaten in der DDR stationiert. Sie verewigten sich an Bäumen im Kammerforst. Bildrechte: Anne-Sophie Arnold
Baumstamm mit eingeritzte Liebesgrüßen
Tausende Kilometer weit weg von der Heimat lebten sie in den ostdeutschen Kasernen oft voller Entbehrungen und Sehnsüchte. Bildrechte: Anne-Sophie Arnold
Baumstamm mit eingeritzte Liebesgrüßen
In ihrer wenigen freien Zeit wurden aus den Soldaten Männer, die Frau und Kinder zu Hause hatten, Söhne, die an ihre Eltern dachten. Bildrechte: Anne-Sophie Arnold
Baumstamm mit eingeritzte Liebesgrüßen
Darunter auch Künstler, die ein Stück von sich Preis gaben und hier zurück ließen: als Schnitzerei in Buchenstämmen. Bildrechte: Anne-Sophie Arnold
Baumstamm mit eingeritzte Liebesgrüßen
Im Kammerforst südlich von Regis-Breitingen bei Leipzig gibt es mehr als 80 Bäume, die geziert sind mit Sehnsuchtsbotschaften hier stationierter Soldaten der Roten Armee. Bildrechte: Anne-Sophie Arnold
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Über dieses Thema berichtet MDR Sachsen auch im Radio : MDR 1 RADIO SACHSEN | 20.03.2017 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 09:06 Uhr

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6 Kommentare

21.03.2017 17:30 Gabi 6

Während die Offiziere der sowj. Armee ihre Frau und Kinder in ihrem unmittelbaren Umfeld hatten, waren die Soldaten in den Kasernen untergebracht. Ausgang gab es nur als Auszeichnung und dann auch nur in der Gruppe. Die Schnitzereien sind von Soldaten gemacht, die Sehnsucht nach ihrer Heimat hatten. Zwei Jahre sich nur unter Zwang und Drill bewegen zu dürfen, ist menschenunwürdig. Diese Schnitzereien haben nichts mit Romantik zu tun. Es sind Erinnerungen, dass eben in diesem Zeitraum der und andere Soldaten an diesem Ort waren. Wie erklärt sich sonst die "von bis" Jahreszahl? Vielleicht am letzten Tag seines Aufenthaltes in den Baum geritzt als Verabschiedung? Man sollte niemanden ausfindig machen, die Zeit war keine Erinnerungswerte.

20.03.2017 20:56 D.o.M. 5

Atze 4: ".. für uns geopfert.." Bei Ihnen ist aber ganz schön was hängengeblieben beim Politunterricht. Ostdeutschland war einfach für die Russen am nächsten dran am Westen. Und dazu noch Besatzungsgebiet, wo man sich relativ ungeniert bewegen konnte. Deswegen haben sich hier 2 Millionen Russen gedrängelt. Nix mit für uns geopfert....
Auch ich habe diese organisierten Freundschaftstreffen erlebt. Was da dran aber Freundschaft war, hat sich mir nie erschlossen.
Dass einem die armen Burschen leid tun konnten, darin sind wir uns allerdings einig.

20.03.2017 17:09 Atze 4

Die jungen Soldaten haben zwei oder drei Jahre ihres Lebens für uns geopfert, bestimmt nicht unbedingt freiwillig. In dieser Zeit war ihr Dienst hart, streng und zur Selbstverwirklichung gab es keinen Raum. Wir haben frueher oftmals Freundschaftstreffen erlebt. Jede Gelegenheit normal zu sein, zu tanzen, sich zu unterhalten, zu essen usw.war Abwechslung vom Dienst. Mir taten die Leute leid, denn für Sie waren diese Jahre wegen des elenden 2.Weltkrieges, der von unserem Boden ausging, so gut wie sinnlos, vertane Jahre.Manche sollen es auch nicht ausgehalten haben... Ich sehe an lebenden Zeitzeugen, Bäumen, Ausdrücke ihres jungen Lebens im fremden Land. Interessant waere, wer das
geschnitzt hat und man müsste mal einige Leute heute einladen, die über ihren Dienst und ihr Leben berichten von damals.Auf Spurensuche...

20.03.2017 16:58 Harzfreund 3

Ich glaube, Oleg aus Moskau und seine Kameraden hatten einfach nur die Schnauze gestrichen voll. Schnitzereien dieser Art gibt es von ehemaligen NVA-Soldaten ebenfalls zuhauf, denn auch wir hatten die Schnauze voll, obwohl wir bei weitem nicht soviel auszustehen hatten, wie eben dieser Oleg aus Moskau.

20.03.2017 12:36 part 2

In der DDR- Armee wurde dazu der Bleistift benutzt um seinen EK- Status irgendwo zu verewigen, heute sprühe junge Leute sinnlose Initialen an allermöglichen Häuserwände. Die Borken- Schnitzereien im Wald enstanden wohl hauptsächlich aus langer Weile und militärischen Stumpfsinn. Ob eine Frau und selbsternannte Expertin ohne militärische Ausbildung dahinter den Sinn erklären kann, bezweifle ich sehr stark.

19.03.2017 20:12 D.o.M. 1

Was ist an den Schnitzereien romantisch ? Ich kann da nichts entdecken. Es sind allermeistens der eigene Name, die Heimatstadt und das Entlassungsdatum eingeritzt. Auch um meine Heimatstadt herum gibt es jede Menge derart beschädigter Buchen.
Auf den hier gezeigten Bildern sehe ich nichts anderes. Abgesehen vom Sowjetstern und dem Torso mit Riesenbizeps. Romantisch würde ich aber auch das nicht gerade bezeichnen.