Flüchtlingsunterkunft "Apart-Hotel" Leipzig-Böhlen
Bildrechte: MDR/Susann Blum

OAZ ermittelt Angriff auf Flüchtlingsheim in Böhlen - noch keine heiße Spur

Flüchtlingsunterkunft "Apart-Hotel" Leipzig-Böhlen
Bildrechte: MDR/Susann Blum

Nach dem Beschuss einer Asylunterkunft in Böhlen bei Leipzig hat die Polizei noch keine heiße Spur. Man gehe aber ersten Hinweisen nach, hieß es am Donnerstag. Das Operative Abwehrzentrum (OAZ) der Polizei fahndet nach unbekannten Tätern.

Scheiben gehen zu Bruch

In der Nacht zum Sonnabend sowie in der Nacht zum Sonntag wurde die Polizei jeweils kurz nach Mitternacht zu der Asylbewerberunterkunft gerufen. Nach Informationen des MDR hatten Unbekannte zuvor das Heim beschossen. Sie beschädigten dabei ein Zimmerfenster und Teile der Fassadenverglasung. Bewohner des Heims wurden nicht verletzt. Womit das Gebäude beschädigt wurde, ist nach wie vor nicht bekannt. Nach Angaben der Oberstaatsanwaltschaft Leipzig vom Donnerstag kamen aber keine Schusswaffen zum Einsatz, obwohl Zeugen von Schussgeräuschen berichtet hatten und deshalb von Schüssen auf das Heim die Rede war.

"Es ist erschreckend und beschämend"

Landespolitiker zeigten sich nach Bekanntwerden der Taten entsetzt. "Der Angriff ist unerträglich und macht betroffen", sagte der Chef der Sächsischen Staatskanzlei, Fritz Jaeckel. Die Tat richte sich gegen Menschen, die unseren Schutz brauchen. Auch in diesem Fall werde unnachgiebig gegen die Täter vorgegangen, so Jaeckel. Die migrationspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Juliane Nagel, sprach von einer "neuen, erschreckenden Stufe der Gewalt gegen Geflüchtete". Die Angreifer hätten bewusst in Kauf genommen, dass Menschen verletzt oder gar getötet werden. Die designierte Generalsekretärin der SPD Sachsen, Daniela Kolbe, sagte: "Es ist erschreckend und zutiefst beschämend für uns alle, dass Menschen hier aufgrund ihrer Herkunft Angst haben, weil sie an Leib und Leben bedroht werden." Sie forderte zügige Ermittlungen. In dem Haus leben nach Angaben der Landesdirektion rund 160 Flüchtlinge. Das ehemalige Hotel dient der Landesdirektion Sachsen als Notunterkunft für die Erstaufnahme von Asylsuchenden.

Betreiber in der Kritik

Die Asylunterkunft in Böhlen war bereits Anfang des Jahres Gegenstand von Medienberichten, nachdem bekannt wurde, dass ein früherer Funktionär der rechten Republikaner das Heim betreibt. Auch er distanzierte sich einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa zufolge von den Angriffen: "Ich kritisiere das scharf, in dieser Weise eine Meinung zu artikulieren. Das muss man bei den nächsten Wahlen machen."

Flüchtlingsunterkunft "Apart-Hotel" Leipzig-Böhlen
In dem ehemaligen Hotel in Böhlen leben derzeit rund 160 Flüchtlinge. Bildrechte: MDR/Susann Blum

Über 30 Angriffe auf Asylunterkünfte seit Jahresbeginn

In den vergangenen Monaten hatte es in Sachsen wiederholt Angriffe auf Asylunterkünfte gegeben. Bis Ende Mai waren es nach Angaben des Innenministeriums 31 Fälle. Anfang Juni hatten Unbekannte in Hoyerswerda einen Brandsatz auf eine Notunterkunft für Asylbewerber geworfen. Wenig später hatte das OAZ mitgeteilt, dass nach einem Sprengstoffanschlag auf ein Asylbewerberheim in Freiberg wegen versuchtem Totschlag ermittelt wird. Ein Brandanschlag Ende Juni in Meißen hatte gezeigt, dass die Täter auch unbewohnte Objekte ins Visier nehmen. OAZ-Chef Bernd Merbitz hatte daraufhin angekündigt, Unterkünfte besser durch mobile Einsatz- und Fahndungsgruppen schützen zu wollen.

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2015, 19:06 Uhr