Unterricht in einer Schulklasse
Volle Klassen werden auch in den kommenden Jahren Normalzustand in Leipzig sein. Laut Sächsischem Schulgesetz (§ 4a) dürfen pro Klasse nicht mehr als 28 Schüler unterrichtet werden. Bildrechte: colourbox.com

Vollgestopfte Klassen Leipzig braucht 31 zusätzliche Schulen

Leipzig ist beliebt. Leipzig boomt. Die Planungen im Rathaus scheinen diesem Boom noch immer hinterher zu hinken. Die Stadt hat ihren Schulentwicklungsplan aus dem vergangenen Jahr nach oben korrigiert. Im Rathaus geht man nun davon aus, dass bis zum Jahr 2030 weitere 31 neue Schulen gebraucht werden - eine Mammutaufgabe, die auch Fragen aufwirft.

Unterricht in einer Schulklasse
Volle Klassen werden auch in den kommenden Jahren Normalzustand in Leipzig sein. Laut Sächsischem Schulgesetz (§ 4a) dürfen pro Klasse nicht mehr als 28 Schüler unterrichtet werden. Bildrechte: colourbox.com

Die Realität überrollt die Planungen. Die Zahl der Schüler wird bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent steigen. Das besagen die Prognosen, die auf der Bevölkerungsschätzung 2016 basieren. Anlass für die Stadt Leipzig, ihre erst im vergangenen Jahr angepasste Schulentwicklungsplanung erneut zu überarbeiten. Darin heißt es nun, in den kommenden 13 Jahren werden 17 Grundschulen, zehn Oberschulen und vier Gymnasien zusätzlich benötigt. Drei Wege sollen zu diesem Ziel führen: Neubau, Erweiterung und Reaktivierung alter Gebäude. Zusätzlich 500 Millionen Euro - nach derzeitigen Schätzungen - muss die Stadt dafür in die Hand nehmen.

Wer soll unterrichten

Schulgebäude und deren Finanzierung sind jedoch nur ein Problem. Völlig unbeantwortet ist indes noch die Frage, wer in den neugebauten, erweiterten oder reaktivierten Schulen unterrichten soll.

Cornelia Falken
Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Die Neueinstellungen, die im Freistaat Sachsen durchgeführt werden, werden nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken.

Cornelia Falken, GEW-Bezirksvorsitzende Leipzig

Die Zwischenlösung, Seiteneinsteiger einzustellen, werde das Problem nicht lösen können, ist sich die Leipziger GEW-Bezirksvorsitzende Cornelia Falken sicher. Den Seiteneinsteigern würden Fachkompetenzen wie didaktisches und methodisches Wissen fehlen, kritisiert sie. Schon jetzt verlassen in jedem Jahrgang 15 Prozent der Schüler ohne Abschluss die Schulen. Darüber hinaus haben zehn Prozent der Schulabgänger nur einen Hauptschulabschluss, gehen also nach der 9. Klasse von der Schule. Damit hat ein Viertel aller Leipziger Schüler keinen optimalen Start ins Berufsleben. Cornelia Falken befürchtet, dass sich diese Situation mit Blick auf die wachsende Schülerzahl, den schon jetzt bestehenden Lehrermangel und den kaum zu stemmenden Schulausbau noch weiter verschärfen wird.

Die Weichen sind gestellt

Das Sächsische Staatsministerium für Kultus zeigt sich überrascht von Leipzigs Schulbedarf. Dies sei eine enorme Herausforderung, sagte Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. Zudem kritisiert er das Leipziger Rathaus. Die Planung sei spät erfolgt. Dies spiegele sich auch im derzeitigen Sanierungsstand der Schulbauten wieder.

Bezüglich der Lehrersituation beschwichtigt Reelfs und sieht den Freistaat bei der langfristigen Lehrerplanung gut aufgestellt. Die Kapazitäten für Lehramtsstudenten in Sachsen sei deutlich erhöht worden, so dass der Bedarf an den Schulen in Leipzig ab etwa 2025 gedeckt werden könne.

Dirk Reelfs, Sprecher Sächsisches Kultusministerium
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der langfristige Lehrerbedarf sorgt uns weniger als der kurzfristige.

Dirk Reelfs, Sprecher Sächsisches Kultusministerium

Für die kurzfristige Planung und damit für die kommenden drei Jahre setzt der Freistaat weiterhin auf Seiteneinsteiger. Ohne sie werde es nicht gehen, so Reelfs.

Blick in die Planungen
Neubau Erweiterung  
Grundschule Gießerstraße Sportoberschule  
Grundschule Brüderstraße    
Grundschule Rolf-Axen-Schule    
Oberschule Ihmelstraße    
Gymnasium Karl-Heine Straße    
Gymnasium Dösener Weg    
Gymnasium Prager Dreieck    

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 04.05.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2017, 19:31 Uhr

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1 Kommentar

04.05.2017 21:13 Untermensch aus Dunkeldeutschland 1

Dann muss wohl etwas für mehr Verhütung getan werden. Dabei altert Deutschland angeblich so sehr und hat keine Kinder.