Region Leipzig

Auseinandersetzung im Leipziger Werk : BMW-Betriebsrat geht gegen Leiharbeiter-Einsatz vor

Der Betriebsrat des Leipziger BMW-Werkes geht gegen den massiven Einsatz von Leiharbeitern vor. Betriebsratschef Jens Köhler sagte MDR 1 RADIO SACHSEN, über 40 Prozent der Mitarbeiter im Werk wären inzwischen Leiharbeiter. Es gehe nicht darum, überhaupt keine Leiharbeit zuzulassen, aber die Verhältnismäßigkeit müsse stimmen, erklärte Köhler. Die Geschäftsleitung des Leipziger Werkes hatte den Betriebsrat verklagt, weil dieser seine Zustimmung zur Beschäftigung von 1.100 Leiharbeitern verweigert hatte. Das Leipziger Arbeitsgericht bestätigte den Eingang der Klagen, es seien etwa zehn Verfahren anhängig, die erste Verhandlung werde am 15. Februar stattfinden.

IG-Metall: Grundsätzliche Klärung nötig

BMW-Werk in Leipzig
BMW-Werk Leipzig: Viele Beschäftigte sind Leiharbeiter

Bernd Kruppa, der 1. Bevollmächtigte der IG-Metall Leipzig sagte dem MDR, die Gewerkschaft unterstütze das Vorgehen des Betriebsrates. Es gehe nicht nur um die Verhältnisse bei BMW, sondern in vielen Firmen. Der Gesetzgeber habe festgelegt, dass es sich bei der Leiharbeit um eine "vorübergehende Beschäftigung" handeln solle. "Doch nirgendwo steht, was das genau heißt. Und wir hoffen, dass das in den Verfahren um die BMW-Mitarbeiter endlich einmal geklärt wird", sagte der Gewerkschafter. Nach seinen Angaben gibt es in dem Werk neben den BMW-Stammbeschäftigten und BMW-Leiharbeitern auch noch rund 2.000 Beschäftigte von 26 Zuliefer- oder Logistikfirmen. Während BMW-Beschäftigte und -Leiharbeiter inzwischen nach einem Tarif bezahlt würden, wäre das bei den Zulieferfirmen nicht so. Diese Mitarbeiter würden, obwohl sie manchmal direkt neben BMW-Beschäftigten arbeiteten, im Monat bis zu 1.000 Euro weniger verdienen. "Die Frage ist deshalb auch, ob wir zulassen wollen, dass immer mehr Arbeit ausgelagert wird", sagte Kruppa.

"Mindestkapazität an Stammkräften"

Nach Angaben von Werkssprecher Jochen Müller beschäftigt BMW in Leipzig rund 2.800 Stammkräfte. Dazu komme ein "flexibler Anteil an Zeitarbeitskräften", auf den der Autobauer nicht verzichten könne. "Es ist unsere unternehmerische Verantwortung, eine Mindestkapazität an Stammkräften einzusetzen und den Bedarf darüber hinaus flexibel handhaben zu können." Das Autogeschäft unterliege Schwankungen, die mit Zeitarbeitern abgefedert werden könnten. BMW baut in Leipzig mehrere Modelle der 1er-Reihe sowie den kompakten Geländewagen X1. Das Werk wird gerade für rund 400 Millionen Euro erweitert. Von 2013 an sollen die neuen Elektromodelle von BMW in Leipzig gefertigt werden.

Zuletzt aktualisiert: 03. Februar 2012, 21:02 Uhr

2. Matthias Holger Mieth:
Typisch: 400 Millionen Euro für Werkserweiterung, aber kein Cent für Equal Pay.
04.02.2012
12:22 Uhr
1. hammaned:
Leider sind unsere Politiker derart im Koruptionssumpf verstrickt, daß sie gar nicht an die Möglichkeit denken wollen die in Frankreich gang und gebe ist. Dort erhalten Leiharbeiter exakt das selbe Gehalt wie Festangestellte während die Leihfirma 10% zusätzlich an die Entleihfirma entrichten muß. Hier wird Personal wirklich nur ausgeliehen wenn Not am Mann ist. Eigenartiger Weise ist die französische Wirtschaft nicht daran zu Grund gegangen wie es für die Deutsche so gerne prophezeit wird.
03.02.2012
00:25 Uhr

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