Region Leipzig

Auseinandersetzung mit Betriebsrat : BMW-Leipzig verteidigt hohe Anzahl der Leiharbeiter

Das Leipziger BMW-Werk hat die hohe Zahl von Leiharbeitern verteidigt. Unternehmenssprecher Jochen Müller sagte MDR INFO, das Werk biete den Betroffenen "wirklich eine faire Beschäftigung". Die Leiharbeitskräfte bei BMW bekämen immer noch 20 Prozent mehr, als der Durchschnittslohn in Sachsen betrage. Zudem habe man im vergangenen Jahr 250 Mitarbeiter neu eingestellt. Davon seien 170 zuvor Leiharbeiter gewesen. In diesem Jahr würden weitere 350 Beschäftigte angestellt. Auf diese Stellen könnten sich ebenfalls wieder Leiharbeitskräfte bewerben.

Leipziger Werk kam ohne Kurzarbeit durch die Krise

Müller erklärte, mit dem hohen Leiharbeiteranteil könne die Produktion im Werk "atmen". "In der Krise konnten wir zwar viele Leiharbeiter nicht weiter beschäftigten, wir sind aber bei der Stammbelegschaft ohne Kurzarbeit ausgekommen und haben deshalb auch keine Steuergelder gebraucht", sagte der Firmensprecher. Betriebsratschef Jens Köhler entgegnete bei MDR-INFO, BMW wolle mit dem hohen Leiharbeiteranteil, "den man bei Bedarf über Nacht loswird", auch in Krisen profitable Ergebnisse abliefern. "Und das finde ich verwerflich", sagte Köhler. Der Betriebsratschef verwies auf die anderen BMW-Werke, etwa in Bayern. Diese würden mit wesentlich weniger Leiharbeitern auskommen und hätten die Wirtschaftskrise auch gut überstanden. In den Werken wären freiwillige Aufhebungsverträge und die Kurzarbeiterregelung zur Anwendung gekommen, betriebsbedingte Kündigungen habe es keine gegeben. Das Leipziger BMW-Werk hatte im Sommer 2008 rund 400 Leiharbeiter freigestellt, viele der Mitarbeiter wurden von ihren Verleihfirmen umgehend entlassen.

Betriebsrat hatte Zustimmung verweigert

Die Geschäftsleitung des Leipziger Werkes hatte den Betriebsrat verklagt, weil dieser seine Zustimmung zur Beschäftigung von 1.100 Leiharbeitern verweigert hatte. Das Leipziger Arbeitsgericht bestätigte den Eingang von entsprechenden Klagen, am 15. Februar wird eine erste Verhandlung stattfinden. Betriebsrat und IG-Metall versprechen sich von den Prozessen die Klärung von wichtigen Fragen zur Leiharbeit. Bernd Kruppa, der 1. Bevollmächtigte der IG-Metall Leipzig sagte dem MDR, es gehe nicht nur um die Verhältnisse bei BMW sondern in vielen Firmen. Der Gesetzgeber habe festgelegt, dass es sich bei der Leiharbeit um eine "vorübergehende Beschäftigung" handeln solle. "Doch nirgendwo steht, was das genau heißt. Und wir hoffen, dass das in den Verfahren um die BMW-Mitarbeiter endlich einmal geklärt wird", erklärte der Gewerkschafter.

Zuletzt aktualisiert: 03. Februar 2012, 22:33 Uhr

3. Karl-Friedrich:
Die Diskussion halte ich einerseits für verständlich, andererseits für schädlich. Verständlich, weil ja jeder bei BMW tätige Leiharbeitnehmer von den allgemeinen Segnungen der fest angestellten BMW-Mitarbeiter profitieren möchte. Neben Weihnachts- und Urlaubsgeld wird ja m.W. auch eine Erfolgsbeiteilung und zusätzliche Altersversorgung gezahlt. Dazu kommt, zumindest in den bayerischen Werken, die mit der Gewerkschaft vereinbarte praktische Unkündbarkeit der Stammbelegschaft. Marktvolatile Unternehmen wie die der Automobilindustrie müssen aber zur Risikominimierung einen höheren %-Satz der Personalkapazität für Marktveränderungen flexibel vorhalten. Wenn Zeitarbeit in Deutschland nicht mehr möglich ist, werden künftig wohl wieder vermehrt Fabriken ins Ausland verlagert bzw. keine neuen mehr gegründet.
05.02.2012
12:13 Uhr
2. sklave80:
Hallo, ich Arbeite dort schon seit drei Jahren über eine Zeitarbeitsfirma...und ich kenne Leute die dort schon seit 6 Jahren!!! "diese sogenannte Auftragsspitzen" abdecken.... Und an Bernd2001: Das Gehalt mag zwar über dem (sehr niedrigen) Leipziger durchschnitt liegen aber ich denke viele würde dann lieber etwas weniger verdienen und in einer "Richtigen Arbeit" arbeiten und nicht als Mensch 2.Klasse. Es einfach Demotivierend auf Versammlungen siehst du wie das Unternehmen Rekordgewinne schreibt...und im nächsten Augenblick werden wieder wie zb. zu Silvester 2011/12 500 Menschen entlassen... Der Druck und das Arbeitspensum sind sehr dort sehr hoch...wenn du es nicht schaffst/auffällst/Krank wirst bist du weck...letztes jahr ist dort sogar ein älterer nach ner Kündigung vom Dach gesprungen...Aber der war ja nicht bei BMW angestellt somit kein Imageschaden...Foxconn lässt grüßen..
04.02.2012
11:58 Uhr
1. bernd2001:
"Der Gesetzgeber habe festgelegt, dass es sich bei der Leiharbeit um eine "vorübergehende Beschäftigung" handeln solle. "Doch nirgendwo steht, was das genau heißt. Und wir hoffen, dass das in den Verfahren um die BMW-Mitarbeiter endlich einmal geklärt wird", erklärte der Gewerkschafter." Meine Antwort zu diesem Zitat: 2 Monate, 3 Tage, 12 Stunden, 27 Minuten und 23 Sekunden. Wie weltfremd sind diese Gewerkschafter. Auch durch die Leiharbeit haben wir heute eine Beschäftigung, wie seit langen nicht. Das ist ein Klagen auf sehr, sehr hohem Niveau. Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aus Eis tanzen. ;acht mal weiter so.
04.02.2012
07:53 Uhr

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