Besucher sehen sich am Tag der offenen Moschee am 03.10.2016 in Berlin in der Khadija Moschee um. Der «Tag der offenen Moschee» hat nach der Bundestagswahl für die Muslime in diesem Jahr eine besondere Bedeutung. Sie laden an einem ganz besonderen Tag ein _ besonders auch für nichtreligiöse Menschen.(zu dpa «Nachbarschaft stärken - Moscheen öffnen deutschlandweit ihre Türen» vom 1.10.2017)
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Tag der offenen Moschee Geringer Andrang in Leipzig

Besucher sehen sich am Tag der offenen Moschee am 03.10.2016 in Berlin in der Khadija Moschee um. Der «Tag der offenen Moschee» hat nach der Bundestagswahl für die Muslime in diesem Jahr eine besondere Bedeutung. Sie laden an einem ganz besonderen Tag ein _ besonders auch für nichtreligiöse Menschen.(zu dpa «Nachbarschaft stärken - Moscheen öffnen deutschlandweit ihre Türen» vom 1.10.2017)
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Unter dem Motto "Gute Nachbarschaft – bessere Gesellschaft" haben die deutschen Muslime zum Tag der offenen Moschee eingeladen. Auch in Leipzig öffneten drei Gemeinden ihre Türen. Neben der salafistischen Al Rahman Moschee, deren Mitglieder im Fokus des Verfassungsschutz stehen, nahmen auch die Ahmadiyya-Gemeinde und das Gebetszentrum der Ditib im Osten der Stadt an der Veranstaltung teil.

Die Zahl der Besucher schätzt die KRM auf 100.000. Für Berlin werde mit etwa 15.000 Gästen gerechnet. Im ländlichen Raum seien die Zahlen eher rückläufig.

Erwartungen der Besucher

Mit 50 Teilnehmern war der Andrang in der Al Rahman Moschee in der Roscherstraße am größten. Bis zu 20 Interessierte besuchten die anderen Gebetshäuser. Die Erwartungen der Besucher stimmten in vielen Punkten überein. Eine Leipzigerin erklärte MDR SACHSEN, sie hätte sich bis heute noch nicht dem Islam auseinandergesetzt. Aufgrund dieser Unwissenheit wolle sie das Angebot wahrnehmen und mehr über die Religion erfahren. Zugleich spricht sie aber auch über ihre Sorgen:

Ich hoffe, dass es an den Orten, an denen Moscheen entstehen, nicht zu radikalen Auseinandersetzungen kommt.

Ein weiterer Besucher: "Es wird immer viel über den Islam gesprochen,  aber wir wissen viel zu wenig über die Religion." Aus diesem Grund hätten er und seine Mitbewohner heute diesen WG-Ausflug in die Al Rahman Moschee geplant.

Der Koran mit der Broschüre vom Tag der offenen Moschee.
Der Tag der offenen Moschee finden seit 1997 jedes Jahr am 3. Oktober statt. Bildrechte: MDR/Moritz Arand

Was ist eigentlich der Dschihad?

In der Ditib-Gemeinde in der Hermann-Liebmann-Straße unterhielten sich die Besucher mit Imam Yucel Tatlı unter anderem über über die Bedeutung des Dschihads. Tatlı erklärte, dass beispielsweise der Begriff des Dschihad immer wieder falsch verwendet werde. Im Koran stünde, der Dschihad sei ein Kampf mit sich und seinem Glauben. Der sogenannte kleine Dschihad sei hingegen ein Kampf mit anderen, aber nie mit dem Ziel, sein Gegenüber zu töten. Tatlı zitiert aus dem Koran: "Wenn ein Mensch einen anderen umbringt, tötet der die ganze Welt."    

70 Mitglieder habe die Gemeinde derzeit, erzählt Tatlı bei Kuchen, schwarzem Tee und einer süßen Fruchtsuppe, dessen Rezept auf den Propheten Noah zurückgehen soll. Zu den hohen Festen des Islams sollen bis zu 500 Muslime in das Gebetshaus im Leipziger Osten kommen. "22 Nationen kommen zum Beten hierher", betont der Imam.

Imam Yucel Tatlı im Gebetsraum in der DITIB-Moschee in Leipzig.
Imam Yucel Tatlı im Gebetsraum in der DITIB-Moschee in der Hermann-Liebmann-Straße. Bildrechte: MDR/Moritz Arand

Über Politik wird nicht gesprochen

Im April 2017 wurde kurz nach dem türkischen Referendum eine Farbattacke auf die Moschee der Türkei nahen Ditib-Gemeinde verübt. Auf die Frage, ob sich Tatlı in Leipzig sicher fühle, antwortet er: "In Oberhausen war es nicht so schlimm, wie in Sachsen." Gründe hierfür möchte er nicht nennen, betont jedoch: "Wenn ich mich nicht sicher fühle, dann bin nicht ich daran schuld." Überhaupt möchte das Gemeindeoberhaupt nicht über politische Themen sprechen. Er sei ein Mann der Theologie und des Glaubens. Politik sollen andere machen.

Seit 1997 wird der Tag der offenen Moschee vom Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland (KRM) für deren Verbände organisiert. In Deutschland gibt es nach Angaben des KRM 2.500 Gebetsstätten. 350 Moscheen sind von außen durch ihre Architektur als solche erkennbar. Der Großteil befindet sich jedoch in Wohnhäusern, Hinterhöfen oder in Gewerbe- und Industriegebieten. Nach Informationen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge leben rund fünf Millionen Menschen in Deutschland, die dem muslimischen Glauben angehören.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 09:48 Uhr

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3 Kommentare

04.10.2017 18:20 @Fakten-Jack : Voll ins Schwarze getroffen ! 3

Zitat von Ihnen:
"Es gibt einige hochintellektuelle Personen mit muslimischen Hintergrund, bei denen ich mich gerne über Islam und Koran informiere.
Einige davon können nur mit Polizeischutz in Deutschland leben.
Wie kommt das?"
Und ich ergänze:
Wer sich heute auf das Grundgesetz, beruft, muss bereits befürchten, in die rechte Ecke gedrängt zu werden. ( Gewaltenteilung, Gleichheit von Frau und Mann vor dem Gesetz, Ablehnung des Religions-Vorherrschaftsanspruchs)

04.10.2017 15:21 Fakten-Jack 2

In Übereinstimmung und Beachtung der Kommentar-Richtlinien möchte ich meine Meinung zum Thema äußern:
Es gibt einige hochintellektuelle Personen mit muslimischen Hintergrund, bei denen ich mich gerne über Islam und Koran informiere.
Einige davon können nur mit Polizeischutz in Deutschland leben.
Wie kommt das?

03.10.2017 20:57 SuRreal 1

Zitat: "Nach Informationen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge leben rund fünf Menschen in Deutschland, die den muslimischen Glauben angehören." Diese Zahl halte ich doch für leicht untertrieben ;-). Bitte verbessern!