Tag der Städtebauförderung in Sachsen Wie sieht die Zukunft unserer Städte aus?

Wer was geleistet hat, will es in den meisten Fällen der Öffentlichkeit zeigen. Das ist beim bundesweiten Tag der Städtebauförderung nicht anders. Auch in Sachsen haben Städte und Kommunen am Sonnabend die Erfolge der finanziellen Förderung ihrer Städte präsentiert. Gleichzeitig sollten Bürger gewonnen werden, die sich aktiv an der Stadtentwicklung beteiligen wollen.

Flohmarkt auf dem Neustaedter Markt an der Eisenbahnstrasse im Leipziger Osten
Flohmarkt auf dem Neustädter Markt an der Eisenbahnstrasse im Leipziger Osten. Bildrechte: dpa

In Sachsen haben sich insgesamt 26 Kommunen an der Aktion des Bundesbauministeriums beteiligt, darunter Annaberg-Buchholz, Delitzsch, Heidenau, Hoyerswerda und Stolpen. Sachsen wolle zum "Tag der Städtebauförderung" Vorzeigeprojekte ins Blickfeld rücken, sagte der für den Städtebau zuständige Innenminister Markus Ulbig am Freitag in Dresden. Er lud die Bürger ein, die Veranstaltungen zu besuchen.

Leipzig lädt in den Osten ein

Ein großes Programm hatte die Stadt Leipzig auf die Beine gestellt. Sie lud in den Osten der Stadt ein. Unter dem Motto "Leipzig - Stadterneuerung on Tour" konnten die Besucher erleben, wie sich der Stadtteil verändert hat. Der Hot-Spot für das diesjährige Leipziger Angebot war das Informationscentrum (IC-E, Eisenbahnstraße 49).   

Leerstand deutlich gesunken

An einem Schaufenster eines leerstehenden Geschäftes in der Eisenbahnstraße in Leipzig steht der Spruch Da ist sie wieder die Provinz, die Landschaft unserer Harmlosigkeit
Der Leerstand war in Leipzig lange Zeit ein Problem. Bildrechte: dpa

Baubürgermeisterin Dorothe Dubrau konnte dabei jede Menge Zahlen präsentieren: In Leipzig sind zwischen 1991 und 2016 über 735 Millionen Euro in Maßnahmen der Stadterneuerung und des Stadtumbaus geflossen, rund 80 Millionen davon in den Leipziger Osten.

Der Gebäudebestand im Osten der Stadt ist inzwischen zu 80 Prozent saniert oder zumindest teilsaniert worden. Das hat Auswirkungen auf den Leerstand, der auf neun Prozent gesunken ist. Denn immer mehr Menschen zieht es in den Leipziger Osten. So habe der Stadtteil Volkmarsdorf im Jahr 2016 über 860 Einwohner hinzugewonnen, erklärte Heike Will, Leiterin des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung.

Die positive Entwicklung im Leipziger Osten ist das Ergebnis einer differenzierten, mit Einwohnern und Akteuren abgestimmten Förderpolitik und des Engagements vieler Initiativen und Vereine. Der Einsatz hat sichtbar Früchte getragen.

Heike Will Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung der Stadt Leipzig

Weitere Projekte geplant

Und die Früchte sollen sich weiter vermehren. Denn für die nächsten Jahre sind im Leipziger Osten weitere große Projekte geplant, für die derzeit die Vorbereitungen laufen und die zum Tag der Städtebauförderung präsentiert werden. So etwa die Entwicklung des Parkbogens Ost oder die Sanierung und Umnutzung der alten Feuerwache Ost und des Fortuna-Kinos. Bereits mehrere Fördermittelanträge seien an das Programm "Soziale Stadt" gestellt worden, erklärte Heike Will.

Karte: Parkbogen Ost Leipzig
Die Instandsetzung von Baudenkmalen und Revitalisierung von Brachflächen in Interaktion mit der Bevölkerung stellt die Stadt immer wieder vor neue Herausforderungen. Am Beispiel des Parkbogen Ost wird am Tag der Städtebauförderung der aktuelle Stand sowie die weiteren Schritte zur Umsetzung erläutert. Bildrechte: Stadt Leipzig

Wir haben Fördermittel für das Quartiersmanagement beantragt und wir haben ganz viele kleinere Maßnahmen die auch die Modernisierung von weiteren Gebäuden im Leipziger Osten im Fokus haben. Was natürlich schon noch einige Millionen bedeuten, die wir noch einfließen lassen wollen.

Heike Will Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung der Stadt Leipzig

Besseres Wohnumfeld löst nicht alle Probleme

Logo, Tag der Städtebauförderung
Bildrechte: Tag der Städtebauförderung 2017

Doch der Zuzug und die Sanierung können nicht über die Probleme hinwegtäuschen, die der Leipziger Osten zweifellos hat. Da ist beispielweise die Eisenbahnstraße, die durch Kriminalität zu bundesweiter trauriger Berühmtheit gelangte. Und da sind diejenigen Bewohner, die nahe an der Armutsgrenze leben.

Zwar hat Volkmarsdorf im Nordosten der Stadt viele Einwohner hinzugewonnen, aber der Stadtteil weist 38,2 Prozent an Hartz IV-Empfängern auf. Auch die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund ist in den letzten Jahren angestiegen. Lebten 2012 12.155 Einwohner mit Migrationshintergrund im Osten Leipzigs, waren es 2016 schon über 21.700. Diese Menschen zu integrieren und ihnen eine angemessene Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, ist für die Stadt eine große Herausforderung.

Das Thema Inklusion und Integration spielt im Leipziger Osten eine große Rolle. Deshalb gibt es hier auch kleinteilige Förderprogramme die gerade diese Themen aufgreifen und die im Osten die soziale Schiene bedienen.

Heike Will Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung der Stadt Leipzig

Auch wie mit den steigenden Bodenwerten umgegangen werden soll, stellt die Stadt vor Herausforderungen. Das sei ein ganz ganz wichtiger Punkt, der behandelt werden muss, stellt Heike Will klar. Denn Verdrängung, also Gentrifizierung, mache vor keinem Stadtteil halt, so Will.

Der Tag der Städtebauförderung ... ... ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern, Deutschem Städtetag und Deutschem Stätde- und Gemeindebund. Durch den "Tag der Städtebauförderung" sollen einer breiten Öffentlichkeit Informationen zu Aufgaben, Umsetzung und Ergebnissen der Städtebauförderung nähergebracht werden. Zudem soll so auf neue Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung aufmerksam gemacht werden. Im vergangenen Jahr nahmen mehr als 530 Städte und Gemeinden mit rund 900 Veranstaltungen teil.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 13.05.2017 | Nachrichten ab 8:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2017, 18:41 Uhr

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12 Kommentare

13.05.2017 22:16 NRW-Wessi 12

Chris 11
Haben Sie meinen Text vollständig gelesen?
Westdeutsche Großstädte haben ostdeutschen Großstädten sehr wohl etwas voraus, nämlich oft genug ein Bronx-Ambiente, weswegen ich es hier im Westen vermeide, in die Innenstadt zu gehen.
Ist diese Aussage nun für ostdeutsche Sädte so negativ, oder doch eher positiv. ;-)

13.05.2017 21:04 Chris 11

13.05.2017 16:43 NRW-Wessi
Was schreiben Sie denn für einen Blödsinn. In welcher Westdeutschen Großstadt findet man kaum Grünflächen oder Bäume? Da steht doch ein Einkaufstempel am anderen. Es ist genau anders herum, OSTDEUTSCHE STÄDTE HABEN WESTDEUTSCHEN STÄDTEN ETWAS VORAUS!
13.05.2017 16:37 aridus
Ich weiß nicht ob Sie in der Lage sind den folgenden Satz zu begreifen? Es gab in Deutschland 4 Zonen, nun gibt es keine mehr, was man eigentlich wissen sollte.

13.05.2017 19:16 Bernd Escher 10

Sehr schön für den Leipziger Osten,aber
was ist mit Leipzig NW+Ortsteile,die
Ortschaftsräte habens wirklich nicht leicht.@8 NRW-Wessi:Auf dem früheren
Sachsenplatz steht das Bildermuseum
auch"Bunker"genannt,ist fast schon
zugebaut(Eckbebauung oder so)dieses
Monstrum,sieht dann zwar keiner mehr,
aber der alte Platz ist eh verschwunden.
Zum Thema"Bunker"Bildermuseum gibts was lustiges,einfach mal Googeln
viel Spaß dabei.Wenn es nicht so traurig
wäre könnte man lachen. :-/
Hoffentlich ist die Wahlbeteiligung
in NRW sehr hoch,denn wer zu Hause
bleibt,na ja...
mfg Bernd Escher

13.05.2017 17:54 roca remeed 9

Verehrter aridus, seien Sie doch nachsichtig. Sie kennen doch die schlechte Versorgungslage in der Zone! Vor allem wurden dort seit Jahren keine rosaroten Brillen mehr gesichtet. Vielleicht könnten Sie mit Ihrem nächsten Westpaket diesem Missstand und der damit einhergehenden gefährlichen Virulenz ein wenig abhelfen und einige Dutzend solcher Hilfsmittel der reinen Denkungsart einschleusen. Zur Tarnung könnten doch einige Burkas dienen, die auch gleich einen kleinen Blick auf die ostzonale Zukunft ermöglichen könnten ...

13.05.2017 16:43 NRW-Wessi 8

Sehr düster ...
Ich denke, westdeutsche Großstädte sind ostdeutschen Großstädten um einige Jahre voraus. Werden hier im Westen nette Plätze mit Pflanzen und Bänken geschaffen, fühlen sich Personen mit überdurchschnittlich viel Tagesfreizeit dort sehr wohl. Die Menschen, die diese mit ihren Steuergeldern finanziert haben, werden dort beschimpft wenn sie Personen ansprechen, die ihren Müll achtlos wegwerfen. Außerdem müssen sie an manchen Stellen um ihr Eigentum und teilweise sogar um ihre Gesundheit fürchten.
Vor diesen Hintergründen kann ich so manches Ergebnis ostdeutscher Landtagswahlen sehr gut nachvollziehen. Bin gespannt, was morgen hier in NRW abgeht ...

13.05.2017 16:37 aridus 7

Ich weiß ja nicht, ob die Illustration zu diesem Artikel mal geändert wurde - ich konnte jedenfalls keine Frau mit Kopftuch (oder Burka) erkennen. Wird der Verfolgungswahn in der Zone immer virulenter?

13.05.2017 14:27 jochen 6

Sehr viele Kopftücher.

13.05.2017 11:37 So sieht es aus 5

Das möchte ich garnicht wissen, nur soviel werden wir uns noch wundern wie es eines Tages aussieht. Da geb ich @1 recht und dazu fehlen noch die NGOS wo man einen großen Bogen machen sollte die es ja in den alten Bundesländern gibt. Na dann auf in die Zukunft.

13.05.2017 11:19 roca remeed 4

pkeszler! Zur weltoffenen "Entfaltung" des Ostens und seiner noch gefährlich deutschen Städte gehören neben "der Frage der Einstellung und der Gewöhnung" natürlich unbedingt dazu: Entsolidarisierung und gegenseitige Respektlosigkeit, Sitten- und Kulturverfall, explodierende Kriminalität, Bildungs- und Leistungsverweigerung, Frauendiskriminierung und Rückfall in die Prähistorie (nicht ins Mittelalter, das war dagegen in Europa fortschrittlich!). Und nicht zu vergessen: Inklusion und Integration als Sieg des kleinsten gemeinsamen Nenners!

13.05.2017 11:01 Kuno 3

@1 Auch ich habe lange Zeit gedacht, dass wir im Osten von westdeutschen Zuständen verschont bleiben würden. Aber die islamische Massenzuwanderung hat unsere drei sächsischen Großstädte schon sehr verändert. Auch die Innenstädte der Großen Kreisstädte sind kaum wiederzuerkennen, in Görlitz, Bautzen, Meißen usw. kann man die von Ihnen beschriebenen Zustände beobachten. Nun sind die kleineren Gemeinden an der Reihe, wie ich auf der Radtour durch Sachsen feststellen musste. Kritik ist nicht erwünscht und wird auch nicht öffentlich geäußert, das fängt schon in der Schule an. Früher musste der Sozialismus bejubelt werden und heute die ungeprüfte Massenzuwanderung.