Blick in eine Halle
In dieser Hallen wurden einst Flugzeuge gefertigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tage der Industriekultur Leipzig Vom Flugzeug bis zur Straßenbahn

Straßenbahnen, landwirtschaftliche Geräte und sogar Flugzeuge: In den Werkstätten in Leipzig-Heiterblick wurde schon vieles gebaut. Am Freitag konnte man einen Blick in die neuen und alten Werkhallen der Leipziger Verkehrsbetriebe werfen. Am Wochenende öffnen weitere Industrie- und Kulturbetriebe anlässlich der Tage der Industriekultur ihre Tore und Türen.

Blick in eine Halle
In dieser Hallen wurden einst Flugzeuge gefertigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Hauptwerkstatt in Heiterblick wurde 1927 errichtet. Der Standort selbst ist aber genau elf Jahre älter, erzählt der Historiker Jens Karkuschke: "Im Jahr 1916 errichtete die Automobil- und Aviatik AG hier eine Flugzeugfabrik. Die Gebäude, die heute alle unter Denkmalschutz stehen, sind die damaligen Werkanlagen." 3.000 Flugzeuge wurden hier gebaut, in größter Stückzahl einfache Doppeldecker-Flugzeuge. Insgesamt machten die Flugzeuge aus Leipzig etwa zehn Prozent des gesamten Flugzeugbaus während des Ersten Weltkrieges aus.

Flugzeugverbot

Nach dem Ersten Weltkrieg durften die Deutschen keine Flugzeuge mehr bauen. Einige Jahre hielt sich die Automobil- und Aviatik AG mit Reparaturen über Wasser, 1921 wurde die Firma aus dem Handelsregister gelöscht. Eine Berliner Firma übernahm das Aktienpaket, reparierte hier Eisenbahnwaggons und stellte landwirtschaftliche Geräte her. Vor 90 Jahren gab die Berliner Firma das Gelände auf und es wurde der Stadt Leipzig zum Kauf angeboten. Schnell war klar: Das wird der neue Standort für die Hauptwerkstätten für die Leipziger Straßenbahnen.

Zukunftperspektiven

Straßenbahn vor Technischem Zentrum Heiterblick
Die neuen Werkstätten der Leipziger Verkehrsbetriebe in Heiterblick. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ab 2003 wurden die ersten Leoliner gebaut, die heute über Leipzigs Schienen rollen. Und auch wenn die neuen XL-Straßenbahnen aus wirtschaftlichen Gründen in Polen gebaut wurden, Pläne für den historischen Standort in Heiterblick gibt es bereits, sagt Marc Backhaus, Pressesprecher der Leipziger Verkehrsbetriebe: "Wir wollen in den nächsten Jahren hier auf dem Gelände dieses technische Zentrum weiter entwickeln. Es soll eine zusätzliche Betriebswerkstatt entstehen. Außerdem soll eine Abstellhalle auf dem Gelände errichtet werden."

Umfangreiches Programm

Viel interessantes über die Industriekultur in Leipzig und Umgebung wird es auch in den kommenden Tagen zu erfahren geben. Und man kann sie sogar hören: Am 11. und 12. August im Leipziger Neuseenland. Dort werden Tausende Tonnen Stahl in einer Musik- und Lichtperformance in Szene gesetzt. Sonnabend und Sonntag werden Führungen durch die ehemaligen Gasspeicher der Stadtwerke in der Richard-Lehmann-Straße angeboten, auch bekannt als Panometer und Arena am Panometer. Details, wie die Schwedler-Kuppel, die Funktionsweise der Gasspeicher und die heutige Nutzung werden bei einem Spaziergang erklärt.
Der Leipziger Krimiautor Henner Kotte lädt am Samstag zu einer Stadtführung der besonderen Art: "Kupferstechers Mantel und Notenlesers Kopf" ist der Titel des Rundgangs.

Alle Veranstaltungen und Termine zu den Tagen der Industriekultur finden Sie hier. Insgesamt beteiligen sich über 100 Industrie- und Kultureinrichtungen. Im vergangenen Jahr haben die rund 8.000 Besucher angelockt. Für einige Veranstaltungen muss man sich vorher anmelden.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.08.2017 | ab 5:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2017, 18:50 Uhr

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