Gruppenfoto der tutory-Gründer: v.l.n.r.: André Herrn (Software-Entwicklung), Stephan Hoyer (Software-Entwicklung), Thomas Hoyer (Produktentwicklung und Service) und Thomas Haubner (Marketing und Management)
Die vier tutory-Gründer (v.l.n.r.): André Herrn, Stephan und Thomas Hoyer, Thomas Haubner. Bildrechte: tutory

Bildung "Junge Lehrer sind technikaffiner und teilen mehr auf sozialen Medien."

Tutory ist eine Internetplattform, auf der sich Lehrer anmelden können, um kostenfrei und rechtssicher Arbeitsblätter für den Unterricht zu erstellen. Thomas Haubner ist einer der vier Köpfe des jungen Leipziger Unternehmens tutory und kümmert sich um Marketing und Management. Alle vier haben Kinder, daher liegt Bildung ihnen besonders am Herzen. Im Gespräch mit MDR SACHSEN berichtet er von den Ideen und Zielen des Unternehmens.

Gruppenfoto der tutory-Gründer: v.l.n.r.: André Herrn (Software-Entwicklung), Stephan Hoyer (Software-Entwicklung), Thomas Hoyer (Produktentwicklung und Service) und Thomas Haubner (Marketing und Management)
Die vier tutory-Gründer (v.l.n.r.): André Herrn, Stephan und Thomas Hoyer, Thomas Haubner. Bildrechte: tutory

Warum bieten Sie tutory kostenfrei an?

Tutory begreift sich als Sozialunternehmen. Das bedeutet, dass wir sozial nachhaltig sein wollen. Deshalb unser kostenfreies Angebot. Wir wollen, dass jeder Wissen auf tutory zugänglich machen und mit anderen teilen kann. Für den Aufbau unseres Projekts hat uns das Leipziger Social Impact Lab unterstützt. Aktuell werden wir mit dem Technologiegründerstipendium der Sächsischen Aufbaubank gefördert.

Wir wollen aber auch am Markt bestehen. Deshalb wird es ab November eine Bezahlversion von tutory geben. Die Grundfunktionen werden natürlich weiterhin kostenfrei nutzbar sein. Wer die Plattform aber über Premium Account nutzt, kann mehr erstellte Arbeitsblätter privat speichern und mehr Funktionen und Designs nutzen.

Wie haben sich Ihre Nutzerzahlen seit dem Start entwickelt?

Wir haben die Beta-Version im Februar 2016 freigeschaltet und seitdem läuft alles - so absurd wie es klingt - wie erwartet. Meine Prognose ist davon ausgegangen, dass wir im Herbst 1400 Nutzer haben werden und genau dort sind wir angekommen. Seitdem geht es stetig aufwärts.

Haben Sie vor allem junge Lehrer als Nutzer? Wie ist die Fächerverteilung?

Thomas Haubner in grünem Pullover.
Thomas Haubner kümmert sich bei tutory um Marketing und Management. Bildrechte: tutory

Alterstechnisch haben wir alles dabei. Es sind viele Referendare und junge Lehrer, denn die sind technikaffiner, teilen mehr auf sozialen Medien und kennen die Vorteile von offenen Lizenzen. Wir haben aber auch Lehrer im Ruhestand als Nutzer, die ihre Arbeitsblätter digitalisieren, weil sie jetzt die Zeit dafür haben.

Auch was die Schulfächer angeht, sind die Nutzer durchmischt. Viele unterrichten die Hauptfächer, vor allem Deutsch, an Gymnasien. Wir haben auch viele Lehrer für Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache auf der Plattform. Aber auch Berufschullehrer, die Arbeitsblätter zum elektrischen Schweißen Niveaustufe 5 machen. Für Grundschullehrer sind wir im Moment noch nicht so attraktiv. Daran arbeiten wir aber.

Haben Sie auch Nutzer außerhalb Deutschlands?

Ja, tatsächlich gab es bisher weltweit Anmeldungen von Lehrern aus Ghana, Brasilien, Russland oder Polen, die an Goethe-Instituten oder anderen Sprachschulen unterrichten. Es ist jetzt nicht so, dass wir 300 brasilianische Lehrer als Nutzer haben, aber Einzelpersonen.

Wäre es da nicht auch sinnvoll, tutory in Englisch oder Russisch anzubieten?

Markteintritte in den fremdsprachigen Raum können wir uns durchaus vorstellen, aber da in den verschiedenen Ländern die Bildungslandschaft anders ist und es unterschiedliche Richtlinien bei Datenschutz und Nutzungsbedingungen gibt, werden wir das erst tun können, wenn wir in Deutschland Fuß gefasst haben. Und wir sind ja schließlich im Moment eine Vier-Mann-Truppe.

Lehrermangel ist aktuell ein großes Problem an sächsischen Schulen und viele Lehrer leiden unter Stress und Zeitdruck. Haben die Pädagogen wirklich die Muße, Ihre Software zu nutzen?

Manche Lehrer sind technisch voreingenommen und haben auch nicht die Lust, sich da einzuarbeiten. Ich finde aber, Mediendidaktik kommt an vielen Stellen noch zu kurz. Manche junge Lehrer haben auch Angst, Arbeitsblätter mit tutory zu erstellen und für andere Kollegen zu veröffentlichen, weil dann die Älteren über sie herziehen. Das weist auf eine bestimmte Mentalität im Kollegium hin, die aus meiner Sicht ärgerlich ist.

Wenn mir ein Lehrer zu Beginn sagt, er oder sie könne Technik gar nicht und macht mir dann in zehn Minuten ein Arbeitsblatt fertig mit Multiple Choice-Fragen, einem Lückentext, einer Quelle und mit Punktevergabe, dann ist alles doch sehr subjektiv.

Wir wollen bewusst machen, dass wir mit unserem Editor eine Reduzierung bieten, die die Lerninhalte unabhängig von Farben, Unterstreichungen und verrückten Schriftarten übersichtlich für die Schüler macht. Wir werden im Herbst auch viele Videos veröffentlichen, die tutory erklären.

Screenshot des tutory-Editors
Bildrechte: tutory

Was sind offene Lizenzen (Creative Commons)? Creative Commons (CC) ist eine Non-Profit-Organisation, die mittels vorgefertigter Lizenzverträge eine Hilfestellung für Urheber zur Freigabe rechtlich geschützter Inhalte bietet. Durch die Lizenzverträge haben Urheber mehr Möglichkeiten, ihre Inhalte zu veröffentlichen. Vorher hatten sie die Wahl, ihre Inhalte entweder überhaupt nicht oder unter dem gesetzlichen Standardschutz „alle Rechte vorbehalten“ zu veröffentlichen.
Im Falle von Bildern, Grafiken und Cliparts gibt es Plattformen, wie wikimedia oder flickr, die offene Lizenzen zur Verfügung stellen.

Tutory nutzt die Schnittstellen, die die Plattformen anbieten, und Nutzer können per "drag and drop" aus einer Auswahl von Millionen Bildern ihre Arbeitsblätter bestücken. Die Lizenzen werden automatisch importiert und die Nutzer sind rechtlich auf der sicheren Seite.

Was sind offene Bildungsmaterialien (Open Educational Ressources)? „Lehr-, Lern- und Forschungsressourcen in Form jeden Mediums, digital oder anderweitig, die gemeinfrei sind oder unter einer offenen Lizenz veröffentlicht wurden, welche den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen erlaubt. Das Prinzip der offenen Lizenzierung bewegt sich innerhalb des bestehenden Rahmens des Urheberrechts, wie er durch einschlägige internationale Abkommen festgelegt ist, und respektiert die Urheberschaft an einem Werk."
(Pariser Erklärung, UNESCO-Weltkongress 2012)

Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2016, 10:28 Uhr

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