Ultraschall für den Kopf
Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Startup aus Leipzig Ultraschall für den Kopf

Jede Schwangere bekommt heute standardmäßig Ultraschalluntersuchungen, um einen Blick in ihren Bauch zu erhaschen. Künftig soll das auch mit dem Kopf klappen. Ein Unternehmen aus Leipzig hat eine Technologie entwickelt, um zum Beispiel einen Schlaganfall frühzeitig zu erkennen. Das ist bisher einzigartig und soll in Zukunft Leben retten.

Ultraschall für den Kopf
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Werden Rettungskräfte zu einem Schlaganfall gerufen, muss es schnell gehen. Jede Sekunde zählt, um das Leben des Patienten zu retten. Wichtig ist deshalb auch eine schnelle Diagnose. Was im Kopf passiert, das können Ärzte oft erst im Krankhaus mit teuren Spezialgeräten herausfinden. Doch es gibt eine neue Technologie, die deutlich schneller Ergebnisse liefern soll, meint Konrad Sell vom Leipziger Unternehmen Sonovum: "Womit wir punkten können mit dieser Technologie, ist mit Mobilität, mit einem entscheidenden Kostenvorteil und vor allen Dingen auch mit einem Zeitvorteil. Wir sind also in der Lage, in unter drei Minuten ein Ergebnis zu erhalten."

Gewebemessung im Hirn

Ultraschall für den Kopf
Die Ultraschallsonden werden am Kopf befestigt und sind mit einem Monitor verbunden. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Damit das funktioniert, bekommt der Patient ein Gummiband um den Kopf gespannt, an dem werden dann zwei Sonden in der Nähe der Schläfen befestigt. Für den besseren Kontakt wird zwischen Haut und Sonde etwas Ultraschallgel gespritzt. Danach beginnen die Sonden, Schallwellen Richtung Hirn zu senden. Sobald der Schall auf Gewebe trifft, kommen die Wellen zurück, erklärt Unternehmenssprecher Sell: "Wenn man davon ausgeht, dass jedes Molekül im Hirngewebe auf einer bestimmten Frequenz schwingt, dann kann man sich vorstellen, dass das Echo, das man bekommt, unterschiedlich ist. Je nachdem, wie sich das Molekül verändert hat durch krankhafte Einwirkung wie ein Schlaganfall oder eine Vergiftung."

Das bedeutet, gesundes Gewebe sendet einen anderen Schall zurück als beschädigtes. Allerdings kann das der Laie auf dem angeschlossenen Monitor nicht wirklich erkennen. Denn anders als beim allgemein bekannten Ultraschall, beispielsweise bei Schwangeren, zeigt diese Technologie kein Bild an. Stattdessen werden Frequenzen angezeigt - also Linien, Punkte oder Kurven.

Ergänzung zu bisherigen Untersuchungen

Ultraschall für den Kopf
Unternehmenssprecher Konrad Sell steht vor der "Wall Of Fame". Sonovum hat mit seiner Technologie schon mehrere Preise gewonnen. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Rund 20 Jahre hat der Vorstand des Unternehmens, Miroslaw Wrobel, an dem Verfahren geforscht. Ende 2011 gründete er zusammen mit Kollegen die Firma Sonovum. Seitdem hat die Technologie viele Preise bekommen. Allerdings ist sie nicht die eierlegende Wollmilchsau der Medizin; sie hat auch ihre Grenzen. "Also wir erkennen den größten Teil des Gehirns, aber nicht alles", erklärt Konrad Sell. Das ist laut Unternehmenssprecher für die Untersuchungen aber auch gar nicht nötig.

Trotzdem will er das Ultraschallgerät nicht als Ersatz für MRT und CT verstanden wissen, sondern als sinnvolle Ergänzung. Also eine Voruntersuchung, mit der man Patienten dann ganz gezielt zu den teuren Spezialuntersuchungen schicken kann. Das könnte dann nicht nur das Budget der Krankenkasse schonen, sondern auch das Zeitkonto von Patienten.

Zulassung noch im Sommer 2017

Laut Unternehmen soll der Ultraschall für den Kopf noch in diesem Sommer eine Zulassung bekommen. Dann könnte das Gerät schon bald in Krankwagen mitfahren oder auch später auch bei Operationen helfen: "Im Moment funktioniert unser Gerät als Datenerhebungsgerät. Das heißt, wir machen eine Messung und zeigen, was die Messung ergeben hat. In Zukunft stellen wir uns vor, dass es als dauerhaftes Überwachungsgerät des Hirngewebes in Echtzeit eingesetzt wird. Also auf der Intensivstation oder im OP."

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR 1 RADIO SACHSEN | 29.03.2017 | 18:20 Uhr

MDR SACHSENSPIEGEL | 29.03.2017 | 19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2017, 17:32 Uhr

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