Bilanz : Leipziger Umweltzone entpuppt sich vorerst als Flop
Die im Frühjahr in Leipzig eingeführte Umweltzone bringt der Messestadt bisher keine reinere Luft. Die Messungen des Landesamtes für Umwelt, Geologie und Landwirtschaft ergeben sogar das Gegenteil: Zwischen März und August wurden an den drei Messstellen der Stadt sogar mehr Überschreitungen der Grenzwerte festgestellt als im Vorjahreszeitraum. Im Stadtzentrum lag demnach die Feinstaubkonzentration im vergangenen halben Jahr an 25 Tagen über dem erlaubten Grenzwert. Dieser liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. 2010 wurde der Wert nur an zehn Tagen im Vergleichszeitraum überschritten, obwohl noch alle älteren Fahrzeuge mit schlechten Abgaswerten in die Stadt einfahren durften.
Handwerkskammer sieht sich bestätigt
Die Handwerkskammer, die sich gegen die Umweltzone gewehrt hatte, sieht sich bestätigt. Hauptgeschäftsführer Reinhard Schröter sagte, die Umweltzone habe ihr Ziel verfehlt. Die Kammer hatte inbesondere die hohen Kosten für Klein- und Mittelständler beklagt, die ihren Fuhrpark umstellen mussten, um weiterhin Baustellen oder Kunden in der Innenstadt zu erreichen. Schröter erklärte weiter, die Abriegelung einer ganzen Stadt für Fahrzeuge mit alter Motorentechnik sei ein gänzlich ungeeignetes Mittel, um die Feinstaubkonzentration zu senken. Zu viele Faktoren wie Ackerstaub und Ferneintrag aus Wüsten spielten eine Rolle, als dass ein paar Handwerkerautos daran etwas ändern könnten, sagt der Kammerchef. Nach seiner Meinung gehörten auch die Grenzwerte selbst auf den Prüfstand.
Umweltstadtverband hält Beurteilung für zu früh
Der Umweltstadtverbund Ökolöwe in Leipzig widerspricht der Handwerkskammer. Umweltschützer Alexander John sagte, um seriös über Sinn oder Unsinn der Umweltzone sprechen zu können, sei es noch viel zu früh. Vor allem, weil das Wetter einen so großen Einfluss habe, wolle er sich noch kein Urteil erlauben. So sorge beispielsweise kaltes Wetter für höhere Feinstaubkonzentrationen. Regenwetter hingegen lasse sie absinken. Schon wenige Tage könnten die Statistik der zurückliegenden Monate beeinflusst haben. Zudem sorgt nach Erkenntnissen der Umweltaktivisten auch Feinstaub aus den Braunkohlekraftwerken im Leipziger Südraum und aus dem mehr als 100 Kilometer entfernten Tschechien für erhöhte Werte. Bei Ruß und Stickoxiden, die weit weniger wetterabhängig sind, habe die Umweltzone hingegen Wirkung gezeigt, sagt John. Deren Konzentrationen seien spürbar gesunken. Das Landesamt sieht die Sache ähnlich wie die "Umweltlöwen". Eine Sprecherin erklärte, für ein Feinstaubresümee sei es noch viel zu früh.
Umweltzone Leipzig
Die Leipzig Umweltzone wurde am 1. März eingeführt und gilt ohne Zeitbegrenzung. Sie umfasst mehr als 60 Prozent des Stadtgebiets, jedoch nicht die Logistikzentren am Stadtrand. In die Zone einfahren dürfen nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette, Ausnahmen gelten für Krankenwagen, die Feuerwehr, die Bundeswehr und Traktoren sowie Baumaschinen. Wer gegen die Umweltzone verstößt, muss 40 Euro zahlen und kassiert einen Punkt in Flensburg.
(Nachrichteagentur dapd)
