JVA Leipzig
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Landgericht Leipzig: Prozess um misshandelten Häftling "Stundenlanger Gewaltexzess"

Weil sie einen Mitgefangenen misshandelt und sexuell gedemütigt haben sollen, müssen sich zwei Häftlinge vor dem Leipziger Landgericht verantworten. Ein weiterer JVA-Insasse ist wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt.

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Vergewaltigung und schwere Körperverletzung - das wirft die Staatsanwaltschaft zwei ehemaligen Insassen der JVA Leipzig vor. Die beiden müssen sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Leipzig verantworten, weil sie einen Zellengenossen Mitte Januar 2017 über Stunden gequält haben sollen.

Opfer offenbar vier Stunden gequält

Die Anklageschrift offenbart verstörende Details. Die Ermittler gehen davon aus, dass zwei 26 Jahre alte Häftlinge ihr Opfer erst zusammenschlugen und schwer verletzten: Der Mann erlitt Brüche an Nase, Jochbein und Brustbein. Anschließend hätten sie ihr 38 Jahre altes Opfer unter anderem dazu gezwungen, nackt auf dem Boden herumzukriechen. Sie sollen den Mann außerdem mit einem erhitzten Messer im Intimbereich verletzt und ihn gezwungen haben, Ausscheidungen zu essen.

Der Gewaltexzess habe sich über vier Stunden hingezogen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatten sich die Beschuldigten dann entschlossen, ihre Tat zu vertuschen und den Selbstmord des Verletzten vorzutäuschen. Sie sollen ihr Opfer gezwungen haben, erst einen Abschiedsbrief zu schreiben und anschließend mit einer Schlinge um den Hals von einer Fensterbank zu springen. Als der Mann das Bewusstsein verlor, hätten sie den Strick gelöst und den Notruf gewählt.

Ein vierter Zellengenosse habe während der ganzen Zeit nichts unternommen, um dem Opfer zu helfen. Auch der 36-Jährige steht nun vor Gericht und muss sich wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten.

Welche Rolle spielt die JVA?

Die Vorwürfe nahmen die Angeklagten am ersten Verhandlungstag ohne erkennbare Regung zur Kenntnis. Äußern wollten sie sich vorerst nicht dazu. Laut Staatsanwaltschaft hatte zuvor einer der Männer angegeben, das Opfer habe früher einmal seinen neun Jahre alten Stiefsohn geschlagen.

Einer der beiden Hauptangeklagten ist laut Vorstrafenregister schon seit seiner Jugend immer wieder mit Gewalttaten aufgefallen. Im Leipziger Gefängnis verbüßte er zur Tatzeit eine dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Der andere Hauptangeklagte saß zu der Zeit eine Haftstrafe wegen Betruges von einem Jahr und acht Monaten ab.

Neben der Frage nach dem Motiv für die Gewalttat, stellt sich auch die Frage, wie in dem Gefängnis über Stunden derartige Grausamkeiten unentdeckt bleiben konnten.

"Vorher keine Hinweise auf Konflikte"

Nach Angaben eines Gefängnissprechers sei es außergewöhnlich, dass die vier Männer in einer Zelle untergebracht wurden. Grund sei die hohe Auslastung der JVA Leipzig gewesen. Während der Nacht seien die Gefangenen grundsätzlich unbeobachtet - auch in Gemeinschaftszellen. Im vorliegenden Fall habe es keine Hinweise auf Konflikte zwischen den JVA-Insassen gegeben.

Die beiden Hauptangeklagten sind mittlerweile in anderen sächsischen Gefängnissen untergebracht. Der dritte Angeklagte sitzt noch immer in der JVA Leipzig.

Quelle: dpa/kp

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.10.2017 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 08:04 Uhr

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3 Kommentare

14.10.2017 02:04 Just 3

"Männer"!?
Schon wieder mit einschlägigen Hintergrund?

12.10.2017 19:15 Janes 2

Beitrag 1: Also sie meinen so nach dem Motto " Was, eine Straftat im Knast-wie kann das denn passieren?"

12.10.2017 18:17 Udo Degen 1

Wieder JVA Leipzig? Das ist doch nichts neues. Erst der Selbstmord..?