Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal, OBM Burkhard Jung und Stadtsprecher Matthias Hasberg
Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal, OBM Burkhard Jung und Stadtsprecher Matthias Hasberg auf der Pressekonferenz. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer

Leipzig "Wir haben ein Sicherheitsproblem"

Es geht um Sicherheit und das Gefühl von Sicherheit. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sieht die Sicherheit in der Stadt gefährdet und fordert einmal mehr eine Aufstockung der Polizei für seine Stadt. Unterstützung bekommt er von den Linken, Sachsens Innenminister spricht dagegen von unhaltbaren und unverantwortlichen Vorwürfen.

Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal, OBM Burkhard Jung und Stadtsprecher Matthias Hasberg
Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal, OBM Burkhard Jung und Stadtsprecher Matthias Hasberg auf der Pressekonferenz. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hatte am Montag die Medien zu sich gebeten, um einen Hilferuf in Richtung Dresden zu starten. Offenbar hatte die Vergewaltigung einer Joggerin am Donnerstag im zentrumsnahen Stadtpark Rosental das Fass zum Überlaufen gebracht. Seit 2010 schreibe er dem sächsischen Innenminister Markus Ulbig Briefe und bitte um mehr Polizei für die stetig wachsende Stadt. Doch der Ruf verhalle im Leeren.

Burkhard Jung
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir fühlen uns in Leipzig von Dresden allein gelassen. Vielleicht sind wir auch zu weit weg. Bitte besuchen sie uns, Herr Ulbig.

Obwohl die Straftaten in den letzten Jahren um 30 bis 40 Prozent gestiegen sind und jede Kriminalitätsstatistik Leipzig als Schwerpunkt ausweise, gebe es keine Reaktion aus dem sächsischen Innenministerium. Mehr Polizisten aber würden gebraucht, damit sich die Menschen wieder sicher bewegen können, so Jung.

Nach dem Überfall auf eine Joggerin Wie sicher fühlen sich Leipziger

Nach dem Überfall mitten am Tag auf eine Joggerin im Leipziger Rosental denken die Leipziger über ihr Sicherheitsgefühl nach.

Passantin in Leipzig: Susanne Borchert
Susanne Borchert: Tagsüber habe ich keine Angst. Abends und nachts schon eher, vor allem in den Straßenbahnen. Ich würde mich sicherer fühlen, wenn besonders nachts mehr Polizei zu sehen wäre. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer
Passantin in Leipzig: Susanne Borchert
Susanne Borchert: Tagsüber habe ich keine Angst. Abends und nachts schon eher, vor allem in den Straßenbahnen. Ich würde mich sicherer fühlen, wenn besonders nachts mehr Polizei zu sehen wäre. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer
Passantin in Leipzig: Antja Tiegel
Antja Tiegel: Ich fühle mich sehr sicher in der Stadt. Ich habe auch keine Angst, alleine Joggen zu gehen. Ich empfinde die Empfehlungen, nicht mehr alleine joggen zu gehen, für übertrieben. Dennoch, würde ich mehr Streifenpolizisten begrüßen. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer
Passantin in Leipzig: Yvonne Schreiter
Yvonne Schreiter: Besonders nachts fühle ich mich unsicher. Ich wohne in der Nähe der Eisenbahnstraße. Ich würde mich sicherer fühlen, wenn es mehr Polizei auf den Straßen gäbe. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer
Passantin in Leipzig: Brigitte Horvath
Brigitte Horvath: Ich fühle mich in Leipzig sicher. Ich bin bislang auch abends durch die Stadt oder auch durch die Parkanlagen gegangen. Nun überlege ich, ob ich vielleicht doch mit Begleitung gehen sollte. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer
Passantin in Leipzig: Julia Knoll
Julia Knoll: Seit dem Vorfall habe ich mich entschlossen, erst einmal nicht mehr allein joggen zu gehen. Das empfinde ich schon als Beeinträchtigung meines Lebens. Aber so lange der Täter nicht gefasst ist, ist es besser. Ansonsten fühle ich mich eigentlich sicher in der Stadt. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer
Passantin in Leipzig: Jaqueline Gössel
Jaqueline Gössel: Auch wenn mehr Polizei unterwegs wäre, würde ich mich nicht sicherer fühlen. Bildrechte: MDR/Grit Grimmer
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der Leipziger Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke)
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal hat unterdessen den Streifendienst des Stadtordnungsdienstes im Rosental erhöht. Um mehr Präsenz zu zeigen seien die städtischen Angestellten nun in drei Schichten in dem Park unterwegs.

Linke: Bereitschaftspolizei einsetzen

Rückendeckung bekommt die Leipziger Stadtspitze von der Linksfraktion im Sächsischen Landtag. Innenpolitik-Experte Enrico Stange verwies darauf, dass die Stellenzahl im Bereich der Polizeidirektion Leipzig – zu dem auch die Landkreise Leipzig und Nordsachsen gehören, seit 2006 von 3.230 auf 3.030 gesunken sei. Innenminister Ulbig solle den Personalmangel schnell beheben und bis dahin Beamte der Bereitschaftspolizei in Leipzig auf Streife schicken, forderte Stange.

Ulbig: Ungeheuerliche falsche Behauptungen

Innenminister Ulbig reagierte mit harschen Worten auf Jungs Äußerungen. Sachsen habe das Problem schon vor Jahren erkannt und gehandelt. Insofern bedürfe es keines medienwirksam inszenierten Hilferufs eines Oberbürgermeisters, so der Minister. Ulbigs Argumente: Die Zahl der Polizisten sei von 2.965 im Jahr 2015 auf aktuell 3.110 gestiegen. Zudem warf der CDU-Politiker dem SPD-Stadtoberhaupt vor, die für die Ortspolizeibehörden vorhandenen umfangreichen Befugnisse nicht anzuwenden und dafür Personal einzustellen.

Der sächsische Innenminister Markus Ulbig
Bildrechte: dpa

Was Herr Jung heute an falschen Tatsachen unter dem Deckmantel einer konstruktiven Kritik verkauft hat, ist nicht nur haltlos, sondern ungeheuerlich und wird der Verantwortung eines Oberbürgermeisters in keinster Weise gerecht.

Markus Ulbig Sächsischer Innenminister

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 05.09.2017 | 15:30 Uhr

Stadt Leipzig/Die Linke/SMI/gg/stt

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2017, 09:28 Uhr

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87 Kommentare

08.09.2017 18:53 Mediator an Kritischer Bürger(85) 87

Egal wie sie es erklären, aber es ist nun einmal eine Tatsache, dass in den NBL teilweise dreizehnmal so viele rechtsextreme Gewalttaten begangen werden wie bei einer gleich großen Anzahl in BW. Erklärungsmuster dafür gibt es viele für diese TATSACHE!

Dass es in der DDR keine Beschaffungskriminalität zur Finanzierung einer Drogensucht gab, dass will ich gerne glauben.

1.) es gab es dort kaum illegale Drogen
2.) Alkohol war billig und breit verfügbar
3.) Medikamentenmissbrauch war weit verbreitet
4.) War der Leistungsstress weit geringer so dass Menschen sich i.d.r. nicht mit Ups- und Downern aufputschen und heurnterholen mussten.
5.) Was gab es groß zu stehlen? Luxusgüter?

Demgegenüber ist Leipzig ein Zentrum der Drogenszene und diese sind teuer. Wer nicht gut verdient, der muss fast zwangsläufig kriminell werden um eine intensive Sucht zu finanzieren.

All dies hat erst einmal prinzipiell absolut nichts mit Flüchtlingen zu tun!

08.09.2017 16:10 Friseurmeister 86

"Innenpolitik-Experte Enrico Stange...seit 2006 von 3.230 auf 3.030 gesunken sei", war ja bis zum Jahr 2015 richtig und nicht falsch. Und ist die SPD nicht auch mit an der sächsischen Regierung beteiligt? Und war der linke Herr Stange nicht auch der "Experte" bei MDR Fakt zum Thema Dieselskandal?

08.09.2017 15:43 Kritischer Bürger 85

+...Wie sich aber doch immer wieder Leute finden, und das ausgerechnet hier im Osten (bis zu 13-fach wie zum Beispiel gegenüber Baden-Württemberg), kann ich mir nur so erklären, dass die DDR-Historie doch tiefere doktrinäre Spuren in den Hirnen hinterlassen hat, als ich selbst damals vor 28 Jahren erwartet hätte. ...+ Ne Ihre Erklärung beruht darauf das Sie hier im Osten die Bürger NICHT und deren Erfahrungen aus der Vergangenheit KENNEN. Ich mag nur schreiben. Bescheiden waren die Menschen im Osten, oder besser mussten es sein, weil es gab ja nicht viel, ABER deswegen Straftaten, in diesem Fall Beschaffungskriminalität zu begehen,zu begehen das kam in den aller-aller-wenigsten Fällen vor. Man hat sich eben einrichten müssen und nichts anderes. Wenn ich das von Ihnen als Entschuldigung für Flüchtlinge angeführte Kriegstrauma und unvorstellbarer Gewalterfahrung bewerten soll, dann gibt es nur eines: Die Entschuldigung ist gegenstandslos. Man muss eben lernen mit wenig zufrieden zu sein

08.09.2017 15:30 Kritischer Bürger 84

Tatsache ist eines: überall in Ostdeutschland ob da in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen etc., überall wird nach mehr Polizei gerufen nur wie man diese bezahlen kann das wird leider ausgeblendet und daher meine ich persönlich die Gelder für solche Aufstockungen WÄREN SICHERLICH DA wenn man diese Gelder nicht woanders "verramscht!

08.09.2017 15:27 Kritischer Bürger 83

@Mediator 81: +.... Das habe ich auch schlüssig klipp und klar nachgewiesen, und niemand mit analytischem Verstand kann das zurückweisen. ....+ Mit Ihrer Ausführung aus der PD Leipzig? *** +...Deshalb finden sich darunter auch nicht mehr prozentuale Kriminelle als auch in der einheimischen Bevölkerung.....+ Wenn man welches Verhältnis bemisst? Menge der Bürger gegen Menge (steigend oder fallend) der Kriminalität getrennt nach Herkunft, Staatsbürgerschaft und Einheimischen? Ich sehe analytisch nur soviel: Steigende Straftaten und geringere Aufklärung. Leipzig aufgeklärt wurden 47,6% und 2016 = 48,5% bei Straftaten 2015 bei 101.673 und 2016 bei 117.780 Straftaten. Das ist nur aus ggf. der gleichen Tabelle der PD Leipzig, die auch Sie wohl zugrunde liegen haben.

08.09.2017 13:37 Simon60 an Mediator 82

@Mediator

In Leipzig ist die Zahl nichtdeutschen Tatverdächtigen von 4.392 in 2015 auf 10.343 in 2016 gestiegen. Das muss einen Grund haben oder?
Entweder die ausländischen Leipziger-Mitbürger sind auf einmal Krimineller geworden oder die Straftäter sind zugewandert. Sind wir uns einig oder kennen Sie eine 3. Möglichkeit?
Nicht! Gut dann die Frage haben Sie Erkenntnisse, dass viele der bisherigen ausländischen Mitbürger auf einmal kriminell würden?
Nein, dann bleiben nur Zuwanderer oder?

Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass Flüchtlinge und Schutzsuchende nicht straffällig werden, können dann diejenigen die gekommen sind zu dieser Gruppe gehören?

08.09.2017 13:24 Mediator an Radebeuler (73) 81

Fakt ist eines, und daran kommt keiner vorbei und kann auch niemand ernsthaft bestreiten: Die Flüchtlinge kommen aus Kriegsgebieten, in denen sie unvorstellbare Gewalt erfahren mussten. Sie haben genau dieselben Werte wie wir und wollen nur endlich mal Ruhe haben und in Frieden leben. Deshalb finden sich darunter auch nicht mehr prozentuale Kriminelle als auch in der einheimischen Bevölkerung. Das habe ich auch schlüssig klipp und klar nachgewiesen, und niemand mit analytischem Verstand kann das zurückweisen. Wie sich aber doch immer wieder Leute finden, und das ausgerechnet hier im Osten (bis zu 13-fach wie zum Beispiel gegenüber Baden-Württemberg), kann ich mir nur so erklären, dass die DDR-Historie doch tiefere doktrinäre Spuren in den Hirnen hinterlassen hat, als ich selbst damals vor 28 Jahren erwartet hätte.
1.

08.09.2017 12:58 Kritischer Bürger 80

@Mediator 75: Ich darf mal Ihre beiden Absätze gegenüberstellen: +...Wenn also in L die Kriminalitätszahlen stark steigen, dann muss dies viele lokale Ursachen haben. Leipzig ist ein Magnet für Jobs aber auch für Drogen und Drogenkonsumenten und in der Folge für Beschaffungskriminalität....+ *** +...In den Diagrammen der PD Leipzig steigt die Zahl der Straftaten übrigens seit 2010 kontinuierlich. So zu tun als ob der Anstieg von 2015-2016 lediglich den Flüchtlingen geschuldet ist bedeutet die Entwicklung der vergangenen Jahre leugnen....+ und nun meine Frage: SIND in dieser zeit NUR DEUTSCHE Arbeitssuchende nach Leipzig gezogen? Wer von diesen Deutschen nach Leipzig gezogen ist wollte sicher wegen der Arbeit, den Arbeitsplätzen dort hin. So und nun Anschlussfrage: Wie viele Zugewanderte, Flüchtlinge oder Asylsuchende haben Arbeit in Leipzig bekommen? Sie erkennen aber sicher auch 2015=101.673 und 2016=117.780 hingegen 2010 NUR 90.692. Was heißt das?

08.09.2017 12:36 Chemnitzer Bub 79

19:09 Franz Richter: Sie sprechen hier ein sehr trauriges Thema an! Und in diesem Zusammenhang eine Partei verantwortlich zu machen, ist schon ziemlich absurd. Sei es drum, Ihre Meinung! Laut Statistik von statista liegen allerdings Bayern, NRW, BW, Niedersachsen und Hessen auf den traurigen, vorderen Rängen.
Und um sich ihrer "Logik" anzunehmen, haben wir nicht in allen sächsischen Großstädten links-grüne Stadtratsmehrheiten (siehe Leipzig, Dresden und Chemnitz etc.)?

08.09.2017 12:15 Dissident 78

@Leipziger: "Vor Jahren wollten sie noch massiv Personal bei der Polizei abbauen schön dumm und kurzsichtig aber halt CDU in Sachsen"
Richtig, dass war vor 2015. Sie waren doch bestimmt auch mit bei den von Herrn Jung (SPD) und Linken organisierten "bunten und weltoffenen" Lichterketten in Leipzig anno 2015-2016, oder?
Und nun soll Dresden daran Schuld sein?