Plauen : "Explosive" Stimmung bei Plamag
Krisenstimmung in Plauen: Nachdem in den vergangenen Wochen mehrere Anläufe zur Übernahme des einstigen Manroland-Werkes in Plauen durch neue Investoren scheiterten, befürchten der Betriebsrat und die IG Metall nun die Schließung der traditionsreichen Plamag. Der Zwickauer IG-Metall-Bevollmächtigte Stefan Kademann und Betriebsratschef Udo Meier teilten am Donnerstag gemeinsam mit, in der nächsten Sitzung des Gläubigerausschusses solle über eine Stilllegung oder Weiterführung der Produktion entschieden werden. Dies würde erneut etwa 350 Jobs gefährden - so viele hatte der bis dahin größte Industriebetrieb im Vogtland bereits im Januar durch die Manroland-Pleite verloren. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters wollte die Gewerkschaftsangaben allerdings nicht bestätigen. Die Verkaufsbemühungen würden fortgeführt, erklärte er.
Kritik an nicht eingehaltenen Versprechungen
Die IG Metall verbreitete unterdessen einen offenen Brief der Belegschaft an den Insolvenzverwalter, der dessen bisherige Arbeit kritisiert. Die Stimmung im Betrieb wird als "explosiv" bezeichnet. Moniert wird beispielsweise, dass Verträge und Versprechungen nicht eingehalten worden seien. In dem Schreiben wird gefordert, die Geschäfte der Plamag "bis zum erfolgreichen Verkauf des Unternehmens" fortzuführen. Die Mitarbeiter halten zudem das "Einsetzen einer neuen, handlungsfähigen Geschäftsführung" sowie die "Gründung einer neuen Gesellschaft zur Intensivierung der Drittfertigung" für notwendig.
Für die Unruhe in Plauen sorgten neben den bisher gescheiterten Verkaufsverhandlungen - zuletzt soll ein Interessent im September trotz erheblicher Zugeständnisse der Belegschaft kurz vor Vertragsschluss einen Rückzieher gemacht haben - offenbar auch nicht eingehaltene Lieferverträge mit einem anderen Ex-Manroland-Werk.
Geld für Transfergesellschaft bis Mai 2013 sicher
Für die 827 ehemaligen Manroland-Beschäftigten, die noch keine neue Stelle gefunden haben, gab es am Donnerstag eine gute Nachricht: Sie können bis Mai 2013 bei den Transfergesellschaften in Augsburg, Offenbach und Plauen weiterarbeiten. Nach der EU-Kommission hat am Donnerstag auch der Haushaltsausschuss des EU-Parlaments eine Hilfszahlung von 5,3 Millionen Euro gebilligt. Das erklärte der bayerische Europaabgeordnete Markus Ferber.

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