MDR-Recherchen : Medikamente werden zur Mangelware
In immer mehr Krankenhäusern in Deutschland werden die Medikamente knapp. Grund sind Lieferengpässe von führenden Medikamenten-Herstellern. Nach Recherchen des MDR-Nachrichtenmagazins "Exakt" sind vom Arzneimittel-Mangel auch Krebspatienten im Dresdner Uniklinikum betroffen. Der Chef der Medizinischen Klinik des Uniklinikums, Gerhard Ehninger, sagte dem MDR, in den vergangenen zwölf Monaten seien sechs verschiedene Krebsmedikamente nicht geliefert worden. Die Engpässe hätten "erschreckende Ausmaße" angenommen, für viele Krebspatienten sei dies lebensbedrohlich. Einige von ihnen bräuchten die Präparate innerhalb der nächsten 24 Stunden.
Der Mangel am Uniklinikum Dresden ist bei weitem kein Einzelfall, auch die Uniklinik Leipzig bekommt ihn zu spüren. Der Leiter der Leipziger Klinikapotheke, Roberto Fratini, sagte MDR JUMP, noch sei kein Patient zu Schaden gekommen. Wenn aber nichts geschehe, werde es bald soweit sein. In diesem Jahr sei es über 90 Mal zu Lieferengpässen bei lebenswichtigen Medikamenten gekommen. 46 Mal seien die Engpässe "kritisch" gewesen, sodass die Reserven fast aufgebraucht gewesen seien.
Globaler Herstellungsprozess kaum noch kontrollierbar
Wenn die entsprechende Arznei fehlt, muss auf ein Alternativ-Medikament ausgewichen. Die Folge: Viele Krebspatienten müssen Präparate zweiter Wahl in Kauf nehmen – Präparate, die stärkere Nebenwirkungen haben. Doch viele Betroffene stimmen zu, damit die Behandlung überhaupt weitergeht. Grund für die Lieferengpässe sind Produktionsprobleme bei den Herstellern. Gravierend dabei ist, dass es für viele Medikamente oft nur noch einen Anbieter gibt. Gerät der in Schwierigkeiten, hat das enorme Konsequenzen. Als kaum noch "kontrollierbar" bezeichnet der Arzneimittelexperte Gerd Glaeske von der Universität Bremen inzwischen den globalisierten Herstellungsprozess. Aus einem Teil der Erde kämen die Wirkstoffe, im anderen Teil würden sie produziert - möglichst in Billiglohnländern. Unter einem solchen Profitdenken hätten letztlich die Patienten zu leiden, wenn die lebensnotwendigen Medikamente ausbleiben.
Großteil der Antibiotika kommt aus China
Von Engpässen betroffen sein könnten Dutzende Medikamente. So kommen beispielsweise fast alle Antibiotika aus China. Gibt es bei Herstellung und beim Vertrieb Probleme, werden die entsprechenden Präparate deutschlandweit schnell knapp. Doch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie wiegelt ab. Der MDR legte dem Verband eine Liste vor, an welchen Medikamenten es an der Uniklinik Heidelberg mangelt. Die Antwort darauf: Man könne aus den drei vorgelegten Seiten "keinen Versorgungsmangel definieren".
Mediziner befürchten hingegen, dass sich die Lieferengpässe künftig noch zuspitzen werden. Man dürfe, so warnt der Dresdner Klinikchef Ehninger beim MDR, "nicht Dinge tun, die zum Schaden der Patienten führen".
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