Sven Taubmann
Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Leipzig Ein neues Herz für den Sport

Vom 18. bis zum 20. Mai fanden in Leipzig die Deutschen Meisterschaften der Organtransplantierten und Dialysepatienten statt. 150 Sportler aus ganz Deutschland kämpften dabei um Medaillen in den Disziplinen Leichtathletik, Schwimmen, Tischtennis, Radfahren und anderen Sportarten.

von Lily Meyer

Sven Taubmann
Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Es sind besondere Sportler, die an diesen Deutschen Meisterschaften teilnahmen. Aufgrund schwerer Nierenerkrankungen sind sie auf Dialyse angewiesen und warten auf ein neues Organ. Anderen wurde bereits Leber, Lunge, Niere oder Knochenmark transplantiert. Sven Taubmann bekam vor sieben Jahren ein neues Herz, weil seine "alte Pumpe" zu groß war.

Neues Organ, neues Leben

Dass etwas nicht stimmte, fiel dem 51-Jährigen beim Sport auf. Beim Training bekam er schlecht Luft und war schnell schlapp. Acht Jahre lang konnte er keinen Sport machen, wurde mehrmals operiert. Am Ende konnte ihm nur noch eine Transplantation das Leben retten. In nur zwei Monaten war ein passendes Spenderherz für Taubmann gefunden. Nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten begann für den Leipziger ein ganz neues Leben.

Das war wie im Märchen. Als hätte jemand geschnipst und es ist anders.

Sven Taubmann Herztransplantierter und Sportler

Als gesunder Mensch könne man sich gar nicht vorstellen, wie das sei. Auf einmal pumpe das Herz wieder mit voller Kraft. So reibungslos wie bei Taubmann läuft es leider nicht bei jedem Transplantations-Patienten.

Deutscher Marathon-Meister

Nach nur einem halben Jahr konnte der Leipziger langsam wieder aktiv werden. Aus der Freude an der Bewegung und der neu geweckten Lebenslust wurde mit der Zeit dann Sport, erzählt Taubmann. Zum wievielten Mal er jetzt bei den Deutschen Meisterschaften mitmacht, weiß Taubmann gar nicht mehr. Bei dem Mini-Marathon, an dem er teilnimmt, gehe es auch gar nicht darum, eine bestimmte Zeit zu erreichen, sagt Taubman bescheiden. Ganz nebenbei erwähnt er, dass er im vergangenen Jahr Deutscher Meister in seiner Altersgruppe geworden ist: "Es war einfach ein guter Tag. Keine Ahnung. Es hat einfach Spaß gemacht. Ich hoffe, es wird diesmal genauso schön wie letztes Jahr in Bremen."

Weltmeisterschaften in Malaga

Auch bei den Weltmeisterschaften haben Taubmann und sein Verein für Herz- und Lungentransplantation (HLTX e.V.) schon teilgenommen, waren in Südafrika und Argentinien. Dieses Jahr geht es nach Malaga. Es sei einfach schön, Freunde zu treffen und zu sehen, dass es den Leuten gut geht, sagt Taubmann. Der Verein ist in diesem Jahr Mitorganisator der Deutschen Meisterschaften. Die Mitglieder leben alle seit mehreren Jahren mit einem neuen Herz oder einer neuen Lunge.

Regelmäßige Bewegung hilft

Herzzentrum Leipzig
Sport tut auch Transplantationspatienten gut, weiß Elke Scholz-Zeh vom Herzzentrum Leipzig. Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Elke Scholz-Zeh ist die Koordinatorin für Transplantations-Patienten am Herzzentrum Leipzig. Sie weiß, dass viele Patienten unsicher sind, was sie sich mit einem neuen Herz oder einer neuen Lunge zutrauen können oder ob sie sich schonen müssen: "Dem ist überhaupt nicht so. Es müssen keine sportlichen Höchstleistungen sein, aber regelmäßige Bewegung durch sanften Ausdauersport wie Walken, Schwimmen oder Radfahren kräftigt das Herz, minimieren Nebenwirkungen der Medikamente und verbessern die Langzeitprognose."

Organspende rettet Leben

Bei den Meisterschaften gehe es zum einen darum, zu zeigen, was nach einer Transplantation alles möglich ist, erklärt Transplantationspatient und Sportler Sven Taubmann: "Im Vorfeld habe ich auch gedacht: Mein Leben ist zu Ende. Nach der Herztransplantation nur noch Rollstuhl, ein zwei Jahre rumgucken und dann ins Gras beißen." Zum anderen sollen die Menschen für die Organspende sensibilisiert werden. Denn jedes gespendete Organ könne ein Leben retten.

Wenn ich tot bin, was soll ich dann mit meinen Organen? Es gibt so viel Leid, so viele Leute die warten und sterben, einfach wegen der Ignoranz anderer.

Sven Taubmann Herztransplantierter und Sportler

Blick vom Herzzentrum Leipzig
Der Blick aus dem Herzzentrum Leipzig auf die Laufstrecke. Noch vor sieben Jahren konnte Taubmann nur am Fenster sitzen und den Leuten zuschauen. Jetzt läuft er einen Mini-Marathon. Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 18.05.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2017, 12:56 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

20.05.2017 08:38 Sommer 4

Diese Kommentare zeugen von großer Unkenntnis über die Bedeutung von Sport für transplantierte Menschen. Es ist keineswgs so, dass hier 'geschenkte' Leben auf's Spiel gesetzt werden - vielmehr unterstützt vor allem Ausdauersport die Gesundheit des Organs. Das ist sportmedizinisch belegt. Transplantierte, die als Couchpatatoes leben, gefährden hingegen die Langlebigkeit ihres Organs.

20.05.2017 06:13 Karsten Zeh 3

Wenn Sie eine solche Meinung haben, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich einmal mit unseren Teilnehmern zu unterhalten. Dann werden Sie vielleicht feststellen, dass wir transplantierten Sportler oft verantwortungsvoller als manch anderer mit dem geschenkten Organ umgehen, der sein geschenktes Leben auf der Couch verbringt.
Sie sind herzlich eingeladen, zu den Wettkämpfen zu kommen!

19.05.2017 16:08 S 2

Es ist traurig, dass diese Leute Ihre "Gesundheit" erneut aufs Spiel setzen und ihr neues Organ "auf Teufel komm raus" erneut "überfordern. Sport nach einer Organtransplantation ja - aber nicht so, dass man gleich wieder an irgendwelchen Meisterschaften teilnimmt. Ich weiß schon, warum ich keine Organe spenden möchte: dies ist ein weiterer Grund! (Neben anderen Gründen)

19.05.2017 13:47 Maria A. 1

Jeder Mensch, dem durch eine Organspende ein "zweites Leben" geschenkt wird, sollte pfleglich damit umgehen. Und sich über jeden Tag freuen den er beschwerdelos und voller Zukunftsfreude verbringen kann. Es ist doch nach seinem Leidensweg wundervoll, dass er wieder ein normales Leben führen kann, seinen Kram machen, Hobbies pflegen, wie auch verreisen und gesellschaftlichen Umgang pflegen. Dass ein großer Teil danach erneut anstrengende sportliche Aktivitäten beginnt, bis hin zum Leistungssport, ist für mich unbegreiflich. Ich sehe dies als unnötige Übertreibung an, eigentlich schon als Hang zum Hochmut. Denn ehrlich, es gibt in jedem menschlichen Dasein ab und an Einschnitte, die zum Umdenken zwingen, häufig genug zu Verhaltensänderungen. Die leider mehr als einmal sogar ein Maß an Verzicht zur Folge haben. Schließlich ist das Leben für uns alle kein "Ponyhof"...