Ein Wolf in einem sonnigen Wald
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Wölfe in Sachsen Wie vergrämt man Isegrimm?

Die Wiederkehr der Wölfe in Sachsen sorgt immer wieder für hitzige Diskussionen zwischen besorgten Wolf-Gegnern und begeisterten Wolf-Fans. Die Sachsen müssen sich in einigen Gebieten des Freistaates darauf einstellen, vielleicht einmal einem der Raubtiere zu begegnen. Damit sie nicht zu nahe kommen, sollen auffällige Wölfe vergrämt werden.

von Luise Drieschner

Ein Wolf in einem sonnigen Wald
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Erst kürzlich sind zwei Jägern in einer Sperrzone zwei unerschrockene fünf Monate alte Jungwölfe ungewöhnlich nahe gekommen. Um dieses unerwünschte Verhalten der Tiere zu unterbinden und ihnen die Angst vor dem Menschen zu lehren, beginnen nun Mitarbeiter des Biosphärenreservates und des LUPUS Instituts für Wolfsmonitoring und -forschung mit der Vergrämung.

Vergrämen Der Begriff Vergrämung kommt aus der Jägersprache und bedeutet so viel wie wiederholt stören und Angst einjagen.

Forscher fahren Streife

Seit der Beschluss bekannt gegeben wurde, fahren Gesa Kluth und Ilka Reinhardt, Mitarbeiterinnen des LUPUS Institutes, täglich Streife durch das Kerngebiet der beiden Jungwölfe. Falls es ihnen gelingt sie zu entdecken, versuchen sie die Tiere mit Gesten und lauten Geräuschen zu vertreiben. Genauer gesagt rennen sie ihnen schreiend hinterher, bis die Wölfe die Flucht ergreifen. Unterstützt werden sie bei diesem Unterfangen von André Klingenberger vom Biosphärenreservat. Dieser kann sogar mit Gummigeschossen auf die Wölfe schießen. Sie werden dabei nicht verletzt, erfahren jedoch Schmerzen und behalten so hoffentlich schlechte Erinnerungen an den Menschen. Auch diese Maßnahme wurde von der Landesdirektion genehmigt. Es bleibt weiterhin ungeklärt, was die Wölfe dazu bewegt hat, auf die beiden Jäger zuzugehen. Sie könnten angefüttert wurden sein und somit positive Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Bis Ende November gilt die Genehmigung noch. Sollte bis dahin keine Verbesserung zu erkennen sein, wird die Situation neu bewertet. Im schlimmsten Fall könnte es zu einem Abschuss dieser Wölfe kommen.

Ein Wolf in einem herbstlichen Wald
Sind sie zu intelligent für Abwehr- und Vergrämungsversuche? Bildrechte: colourbox

Auf der Lauer

Der Landesjagdverband Sachsen verspricht sich von den Vergrämungsmaßnahmen wenig Erfolg. Wölfe seien hoch intelligente Tiere und hätten alle bisherigen Abwehr- und Vergrämungsversuche in anderen Fällen überwunden. Vizepräsident Norman Härtner schätzt die Ansiedlung von Wölfen in einer dicht von Menschen und Nutztieren besiedelten Landschaft als stark problematisch ein und warnt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis auch ein Mensch zu Schaden komme.

Einigung in Sicht?

Nicht nur der Landesjagdverband, sondern auch das Kontaktbüro “Wölfe in Sachsen“ lehnen das blinde Befürworten des Wolfes ab. Er sei ein Tier und bringe, wie jedes andere Tier auch,  Vor- und Nachteile mit sich. Man müsse über Differenzen hinweg sehen und Betroffenen helfen. Es gäbe für Nutztierhalter vom Freistaat Sachsen finanzielle Hilfe und Beratung. Auch zahlreiche Verbände und Vereine würden sich an der Unterstützung von Landwirten bei Herdenschutzmaßnahmen beteiligen. So zum Beispiel der Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. oder die WikiWolves. Auch Norman Härtner sieht darin eine Aufgabe für den Jagdverband: “Wir Jäger werden draußen vor Ort mit den betroffenen Menschen zusammenarbeiten, die massiv unter den Wölfen zu leiden haben. Wir werden uns solidarisch zeigen mit den Landwirten, Viehhaltern, betroffenen Bürgern und den Naturfreunden, die die Wahrheit nicht verdrängen und werden dafür eintreten, dass die Wolfspopulation auf ein tragbares Maß begrenzt wird.“ Beim Thema der Populationsbegrenzung scheint ein Kompromiss beider Lager jedoch unwahrscheinlich.

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 09.10.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2017, 14:41 Uhr

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6 Kommentare

12.10.2017 09:38 Matze 6

An die Unbelehrbaren. Bitte einmal in die Gebiete wie die Karpaten reisen und die Schafzüchter besuchen, dort sind viele Herdenschutzhunde bei den Schafen aber dort hat der Schäfer auch die kleine Flinte unterm Mantel und scheut sich nicht diese zu verwenden, dass wird er nur nicht vor der Kamera sagen.

11.10.2017 23:26 part 5

Wie oft muss man es denn noch schreiben, damit es der letzte Journalist und Schafhalter oder Landwirtschaftsminister begreift.. einfach mal in andere Länder schauen, wie die es seit der Menschwerdung machen...Einen Esel oder ein Lama pro Schafherde soll wohl genügen das die Aufregung um die Wölfe verfliegt, besse wären natürlich immer zwei, schon wegen der Vorschriften.

11.10.2017 19:22 Luc 4

Ausgerechnet der Jagdverband warnt, dass irgendwann einem Menschen etwas zustossen könnte durch einen Wolf. Jedes Jahr stösst hunderten Menschen in Europa etwas zu. Aber nicht durch Wölfe, sondern durch Jagdunfälle. Ich hatte eigentlich früher nichts gegen die Jagd, weil ich auch gerne Wildfleisch esse. Aber ich habe etwas gegen Heuchelei und feige Polemik.

10.10.2017 22:30 Rasselbock 3

In der Nähe des Truppenübungsplatzes Ohrdruf/Thüringen haben die Schäfer an die Koppelzäune kleine Radios gehängt, mit Rissen ist erst einmal Ruhe. Die Frage ist aber bisher ungeklärt: Hauen die Viechter des Lärmes wegen ab oder ist da ein Programm des MDR zu hören? :-) Übrigens, BW Truppenübungsplatz, die Polizei hat Diensthunde. Wölfe sind intelligent. Wenn die BW Dienstwölfe hätte käme da nicht Intelligenz zur Truppe?

10.10.2017 20:47 Rasselbock 2

Die Intelligenz der Wölfe ist schon bezeichnend, kein einziger Wolf ist in der sächsischen Regierung vertreten, schon gar nicht bei PEGIDA. Die Wölfe, sie bringen Sachsen die dringend benötigte Schläue. :-)

10.10.2017 17:09 Wolfgang Knittel 1

Kontrollierter und fachgerechter Abschuss, dort wo es notwendig ist. Das wird von jedem Wildtier verstanden! Wolf JA, aber bitte im Gleichgewicht mit der Natur. In 20 Jahren nur Wölfe in den Wäldern? Keine Nutztiere im freien oder total abgeschottet?
Bitte in die Zukunft denken!