Miniatur-Figuren in Arbeitskleidung unterschiedlicher Branchen stehen vor Geldschein und Münzen im Wert von 8,50 Euro
Bildrechte: IMAGO

Studie Mindestlohn wirkt sich besonders in Sachsen aus

In Sachsen profitieren überdurchschnittlich viele Arbeitnehmer vom Mindestlohn. Das hat das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) mitgeteilt. Es stützt sich dabei auf erste Ergebnisse einer repräsentativen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), die am Donnerstag auf einer Fachkonferenz zum Thema "Mindestlohn in Sachsen" vorgestellt wurden.

von Piet Felber

Miniatur-Figuren in Arbeitskleidung unterschiedlicher Branchen stehen vor Geldschein und Münzen im Wert von 8,50 Euro
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Demnach erhalten 250.000 Arbeitnehmer in Sachsen den gesetzlichen Mindestlohn. Das entspricht zehn Prozent der sächsischen Arbeitnehmerschaft. In den anderen ostdeutschen Bundesländern liegt dieser Wert bei durchschnittlich sieben Prozent. Der Anteil der sächsischen Betriebe, die vom Mindestlohn betroffen sind, beträgt in Sachsen 38 Prozent, in den anderen Teilen Ostdeutschlands 33 Prozent. Als "vom Mindestlohn betroffen" gelten für das IAB Betriebe, die mit der Einführung des Mindestlohns Stundenlöhne auf das Mindestlohnniveau von 8,50 Euro angehoben haben.

IAB-Betriebspanel Das IAB-Betriebspanel ist eine bundesweit angelegte Langzeituntersuchung zur Beschäftigungsentwicklung in Betrieben, die seit 1993 durchgeführt wird. 2014 wurden zum ersten Mal Kennzahlen zum Mindestlohn erhoben, der im August 2014 beschlossen und 2015 eingeführt wurde. Mit der zweiten Erhebungswelle zum Jahr 2015 lassen sich erstmals die Folgen der Einführung des Mindestlohns für Betriebe ablesen. Der komplette sächsische Länderbericht 2015 des vom SMWA unterstützten Panel soll Mitte des Jahres veröffentlicht werden.

Staatssekretär Stefan Brangs ist mit der Bilanz des Mindestlohns zufrieden: "Er schützt die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor unangemessen niedrigen Löhnen und leistet damit zugleich einen Beitrag zu einem fairen funktionierenden Wettbewerb“, sagte Brangs in der Mitteilung des SPD-geführten Ministeriums.

Lohnzuwachs und Arbeitsverdichtung

Lutz Bellmann, der das IAB-Panel seit 1997 leitet, hat die wichtigsten Anpassungen, mit denen die Betriebe in Sachsen auf die Einführung des Mindestlohns reagiert haben, am Donnerstag zusammengefasst. Auf die Einstellungen hatte der Mindestlohn demnach keinen negativen Einfluss, der Anteil der Neueinstellungen an der betrieblichen Gesamtbeschäftigung stieg sogar auf elf Prozent. Seit 2013 ist allerdings auch der Anteil der Personalabgänge gestiegen, im Jahr 2015 lag er bei sieben Prozent. Bellmann resümierte: "Vom Mindestlohn betroffene Betriebe stellen relativ häufig und seit 2013 verstärkt ein – vor allem in Sachsen". Allerdings entließen sie auch relativ häufig.

Zehn Prozent der vom Mindestlohn betroffenen Betriebe haben der Studie zufolge die Arbeitszeit reduziert beziehungsweise die Arbeit der Mitarbeiter verdichtet. Im Rest Ostdeutschlands haben acht Prozent der Unternehmen zu diesem Mittel gegriffen. Die Stundenlöhne oberhalb von 8,50 Euro haben acht Prozent der Unternehmen angehoben (Ostdeutschland sechs Prozent). Betriebe in Sachsen seien weniger an Tarifverträge gebunden als in den anderen ostdeutschen Bundesländern. Für sie gelten dadurch keine branchenspezifischen Lohnuntergrenzen.

Das sind weitere Erkenntnisse aus dem IAB-Betriebspanel:

  • Generell machen sächsische Betriebe laut der Studie weniger Gebrauch von Ausnahmeregelungen beim Mindestlohn.
  • Sie sind zudem weniger produktiv,
  • investieren weniger und
  • führen seltener Produktinnovationen durch.
  • Sie reagierten auf den Mindestlohn mehr als Betriebe aus anderen Regionen mit höheren Absatzpreisen.

Höhe des Mindestlohns wird neu verhandelt

Bis Mitte des Jahres soll eine Mindestlohnkommission aus Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften über die Mindestlohn-Anpassung entscheiden. Die Änderung soll zum Jahresbeginn 2017 wirksam werden. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat Ende Januar ihrerseits eine Studie vorgestellt, wonach der Mindestlohn in Ostdeutschland zu einem Lohnzuwachs von 3,6 Prozent geführt hat. Die Autoren der Studie sprachen sich dabei für eine Anhebung des Mindestlohns auf neun Euro aus.

Neben dem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn gibt es in mehreren Branchen spezielle Branchenmindestlöhne. Diese werden dem allgemeinen Mindestlohn vorgezogen, wenn sie höher als dieser allgemeine Mindestlohn sind. Während einer Übergangszeit bis Ende 2017 dürfen Branchenmindestlöhne den allgemeinen Mindestlohn noch unterschreiten. Ausgenommen von dem Anspruch auf den Mindestlohn sind unter bestimmten Voraussetzungen Praktikanten sowie jugendliche Arbeitnehmer und Auszubildende. Arbeitnehmer, die mindestens ein Jahr arbeitslos waren haben erst nach sechsmonatiger Beschäftigung Anspruch auf den Mindestlohn.

Branchen mit geringeren Mindestlöhnen als 8,50 Euro
Branche   Höhe des derzeitigen Mindestlohns Gültigkeit des derzeitigen Mindestlohns
Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau West 8,- Euro 12/2016
  Ost inkl. Berlin 7,90 Euro 12/2016
Leiharbeit/Zeitarbeit West 8,80 Euro 05/2016
  Ost inkl. Berlin 8,20 Euro 05/2016
Textil- und Bekleidungsindustrie West 8,50 Euro 12/2016
  Ost inkl. Berlin 8,25 Euro 10/2016
Wäschereidienstleistungen im Objektkundengeschäft West 8,50 Euro 06/2016
  Ost inkl. Berlin 8,- Euro 06/2016
Zeitungszusteller   7,23 Euro 12/2016

Quelle: WSI-Tarifarchiv, ver.di

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2016, 20:20 Uhr

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13 Kommentare

11.03.2016 13:10 Zweiflerin 13

Gibt es wirklich überall Mindestlohn? Häufig steht zwar Mindestlohn drauf, ist aber keiner drin. Schon seit Jahren ist es bei den Gebäudereinigern üblich, mit jeder Tariferhöhung die Arbeitszeit für die gleiche Arbeit zu kürzen. Mir hat eine Vorarbeiterin einmal gesagt: "Ich muss Ihnen nicht zeigen, wie Sie die Arbeit in der Zeit schaffen." Also wird auf die Abrechnungsbogen nur die bezahlte Arbeitszeit geschrieben. Die Zeit die man länger braucht machst du dafür, dass du den Job behalten kannst. Dieses Problem ist allgemein bekannt, wird aber unter den Teppich gekehrt. Und so ist das auch in anderen Branchen. Die Angebote müssen immer "billig" sein! Muss das wirklich so sein?

11.03.2016 11:58 Mal ne Anmerkung 12

Ja ,da hat doch mal eine CDU/FDP Regierung Sachsen als "Standortvorteil Niedriglohnland" angepriesen!Na wer denn sonst außer CDU und FDP geht denn so für Unternehmer werben.Da wurde von den Herren Tillich CDU und Morlok ehem.Wirtschaftsminister FDP ,gekämpft bis zum Schluß um den Mindestlohn zu verhindern.Sachsen qualifizierte Fachkräfte sagten ade und in den gebrauchten Bundesländern freute man sich über gut ausgebildete Fachkräfte aus dem schönen Sachsenland.Die natürlich teils das vierfache verdienten. Und dann gib das gejammere von den fehlenden Fachkräften in Sachsen los ,welch Wunder.Ja wenn Parteien an der Macht sind ,denen die "Arbeitnehmer" eigendlich egal sind ,dann geschieht dies. Und nun jammern DIE Unternehmen die Menschen mit "Sittenwidrigen Löhnen" jahrelang ausgebeutet haben ,Sachsen eben.

11.03.2016 11:33 Brinky 11

Der aktuelle Mindestlohn reicht noch lange nicht um eine vertretbare, menschenwürdige Altersrente aufzubauen, dafür wären statistich gesehen mind. 10,50 Euro notwendig!!! Die hier dunkelblau gekennzeichneten Länder zeichneten sich in den letzten 25 Jahren vorrangig durch eine Politik der Billiglöhne und Förderung sog. präkerer Beschäftigung aus. Da bräuchte man nur mal eine Statistik zur Tariflohnbindung darüberlegen und hat dort das gleiche Ergebnis! Traurig aber wahr, für höhere Löhne und Einkommen machen sich die Gewerkschaften regelmäßig nur für ihre Klientel stark und die Zeche mit höheren Gebühren und Preisen zahlt die große Mehrheit der "Nichttariflohnbezieher"!!! Aber wir sind ein reiches Land...

10.03.2016 22:01 Peter W. 10

@3 Horst: Der Beitrag wahr sehr wohl gehaltvoll und hat nichts meit Hetze zu tun. Dazu müsste man aber soweit mitdenken können, dass Altersarmut, Billiglöhne, unrentable Bildung und Ausbildung und Vertreibung von gut ausgebildeten Leistungsträgern in den besser bezahlten Westen Probleme sind, die die sächsische CDU seit 25 Jahren in Sachsen besonders gefördert hat. Und dass diese Zustände und die gesellschaftliche Schieflage absolut nichts mit der Flüchtlingskrise zu tun haben. Die AfD z.B. will den Mindestlohn abschaffen. Das ist sicherlich das was die jetzigen und künftigen Rentner sich sehnlichst wünschen, oder?

10.03.2016 20:19 M. Jacob 9

Wie sagte unlängst ein Rentner in einer Discounterfiliale in Niesky: "Die Lebenshaltungskosten sind schon lange auf Westniveau, aber was bekommen wir?". Das gilt auch für die Löhne! Agenda 2010, Niedrigstlöhne und Renten auf Ostniveau haben erst AfD, PEGIDA und deren Auswüchse möglich gemacht. Es wundert nicht, dass Sachsen da besonders hervortritt.

10.03.2016 20:00 Johann 8

Bauhauptgewerbe: 10,75 €

10.03.2016 19:12 Uwe R 7

Dort, wo der Mindestlohn wirksam ist, wurde Arbeit dann eben lange Zeit besonders lausig bezahlt.

10.03.2016 18:52 Renate 6

Na da kann man ja richtig stolz drauf sein. Satire off Und die spätere hohe Rente erst, die schlägt alles dagewesene. Und hier bleiben die Bürger immer noch ruhig auf der Couch sitzen. Das verstehe, wer will, ich nicht.

10.03.2016 18:09 Hellmuuht 5

@2.: Der Zusammenhang zwischen dunkelblau eingefärbten Bundesländern und dem Auftreten von Foristen, bei denen das Eingeborenen-Beleidigen fröhliche Urständ feiert, ist bemerkenswert.

10.03.2016 18:00 mattotaupa 4

@#1: "...Arbeit an den Wochenenden und zu Zeiten wo sonst noch keiner aufsteht, Beginn des Melkens um 2:20 Uhr - toller Abschluss danke Gewerkschaft - danke Frau Nahles." mal auf den gedanken gekommen, daß die deutschen arbeitgeber/aktieninhaber einfach nicht mehr zahlen wollen? die gewerkschaften - politisch eher links/rot - treten hier nunmal nur als bittsteller gegenüber dem kapital auf, da der michel arbeitskämpfe scheut, weil er gerade beschäftigt ist sich das hemd für die afd naß zu machen. streiken andere, wird über die einbuße an komfort fürs eigene leben gemeckert (bahn fährt nicht, müll bleibt liegen, kita ist dicht etc.) oder man gibt sich dem neidbasierten selbstmitleid hin, könnte man selbst streiken, hat man angst den job zu verlieren, da man gar nicht in der gewerkschaft ist, weil die ja geld kostet. geiz ist halt nicht immer geil. achja, die ministerin oder die gewerkschaft sind nicht schuld am vollen euter der kuh um 0220.