Sachsen

Zu wenig Geld : Leipziger Büro des Demokratie-Netzwerkes droht das Aus

Wegen fehlender Fördermittel droht dem Leipziger Projektbüro des Netzwerkes für Demokratie und Courage das Aus. Die Landesnetzstelle teilte mit, die Finanzierung sei nur noch bis Mai gesichert. Als Grund wurden die veränderte Vergabe von Mitteln aus dem Landesprogramm "Weltoffenes Sachsen" und die schon im Vorjahr eingestellte Unterstützung des Wirtschaftsministeriums für Projekte in Berufsschulen genannt.

Das Netzwerk, das Projekte für Kinder und Jugendliche anbietet und Büros in Dresden, Leipzig und Chemnitz unterhält, bekommt nach eigenen Angaben in diesem Jahr vom Land 88.000 Euro weniger als 2012. Das Chemnitzer Büro werde nach der Kürzung vom Land nun mit Mitteln einer privaten Stiftung unterhalten. In Leipzig aber fehlten 30.000 Euro, um die Arbeit in diesem Jahr wenigstens eingeschränkt fortzusetzen.

Innenministerium verweist auf planmäßige Finanzierung

Eine Demonstrantin protestiert  mit dem Schild "Nazis raus!" gegen eine Demonstration von Neonazis
Demokratiearbeit in Leipzig könnte demnächst an knappen Finanzen scheitern.

Das sächsische Innenministerium verwies unterdessen darauf, dass das Netzwerk aus dem Programm "Weltoffenes Sachsen" wie im Vorjahr planmäßig 150.000 Euro erhalte. Ministeriumssprecher Lothar Hofner sagte, der Verein gehöre mit zu den größten Fördermittelempfängern aus diesem Landesprogramm. Allerdings habe es 2012 aus Restbeständen von 2011 noch etwas mehr Geld gegeben. Nach Angaben des Netzwerkes konnte damit die Lücke teilweise geschlossen werden, die aus dem Rückzug des Wirtschaftsministeriums aus den Berufsschulprojekten resultierte.

Der Kreis der Geldempfänger wurde vergangenen Herbst erweitert, um beispielsweise auch Sportvereinen und Feuerwehren Mittel für die Jugendarbeit aus dem Topf zur Demokratieerziehung zu gewähren. Das Netzwerk mit etwa 130 Ehrenamtlichen verwies bei Bekanntwerden der Änderungen darauf, dass es mit seinen Aktionen jährlich etwa 8.000 junge Menschen in Sachsen erreiche und reklamierte für sich eine zuverlässige Unterstützung durch das Land.

Kritik an schwarz-gelber Landesregierung

Gewerkschaften, Parteien und Verbände reagierten mit Protest auf das drohende Aus des Leipziger Projektbüros. Sie forderten die CDU/FDP-Koalition wie schon im November auf, die Änderung bei der Fördermittelvergabe rückgängig zu machen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte ein ständiges Auf und Ab der Förderpolitik. So könne es keine kontinuierliche Arbeit gegen den Rechtsextremismus geben. Kati Lang von der Beratungsstelle für Opfer rechter und rassistischer Gewalt erklärte, "dass wichtige Präventionsprojekte in Sachsen nicht mehr in der ganzen Fläche vorhanden sein sollen, ist das falsche Signal."

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2013, 11:58 Uhr

7. Blumenfreund:
Mann kann das Aus für das sogenannte Leipziger Projektbüro des Netzwerkes für Demokratie und Courage nur begrüßen. Ein demokratischer Staat kann unmöglich nur linke Projekte unterstützen und sogar finanzieren. Oder ist die BRD ein linker Staat?
09.02.2013
18:34 Uhr
6. Achim:
... In einer Gesellschaft, in der Ungleichwertigkeitsvorstellungen überall vertreten sind, in der rechtsextreme Meinungen gesellschaftsfähig sind (lesen sie dazu nur einmal die aktuelle Studie "Die Mitte in Umbruch" der Friedrich Ebert Stiftung) und in der Neonazi ungestört Menschen ermorden konnten, ist so eine Arbeit mehr als nötig. Deshalb tut es auch weh, dass das Büro in Leipzig geschlossen werden muss, denn hier wird diese wichtige Arbeit nicht mehr stattfinden. Schade! Ich bezweifle, dass Sportvereine und Feuerwehren fachlich überhaupt in der Lage sind, solche qualitativ hochwertige präventive Bildungsarbeit gegen menschenverachtende Einstellungen zu machen.
08.02.2013
20:31 Uhr
5. Achim:
@Frank: Ihre Situation ist nicht schön und es gibt natürlich "andere" Probleme. Aber dennoch darf es doch möglich sein gegen diese Politik der Landesregierung zu protestieren. Und die hauptamtlichen Mitarbeiter sind keine Beamten. Sie sind in einem prekären, befristeten Arbeitsverhältnis angestellt. Auch das ehrenamtliche Team arbeitet dort ehrenamtlich und bekommt für umgesetzte Projekte eine geringe Aufwandentschädigung. Das Netzwerk für Demokratie und Courage ist ein bundesweit anerkannter Bildungsträger, die Konzepte unterliegen Qualitätsstandarts und werden regelmäßig evaluiert. Auch wenn es schwierig ist, den Erfolg zu messen, so zeigt das Projekt Wirkung bei der Zielgruppe (SchülerInnen, Auszubildende, FSJlerInnen). Es hilft menschenverachtende Tendenzen der jungen Menschen zu hinterfragen, kann einen Veränderungsprozess anregen. ...
08.02.2013
17:58 Uhr
4. to freddy :
für wechen mist alles geld ausgegeben wurde.... langsam wird es mal öffentlich! warum denken eigentlich immer die gutmenschen, dass sich die welt um sie drehen muss? lohnt sich engagement nur, wenn geld dafür ausgeben wird? komisches demokratieverständis.
08.02.2013
17:19 Uhr
3. Frank:
Wem interessiert dieses Büro wo doch nur leeres Stroh gedroschen wird. Ich denke der Normalo hat seine eigenen Sorgen welche wichtiger für Ihn sind. Heute ist Freitag, ich habe als Freischaffender wieder im 21. Jahrhundert in einem der reichsten Staaten der Welt diese Woche nicht genug Kohle verdient um mir meine Wünsche zu erfüllen. Und das geht schon im Supermarkt los. Für Staatsbeamte eine fremde Welt, das Gehalt kommt dort immer sehr reichlich.
08.02.2013
17:03 Uhr
2. freddy:
Die Priorität der Landesregierung liegt bei der Verfolgung von Nazigegnern und nicht bei deren Unterstützung. Die Staatsanwaltschaft Dresden führt hunderte sinnlose Prozesse, unterhält eine Soko 19/02 und beim Leipziger Projekt fehlen 30.000 Euro. Das sind halt sächsische Verhältnisse
08.02.2013
13:22 Uhr
1. Kein Blumenfreund:
Ich höre immer, Blockaden (von wem auch immer) seien eine strafbare Handlung... und was nicht alles blockierd worden ist.. Gerichtsprozesse gegen rechten Terror, verbalen Widerstand gegen Nazis, Verleumdungen, und gegen die Meinungsfreiheit von Demokraten... Die einzigste Waffe von Sachsen so scheint es zu sein, eine Menschenkette ausserhalb der Rufweite der Nazistörmanöver an einem Tag des Gedenkes zu bilden und zuzusehen, wie eine schützenswerte Minderheit aussieht...
08.02.2013
12:52 Uhr

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