Sachsen

Verdacht auf Norovirus : Fast in ganz Sachsen Magen-Darm-Erkrankungen

Das gestellte Foto zeigt einen kleinen Jungen in seinem Bett, der eine Wärmflasche auf dem Bauch hat.

Mit Hochdruck wird weiter nach dem Auslöser massenhafter Magen-Darm-Erkrankungen gesucht. Seit Bekanntwerden erster Fälle am Donnerstag sind mittlerweile gut 2.800 Menschen an akutem Brechdurchfall erkrankt. Wie das sächsische Sozialministerium mitteilte, sind alle Landkreise und kreisfreien Städte - mit Ausnahme des Vogtlandes und des Erzgebirgskreises - betroffen. Inzwischen würden Laboruntersuchungen erste Hinweise auf Noro-Viren als Krankheitserreger bestätigen, hieß es.

Derzeit gehen die Behörden dem Verdacht nach, dass die Erkrankungen durch verunreinigtes Essen verursacht wurden. Sie untersuchen weiter Essens- und Stuhlproben. Viele der betroffenen Einrichtungen wurden von dem Großcaterer Sodexo beliefert. Das Robert-Koch-Institut erklärte, es liege nahe, dass es sich um eine lebensmittelbedingte Erkrankung handele. Die Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene vermutet, dass Salmonellen oder Noroviren die Auslöser sind. Die Symptome würden sich sehr ähneln.

Catering-Unternehmen weist Vorwürfe zurück

Der unter Verdacht stehende Essenslieferant Sodexo hat eine Verantwortung für die Erkrankungen zurückgewiesen. Ein Sprecher betonte: "Weniger als fünf Prozent der insgesamt von uns belieferten Schulen sind von den Erkrankungen betroffen." Sein Unternehmen vermute eine allgemeine Norovirus-Welle. "Der Grund dafür, dass fast alle Kinder Essen aus unseren Küchen gegessen haben, ist einfach, dass wir gerade in Deutschland sehr viele Schulen beliefern." Dennoch wurden die Hygienemaßnahmen in dem Unternehmen verschärft, wie Sodexo-Chef Horst de Haan der "Bild"-Zeitung sagte.

Das sächsische Gesundheitsministerium warnte vor voreiligen Schlüssen. In anderen Schulen, die von dem Lieferanten beliefert wurden, sei es nicht zu Erkrankungen gekommen. Schuld könne auch eine Zutat im Essen und nicht die Firma sein.

"Wir sind noch nicht in der Situation sagen zu können oder zu dürfen, dass es dieser Essensanbieter ist - aber wir können es natürlich auch nicht ausschließen."

Holger Paech, Sprecher Gesundheitsministerium Sachsen-Anhalt

Schulen vorsorglich geschlossen

Aus Sorge vor der Ausbreitung der Magen-Darm-Erkrankung blieben nach Angaben der Sächsischen Bildungsagentur 19 Schulen in Sachsen am Freitag geschlossen. Wie Pressesprecherin Michaela Bausch sagte, geht man derzeit davon aus, dass die Schulen am Montag wieder öffnen werden. In der Zwischenzeit würden Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt. Solche Maßnahmen werden laut Bausch auch in Schulen erfolgen, die zwar nicht geschlossen, aus denen aber Fälle mit Magen-Darm-Erkrankungen gemeldet wurden.

Deutschlandweit etwa 8.400 Infektionen

Deutschlandweit sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Sonnabend etwa 8.400 Menschen erkrankt. Betroffen seien die Bundesländer Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Berlin. Wie das Thüringer Gesundheitsministerium mitteilte, wird das Vorgehen zwischen den Ländern mittels Telefonkonferenzen abgestimmt. Im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde unterdessen eine Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Bei Infekt zuhause bleiben

Nach Infektionen mit dem Norovirus treten häufig Symptome auf, die landläufig als Magen-Darm-Grippe bezeichnet werden. Die Erkrankung fällt zwar heftig aus, klingt bei gesunden Menschen aber innerhalb weniger Tage wieder ab. Das sächsische Gesundheitsministerium empfiehlt, betroffene Kinder wegen der Ansteckungsgefahr für Andere nicht zur Schule oder in den Kindergarten zu schicken. Kinder unter sechs Jahren sollten erst zwei Tage nach Abklingen der Symptome die Betreuungseinrichtung wieder besuchen. Außerdem verweist das Ministerium auf die besondere Hygiene, auf die man mindestens noch zwei Wochen nach einer Norovirus-Erkrankung achten sollte, da Viren noch über Tage oder Wochen mit dem Stuhl ausgeschieden werden können. Eine medikamentöse Behandlungsmöglichkeit gibt es nicht. Erkrankte sollten Bettruhe halten und ausreichend Tee oder Wasser trinken.

Hintergrund: Norovirus

In der kalten Jahreszeit treten häufig Infektionen mit Noroviren auf, die sich als heftige Magen-Darm-Grippe äußern. Da es keine Impfung gegen das Virus gibt, ist Hygiene oberstes Gebot. Hier wichtige Infos im Überblick. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 29. September 2012, 21:44 Uhr

28. Reiner Arndt:
@23. Sandra: Schlimm genug, dass es nun auch noch unser (bislang verschontes) Erzgebirge erwischt hat! Eines fällt dennoch auf: Im Kreis ERZ brauchte die Epidemie länger und brach offenbar nicht an mehreren Orten zugleich aus. Sollte das stimmen, hat's vielleicht etwas damit zu tun, dass an vielen Orten noch Essen von örtlichen oder zumindest regionalen Trägern bezogen oder (welch Glücksfall!) z.T. noch vor Ort gekocht wird! Vorschlag: Wie wäre es, wenn sich Chemnitz, Leipzig, Erfurt u.a. Kommunen daran ein Beispiel nähmen? Eines scheint doch sicher: Fertiges Essen täglich quer durch die Republik zu transportieren, nützt niemandem, jedenfalls nicht unseren Kindern. Und die zu schützen, haben wir die verdammte Pflicht - das gilt auch für den Staat!
30.09.2012
11:44 Uhr
27. Jana:
Also um mal klar zu stellen, dass das Noro-Virus in ganz Sachsen sei, stimmt gar nicht. Bei mir in der Kleinstadt Wurzen, wo ich wohne ist noch kein einziger Fall bekannt, in der Nähe sind dagegen schon zig Fälle bekannt geworden z.Bsp: Oschatz, Leipzig, Grimma, Torgau. Auch bisschen weiter weg von mir, z.Bsp: Schkeuditz, Döbeln, da ist das Virus auch schon bekannt. Aber bei uns in Wurzen ist dieses Virus bisher noch nicht aufgetreten. Und hoffentlich bleibt es auch dabei, dass das Virus Wurzen nicht erreicht!
29.09.2012
23:19 Uhr
26. Kristina:
Am 21.9. ging es in unserer Dresdner Schule los, das habe ich noch nicht erlebt, einige wenige Kinder fehlten schon morgens, sehr viele wurden im Verlauf des Freitag krank. In vielen Klassen saßen nur noch die Hälfte unserer Schüler.Nur gut, dass es ein Freitag war, so waren die meisten bis zum Montag wieder ok.- Die Schule wurde nicht geschlossen, aber man bekam es doch mit der Angst...viele orakelten, welches Gericht (Donnerstag: Grützwurst oder Frikassee) "Schuld" sein könnte, denn egal was diejenigen gegessen haben, alle waren gleichmäßig betroffen.- Nun ist der Spuk (bei uns) offensichtlich vorbei.
29.09.2012
19:35 Uhr
25. amelie:
ich bin schulsekretärin in einer grundschule in thüringen- habe nichts gegessen in der schulspeisung aber mich hat es seit gestern erwischt. echt schlimm das ganze wochenende im eimer. hoffe dass meine family verschont bleibt. bei uns liefert nat. auch sodexo, ich denke mich hat ein kollege, den es auch erwischte angesteckt oder das virus ist ja eh in unserer einrichtung. und alle benutzen diese eine türklinke an der eingangstür. ich hoffe auf aufklärung.
29.09.2012
19:16 Uhr
24. johanna:
Hallo, viele grüße aus Oberbayern-Olching leider hats uns hier auch richtig erwischt, meine kleine hat von mittwoch auf Donnerstag damit angefangen. Leider hats inzwischen die ganze Fam! Hoch agressiv der virus! Wollte nur damit sagen das die Kinderkrippe in der sie geht nicht von dem Caterer beliefert wird! Ich wünsche allen betroffenen schnelle und gute Besserung! LG
29.09.2012
17:51 Uhr
23. Sandra:
Es wird hier im Bericht geschrieben, dass alle Gebiete in Sachsen, ausser Erzgebirge und Vogtland betroffen sind. Dies kann ich nicht bestätigen, da es unseren Sohn seit heute Nacht auch erwischt hat - und er ist dabei nur einer von vielen Erkrankten aus seiner Kindereinrichtung! Die Essensbelieferung erfolgt aber nicht durch diese eine immer wieder genannte Großküche. Man kann nur allen Betroffenen wünschen, dass diese "Krankheit" so schnell wieder verschwindet, wie sie aufgetaucht ist und sich nicht noch mehr ausbreitet.
29.09.2012
16:40 Uhr
22. Löffler:
mein Sohn besucht das Gymnasium in Gardelegen..wir bekommen das Essen von Klötze geliefert..und bei uns ist nichts desgleichen vorgefallen...über Geschmack lässt sich streiten..natürlich schmeckt das Essen einer Großküchen anders als zu Hause..daran muss man auch denken...und solange es nicht 100 % erwiesen ist das es von diesem Essen Anbieter kommt sollte man mit bestimmten Aussagen vorsichtig sein..damit kann man einen ganzen Betrieb ruinieren...wenn es nicht stimmt..!!!Es sind andere Einrichtungen bekannt wo dieses Virus aufgetreten ist die eine eigene Küche haben also nicht von Sodexo beliefert werden...also abwarten was als nächstes kommt
29.09.2012
16:21 Uhr
21. Frank:
Diese Art von Viren haben es in sich. Das Abwehrsystem im Körper wird etwas geschwächt. Morgen der nachste Virus und übermorgen ein anderer. Schon kann die kühle Kaufhalle, die Klimaanlage im Auto oder auch die schimmelbelastete Wohnung /Eigenheim/Schule/Kindergarten/Turnhalle zum Dauerproblem werden. Wer will so was, wer hat hier ein Interesse daran? Eine Häufung von Zufällen? Darum im ersten Kommentar von mir der Hinweis zwecks Anwalt !
29.09.2012
15:45 Uhr
20. T.B.:
Das ist Körperverletztung und nix anderes, man kann diskutieren wie man will, so etwas muß folgen haben!
29.09.2012
14:58 Uhr
19. sabrina bellanger:
ich finde die ganzen diskussionen sinnlos. ganz ehrlich , es ist bekannt das das kantinen essen überwiegend von schlechter qualität sind , da gab es al ein test. auffällig ist ausserdem das es kinder aus einrichtungen getroffen hat und das fast zur gleichen zeit , und es ist ungewöhnlich das sich der norovirus in 4 bundesländern am gleichen tag so schnell verbreitet und das nur in einrichtungen ... also für mich ist ganz klar , hygienemängel sind da definitiv zu erwarten ..... und bei 16000 mitarbeitern kann ich mir das sehr gut vorstellen das sich da nicht jeder an die vorschriften hält
29.09.2012
13:21 Uhr

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Kontakt zu Gesundheitsämtern

Gesundheitsamt der Stadt Chemnitz
Tel.: 0371/488 58 32

Gesundheitsamt des Landkreises Mittelsachsen
Tel.: 03731/7996327

Ausbruchsverlauf

Die ersten Meldungen über Magen-Darm-Erkrankungen kamen aus Sachsen. Dort traten die Erkrankungen ab dem 19. September auf - wenngleich das Robert-Koch-Institut (RKI) dort ein weiteres Krankheitsgeschehen für möglich hält.

Ab dem 25. September wurden dann aus fast ganz Ostdeutschland Erkrankungen gemeldet, die dem aktuellen Geschehen zugeordnet werden. Die meisten Fälle wurden in den beiden darauffolgenden Tagen verzeichnet. Die Zahlen, die inzwischen einlaufen, beruhen dem RKI zufolge auf Nachmeldungen.

Was tun bei Brechdurchfall?

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt bei wässrigen Durchfällen, Übelkeit und Erbrechen viel zu trinken, zum Beispiel zucker- und elektrolythaltige Getränke, um eine gefährliche Austrocknung zu verhindern.

Außerdem wird Salzgebäck empfohlen, denn der Körper verliere nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Salze.

Bei starken Erkrankungen und bestehenden Vorerkrankungen empfehlen die Experten, einen Arzt zu konsultieren. Kinder unter sechs Monaten sollen auf jeden Fall vom Arzt untersucht werden.

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