Frau mit einer Pelzjacke
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Marder, Waschbär, Rotfuchs und Co. Pelz im 21. Jahrhundert - was Sachsens Kürschner planen

Pelze sind wenig beliebt. Tierschutzkampagnen haben dafür gesorgt, dass der Pelz kritisch betrachtet wird. Ethische Gründe und die mitunter unwürdige Haltung der Pelztiere, sowie das Tierleid bei Jagd oder Gefangennahme sind Argument der Pelzgegner. Die Pelzmacher, also die Kürschner, wollen ihr Geschäft nun neu erfinden: mit recycelten Pelzen oder aus dem Fell von Plagegeistern, die ohnehin keine heimischen Arten sind.

Frau mit einer Pelzjacke
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Pelz ist Trend - immer mal wieder: als Besatz an der Kapuzen, der Mütze oder den Schuhen. Doch häufig greifen die Käufer zu synthetischem, also künstlichem Pelz. Denn nach den medienwirksamen Kampagnen von Peta und anderen Tierschutzorganisationen überlegen sich die Käufer ganz genau, ob sie sich einen echten Nerz um den Hals legen wollen.

Lieber Plastik als Pelz?

Franka Potente und Bela B. auf einem PETA Plakat.
Populäre Unterstützer der Tierschutzorganisation Peta: Franka Potente und Bela B. posieren gegen Pelz. Bildrechte: IMAGO

Die Folge: Die Nachfrage nach Echtpelz bei Kürschnern, also denjenigen, die die Pelze verarbeitet, ist merkbar zurückgegangen. Für Andreas Sickert vom Leipziger Stadtfort so nicht nachvollziehbar: "Viele haben die Meinung, dass es besser ist, Kleidung zu tragen, die aus fossilen Rohstoffen gewonnen wurde - wo es dann noch Entsorgungsprobleme gibt - als einen nachwachsenden Rohstoff, der ohnehin anfällt, zu nutzen."

Mit dem nachwachsenden Rohstoff meint er die rund 300.000 Rotfüchse und 100.000 Waschbären, die jedes Jahr in Deutschland erlegt werden - ganz legal. Gerade Waschbären gehören eigentlich gar nicht nach Deutschland. Etwa 400 Wildtiere werden jedes Jahr allein in Leipzig erlegt oder gefangen genommen. Neun von zehn landen bislang beim Tierkörperbeseitigungsdienst.

"Ökologisch nachhaltige und tierschutzgerechte Pelze"

Für Andreas Sickert ist klar: "Es wäre ein sehr großer Fortschritt, wenn diese Felle wieder sinnvoll genutzt und nicht entsorgt werden." Kürschner-Innungsmeister Jürgen Förster ergänzt: "Das ist für die Kürschner gut und auch für die Jäger, weil sie wissen, wohin mit den Fellen, die sie erlegen."

Eine Frau trägt eine Pelzmütze und einen Muff auf Pelz
Am Dienstag präsentierten Models in der Handelskammer Leipzig, was aus Waschbären und Mardern entstehen kann. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer

Der Deutsche Jagdverband und die Kürschner-Innung wollen noch in diesem Winter eine Zeitenwende starten: Tierschutzgerechter Pelz heißt die Idee der Stunde und von der erhoffen sich die Kürschner wieder mehr Käufer. Funktionieren soll das Projekt so: Jäger aus ganz Deutschland schicken erlegte Wildtiere an eine Firma namens "Fellwechsel" in Baden-Württemberg. Das Unternehmen arbeitet die Felle dann professionell auf und neue Pelze entstehen - aus Tieren, die ohnehin getöten werden.

Pelze die auf diese Weise entstehen, sollen mit einem neuen bundesweite Umweltlabel gekennzeichnet sein. "WePreFur" steht nach ihren Angaben für ökologisch nachhaltige und tierschutzgerechte Pelzbekleidung. Für Kürschner Charles Ahlefeld aus Chemnitz bedeutet es aber noch mehr: "Weprefur drückt ja aus, dass wir einheimische Rohstoffe, wie Rotfuchs oder Marderhunde, die wir kürschnerisch in verschiedenen Möglichkeiten verarbeiten und so der Bevölkerung anbieten können, um einheimische Ressourcen zu nutzen."

"Es gibt keinen tierschutzgerecht erzeugten Pelz"

Das sieht der Tierschutzbund ganz anders. Auf Anfrage von MDR SACHSEN teilt die Organisation mit: "Ein solches selbst erfundenes Label unterliegt weder der Überprüfung von Dritten noch sind die in den Vordergrund gestellten Argumente aus Tierschutzsicht haltbar. Tatsächlich sind Pelzwaren wie jene von "WePrefur" bestenfalls ein Nebenprodukt des Jagdvergnügens der deutschen Jägerschaft. Es gibt keinen tierschutzgerecht erzeugten Pelz, es steckt immer Tierleid dahinter. Deswegen sind Argumente 'pro Pelz' kritisch zu hinterfragen und für uns lautet die Empfehlung an den Verbraucher, auf jegliches Tierfell als Bekleidung zu verzichten."

Quelle: MDR/kp

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.10.2017 | 18:10 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 10.10.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 21:10 Uhr

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3 Kommentare

11.10.2017 08:09 bentin 3

Tierschutzgerechte Pelze. Was bitte heißt das? Knackpunkt ist doch, WIE die Tiere sterben müssen und sie geboren werden um zu sterben. Pelze mit Löchern sind nämlich wertlos für die Industrie. Und falls doch das Fell zum Besatz für Stiefel oder Kapuze verarbeitet wird - dann fliegt der Artikel spätestens 2 Winter später in die Tonne. Das ist für mich in keinster Weise Tierschutz sondern Massenverblödung zwecks Gewinnoptimierung.

10.10.2017 22:23 Rasselbock 2

Mann erzählte sich neulich:..."da soll schon mal ein Fell eines Beamten umgearbeitet worden sein, nun hängt er bei der Schwiegermutter als Kragen herum...". Man kann es kaum glauben....die Leute die Leute

10.10.2017 19:44 Jens der Lausitzer 1

Gute Idee, dass die Waschbärenfelle nun einen vernüftigen und nutzvollen Zweck zugeführt werden. Gerade im ländlichen Raum kommt es nun ja verstärkt mehr zum Abschuss und das ist auch gut so. Landwirte, Gartenbauer und Gärtner können sehr gut Kastenfallen aufstellen, so wird der Fressschaden im kommenden Jahr etwas reduziert werden. Die Staatsregierung stellt den Jagdberechtigten zusätzliche Mittel bereit.