Eine junge Frau und ein junger Mann vor einer grünen Hecke.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bundestagswahl 2017 Pauline im Dickicht der Parteien

Im Gespräch mit einer Erstwählerin

Einen roten Teppich erwartet sie nicht, aber aufgeregt ist sie schon ein wenig. Pauline Maier aus Leipzig gehört zu den drei Millionen Erstwählerinnen und Erstwählern, die am 24. September zum ersten Mal den Gang zur Wahlurne antreten werden. Derzeit hat die junge Studentin ein dickes Problem: Wie soll sie nur das Dickicht der Parteien durchschauen?

Eine junge Frau und ein junger Mann vor einer grünen Hecke.
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Erst vor kurzem hat Pauline Maier mit dem Wahl-O-Mat versucht herauszufinden, welche Partei ihre Sichtweisen halbwegs vertritt. "Da kam raus, dass ich die Piraten wählen soll. Aber ich weiß gar nicht, was die so machen. Das überfordert mich ein bisschen", erzählt mir die 20-Jährige lachend, als wir uns auf einen Kaffee in Leipzig treffen. Und nicht nur die Piraten stürzen die junge Leipzigerin in ein gedankliches Parteien-Chaos.

Pauline ist Studentin und darf in diesem Jahr zum ersten Mal wählen. 2008 zog ihre Familie von München nach Leipzig, seitdem kenne ich sie. Habe sozusagen als Zaungast mitbekommen, welche Probleme ein Schulwechsel bei Umzug von Bundesland zu Bundesland hervorruft, den Besuch der Leipzig International School, den Wechsel auf eine staatliche Schule, das Abitur und jetzt ihr erster Wahlgang. Wie sie wohl den Wahlkampf und die Parteien wahrnimmt? Als wir uns treffen, bringt Pauline Verstärkung mit. Studienfeund Pascal Sondermann, der mit seinen 24 Jahren schon mal wählen durfte.

Wahlkampf: "Fühle mich nicht angesprochen"

"Ich versuche mich gerade damit auseinandersetzen, weil ich das noch nicht ganz so durchblicke, welche Partei für was steht", fängt Pauline an, als ich sie danach frage, ob sie schon einen Favoriten hat. Bei bestimmten Themen sei die Zuordnung der Parteien einfach, sagt sie. Aber bei Themen, die jetzt nicht sofort mit bestimmten Parteien verbunden werden, habe sie keine Ahnung, welche Position jede einzelne vertritt. Obwohl sie versuche, sich selbst zu erhellen.

Ich versuche die Wahlprogramme durchzugehen. Aber dann kommen dir 105 Seiten im Internet entgegen, wer hat da schon Zeit, die alle durchzulesen?

Pauline Maier

Und als Erstwählerin fühlt sie sich von den Parteien nicht wirklich direkt angesprochen. Außer vielleicht von den Piraten, siehe Wahl-O-Mat. Pascal Sondermann versucht es mit einer Erklärung. "Da die Piraten die neuen Medien und die Digitalisierung zum Thema haben, trifft das am ehesten auf uns zu. Da fühlen wir uns auch angesprochen." Kein Wunder, beide studieren Medienmanagement an der Hochschule in Mittweida.

Bei CDU und SPD sieht es da schon anders aus. Die kann Pauline nämlich kaum auseinanderhalten. Bei beiden vermisse sie klare Trennlinien. "Die sind so schwammig in der Mitte", erklärt sie. "Man erkennt nicht gleich, für was die beiden Parteien eigentlich stehen." Und noch etwas hat sie für sich festgestellt:

Es gibt keine Partei wo ich direkt sagen würde, zu 100 Prozent machen die, was ich will. Die machen Politik für meine Generation.

Pauline Maier

Ziemlich viel ist Elternhaus

"Ich glaube, wen ich wähle, zu welcher politischen Richtung ich tendiere, ist vom Elternhaus geprägt", erklärt Pauline. Bei Maiers wurde schon immer am Küchentisch über Politik diskutiert, derzeit etwas intensiver, da es für Pauline die erste Wahl ist. Dass sich ihre Generation an der älteren orientiert, finden ihre Eltern komisch. "In deren Generation hieß es damals: Macht bloß nicht das, was die Eltern machen, macht das Gegenteil. Bei uns ist es eher so, dass wir der politischen Richtung der Eltern folgen", erzählt Pauline.

"Bei drei von fünf Plakaten steht gefühlt dasselbe"

Der mediale Kampf um Wählerstimmen ist für die beiden nicht so wichtig, im Grunde bekommen sie ihn nicht wirklich mit. Ferngeschaut wird wenig, die Auftritte von Merkel und Schulz wurden bei YouTube verpasst oder nur aus Zufall entdeckt. Einzig die Plakate in den Straßen nehmen Pauline und Pascal wahr. An jedem Baum mindestens drei, oftmals nur mit einem Schlagwort, beschwert sich Pauline. "Bei drei von fünf Plakaten steht gefühlt dasselbe, obwohl es sich um unterschiedliche Parteien handelt." Das mache die Unterscheidung und mögliche Wahlentscheidung für sie nicht einfacher, findet sie.

Was das für kuriose Blüten treiben kann, zeigt das Gespräch der beiden als ich nach der FDP frage. Pauline denkt nach. "Ich kann Dir gar nichts über die FDP sagen." Pascal denkt noch ein weniger länger nach. "Doch, Philipp Rössler sagt mir was." "Wer ist das denn?" fragt Pauline. "Der war glaube ich Wirtschaftsminister und ist Asiate", antwortet ihr Pascal. Pauline ist immer noch ratlos. "Und Guido Westerwelle", fällt Pascal nach noch längerem nachdenken ein. "Ist der bei der FDP?" fragt Pauline. Der sei schon tot, klärt sie Pascal auf. Kurzes betretenes Schweigen. Dann Pauline: "Oh! Aber der Lindner, der sieht schon gut aus, der ist nicht hässlich, so auf den Wahlplakaten."

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio : MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.09.2017 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2017, 12:05 Uhr