Verkehrssicherheit Polizei Sachsen reagiert auf Radunfälle mit mehr Kontrollen

Nicht nur Helme retten Leben, sondern auch ein verkehrstüchtiges Rad. Doch knapp ein Drittel der Radler fällt laut sächsischem Innenministerium bei Kontrollen durch. Insgesamt wurden im vergangenen Monat etwa 4.500 Fahrradfahrer kontrolliert. Dabei stellten die Beamten nicht nur technische Mängel am Rad fest, sondern kritisierten auch das Radlerverhalten im Straßenverkehr. Doch da müssen auch die Städte etwas tun - radfreundlicher und sicherer werden. Leipzig liegt im sächsischen Vergleich vorn.

Mit Beginn der Sommerzeit hat die Polizei Sachsen ihre Kontrollen bei Zweirädern, also bei Fahrrad und Motorrad, erhöht. Knapp ein Drittel der Fahrradfahrer fiel bei den jüngsten Kontrollen durch, teilte das sächsische Innenministerium mit.

Im Mai wurden etwa 4.500 Radler durch Polizeibeamte kontrolliert. Die häufigsten Mängel gab es im technischen Bereich: Mehr als 800 Mal war die Beleuchtung fehlerhaft. In 228 Fällen fehlte die Fahrradklingel und bei 58 Rädern waren die Bremsen defekt.

Weniger Motorradunfälle als 2016

Im Vergleich zum Vorjahr stellte die sächsische Polizei keine großen Veränderungen im Zuge der Fahrradkontrollen fest. Innenminister Markus Ulbig hält die Kontrollen dennoch für notwendig. "Gezielte Überwachung ist ein wichtiges Instrument zur Erhöhung der Verkehrssicherheit", sagte er. Außerdem sind die Zahlen der Fahrradunfälle mit Personenschäden noch immer im vierstelligen Bereich. 2016 wurden 26 Radfahrer in Sachsen bei Unfällen getötet.

Einen deutlichen Rückgang im Vorjahresvergleich gibt es dagegen bei Motorradunfällen. 2016 verunglückten 24 Biker tödlich. Insgesamt gab es mehr als 2.000 Unfälle. Trotzdem sei jeder Unfall ein Unfall zuviel, sagte Innenminister Ulbig. Deshalb werde die Polizei unabhängig davon ihre Präsenz auf sächsischen Straßen weiter erhöhen.

Polizei kritisiert Radlerverhalten im Straßenverkehr

Bei den Kontrollen stellte die Polizei auch 400 Verstöße wegen Fahrens auf Gehwegen und fast 80 Verstöße gegen das Handyverbot am Fahrradlenker fest. Leipzig stach bei Rotlichtverstößen hervor: 90 Fahrradfahrer wurden dort erwischt. Ihnen drohen nicht nur Geldbußen, sondern auch Punkte in Flensburg. Beim Überfahren der roten Ampel sind ein Bußgeld von 60 Euro und ein Punkt fällig. Kommt es infolge des Rotlichtverstoßes zu einer Gefährdung anderer oder gar zu einem Unfall, erhöht sich das Bußgeld auf bis zu 180 Euro.

Entgegen mancher Annahmen gibt es kein generelles Kopfhörerverbot auf dem Fahrrad. Allerdings muss die Lautstärke beim Radfahren so gewählt werden, dass Verkehrsgeräusche, Hupen oder Klingeln noch deutlich gehört werden können. Auch eine Helmpflicht für Fahrradfahrer gibt es bislang in Deutschland nicht.

ADFC: Sachsen hat noch Nachholbedarf

Im sachsenweiten Vergleich liegt Leipzig vor Chemnitz und Dresden, was die Fahrradfreundlichkeit angeht. Das ergab der aktuelle ADFC-Fahrradklima-Test. Bundesweit belegt Leipzig dort Platz 9, Chemnitz rangiert auf Platz 14, Dresden auf Platz 25. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung will, dass Radfahrer bald ein Viertel der Mobilität der Stadt ausmachen. Stiegen mehr Menschen auf das Rad um, würde das für Entspannung sorgen, sagte er.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hält am ein Fahrrad in den Händen.
Nicht verkehrssicher, aber sieht gut aus: Ein Fahrrad in den Händen von OB Jung. Bildrechte: dpa

Wir dürfen aber keine ideologische Frage daraus machen. Das Auto zu verteufeln oder mit erhobenem Zeigefinger zu argumentieren - das geht schief.

Burkhard Jung Oberbürgermeister der Stadt Leipzig

Zentrale Ziele der Stadt seien der Ausbau der Infrastruktur und sichere Verkehrswege, sagte Jung. Es müsse mehr eigene Fahrspuren für Radfahrer geben, auch Vorrangschaltungen der Ampeln für sie seien günstig.

Umringt von Autos überquert eine Radfahrerin eine Kreuzung
Bildrechte: dpa

Was braucht ein verkehrssicheres Rad?

Laut Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) sind vorgeschrieben:

  • zwei voneinander unabhängige Bremsen
  • ein weißer Scheinwerfer (vorne)
  • ein weißer Reflektor (vorne)
  • eine Klingel
  • ein Rücklicht mit Reflektor (hinten)
  • ein roter Reflektor (hinten)
  • vier gelbe Speichenreflektoren ("Katzenaugen")
  • rutschfeste und festverschraubte Pedalen mit je einem Reflektor

Seit 2013 ist ein Dynamo nicht mehr zwingend vorgeschrieben, sondern es sind auch Lampen mit Akku- oder Batteriebetrieb erlaubt. Zugelassene Reflektoren und Leuchten sind am Prüfzeichen zu erkennen.

Für eine hohe Verkehrssicherheit werden außerdem folgende Ausstattungsteile empfohlen: Schutzbleche vorn und hinten, Kettenschutz, Gangschaltung, Fahrradständer und Gepäckträger.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.06.2017 | ab 8:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2017, 16:54 Uhr

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8 Kommentare

19.06.2017 12:59 Ausgezeichneter Kommentar zur tatsächlichen Sachlage 8

@19.06.2017 11:31 Andreas (6 Ich fahre jeden Tag gut 17km mit dem Rad zur Arbeit. [...] Allerdings halten die meisten Autofahrer den vorgeschriebenen Mindestabstand beim Überholen nicht ein. Wodurch sich gerade die ängstlicheren Radfahrer geradezu dazu genötigt fühlen auf dem Bürgersteig fahren zu müssen. Beleuchtung zu kontrollieren ist wichtig aber das sollte wohl in erster Linie im Winter gemacht werden wenn die Tage kürzer sind. Jetzt ist das eher albern. Sicher gibt es mehr Rotlichtverstösse bei Radfahrern aber wo werden Autofahrer auch dazu genötigt 3 Mal anzuhalten um eine Straße zu queren oder Bedarfsampeln an Parkplätzen​ zu betätigen wenn die Läden dazu geschlossen sind. Nebenbei so manch vermeintlicher Rotlichtverstoss ist gar keiner, denn für Radfahrer gilt auch auf dem Radweg die Fahrbahnampel wenn der Radweg keine Radfahrerampel)

+1 - Sehr guter Kommentar, der die Zusammenhänge aufweist, die der MDR nicht einmal thematisiert.

19.06.2017 12:02 Janes 7

@No Go 5: Du fährst kein Auto oder? Sonst würdest du wissen, dass mancher Radfahrer aus den tiefen der Dunkelheit plötzlich auftaucht, weil er(oder sie) null Reflektoren haben. Nur ein Einziger Reflektor wäre bereits weit hin sichtbar. DIe Radfahrer müssen sich von ihrer Anarchieeinstellung verabschieden, dass für sie scheinbar keine Verkehrsregeln gelten. Dann wäre Radfahren auch eine sinnvolle, sichere Sache für alle.

19.06.2017 11:31 Andreas 6

Ich fahre jeden Tag gut 17km mit dem Rad zur Arbeit. Mir begegnen viele Radfahrer die auf Bürgersteigen fahren, die mir​ als Geisterfahrer auf dem Radweg entgegenkommen oder im Dunkeln kein Licht haben. Allerdings halten die meisten Autofahrer den vorgeschriebenen Mindestabstand beim Überholen nicht ein. Wodurch sich gerade die ängstlicheren Radfahrer geradezu dazu genötigt fühlen auf dem Bürgersteig fahren zu müssen. Beleuchtung zu kontrollieren ist wichtig aber das sollte wohl in erster Linie im Winter gemacht werden wenn die Tage kürzer sind. Jetzt ist das eher albern. Sicher gibt es mehr Rotlichtverstösse bei Radfahrern aber wo werden Autofahrer auch dazu genötigt 3 Mal anzuhalten um eine Straße zu queren oder Bedarfsampeln an Parkplätzen​ zu betätigen wenn die Läden dazu geschlossen sind. Nebenbei so manch vermeintlicher Rotlichtverstoss ist gar keiner, denn für Radfahrer gilt auch auf dem Radweg die Fahrbahnampel wenn der Radweg keine Radfahrerampel (mit Radfahrer Symbol)hat.

19.06.2017 07:27 No Go 5

Was für ein Blödsinn, als ob Katzenaugen oder Reflektoren ein Fahrrad sicherer machen. Es ist der § 1 der Verkehrsordnung der es tun würde: Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme. Das gilt vor allem für die Autofahrer, die sehr langsam im begreifen sind, z.B. das ein Radfahrer von heute keine 5 kmh mehr radelt sondern schon mal 35 kmh und mehr erreichen kann. Auch sollten Fahrradfahrer vorsichtig und angemessen in der Stadt fahren und auch mal nicht auf ihre Vorfahrt bestehen. Die Polizei sucht sich bei der Kontrolle natürlich die Schwachen raus, kann man gut Kohle machen und sein Ego pflegen, mit Sicherheit hat das in den meisten Fällen nichts zu tun. Ach ja, da wären noch die älteren Menschen mit den Pedeleks - wie wäre es mal mit einem Fahrtraining, verpflichtend beim kauf z.B. bei Schwachsinnssendern wie QVC und Co.... D A S würde die Sicherheit im Verkehr erhöhen!

18.06.2017 18:38 OPA 123 4

Die Bereitschaft mehr Rad zu fahren kann nur begrüßt werden und hilft auch ökologisch und ökonomisch.
Fahrradfahrer,haben auch den Vorteil Namenlos zu sein und nutzen das großzügig aus.
Wenn die Breite Masse Autofahrer von einer Masse Fahrradfahrer begleitet wird,so ist es unumgänglich Regulierende Kräfte ständig vor Ort zu gaben.Auf Gut bürgerliches miteinander kann heute nicht mehr vertraut werden,zumeist sehen die meisten Fahrradfahrer nur schlau aus.

18.06.2017 18:35 ein schon länger in Deutschland lebender 3

na super,
früher wurde immer mal, mal mehr, mal weniger, im Jahr bei uns in der Stadt, rund um die Innenstadt alle Radfahrer kontrolliert und die meisten sind Studenten. Und die Fahrräder der Studenten, nunja das wisst ihr selbst.

Ab dem Herbst 15 wurden keine Kontrollen mehr durchgeführt, es wurden Fahrräder den Asylbewerbern gespendet und die waren alles andere als Verkehrssicher.

Jetzt erklären sie mal einen Flüchtling aus Afrika oder aus dem arabischen Raum was ein Katzenauge ist und das er das braucht! ;-)

18.06.2017 15:49 Beyer 2

Da wird mal wieder versucht die Radfahrer zu schikanieren: Anstatt das die Autofahrer gerügt werden, die zu dicht mit zu hoher Geschwindigkeit an den Radlern vorbeifahren wird die Ursache wie immer beim Schwächsten gesucht. Natürlich ist es unklug mit ohne Licht bzw. Bremsen zu fahren. Meist wird dabei aber nur eigener Körperschaden und ein bischen Blechschaden verursacht.
Zu den Katzenaugen: Alternativ sind auch die Reflexstreifen an den meisten neumodischen Reifen oder weiße Reflektoren an den Speichen ausreichend.
Und das was der Herr Polizist auf dem Bild macht sieht mir verdammt nach einer Rahmennummerkontolle aus. Ist auch sehr wichtig hat aber nix mit Verkehrssicherheit zu tun.

18.06.2017 15:34 Paulchen 1

Es ist eigentlich schlimm, dass man Leute zu ihrer eigenen Sicherheit zwingen muss. Ich habe schon Argumente gehört, dass die Leistungsaufnahme der modernen LED-Beleuchtung von 2-3 Watt am Berg stören würde, weil sie man mehr treten müsse. Von Fahrweise und Kenntnis der Verkehrsregeln rede ich gar nicht erst. Unverantwortlich! Ab und zu müssen dann auch Unschuldige z.B. Fußgänger dran glauben. Leider tut es erst weh bei Strafen oder Fahrverboten. Mehr Kontrollen und konsequente Bestrafung würde ich daher sehr begrüßen, bin selbst oft auch Radfahrer.