Pro Reformationsfeiern "Er war der richtige Mann"

von Ulrich Liebeskind, MDR SACHSEN

Regionalstudio Leipzig
Bildrechte: MDR/Nadine Jejkal

Natürlich sollen wir in diesem Jahr die Reformation und Martin Luther feiern. Er hat alles verändert. Auf den Kopf gestellt. Luthers Ideen und Gedanken ändern nicht nur die kirchlichen Verhältnisse. Sie beeinflussen Politik, Wirtschaft und unsere Kultur. 

Dass er dabei seine Schriften an die Schlosskirche angeschlagen hat, ist nicht gesichert. Aber auf jeden Fall markiert dieser 31. Oktober 1517 den Beginn der Reformation. An diesem Tag hat Martin Luther, mit seinen Thesen, in einer sehr finsteren Zeit, das Licht angeknipst. Seine Ideen haben viele Menschen inspiriert.

Zum Ausgang des Mittelalters quält die Menschen neben dem Hunger doch ein einziger Gedanke: Wie komme ich heil durch das Fegefeuer?

Nur ein gottgefälliges Leben verringert diese Qualen. Makler der Erlösung ist die katholische Kirche. Doch ihre Priester sprechen allesamt Latein. Und das verstehen nur die Wenigsten.

Jetzt kommt Luther. Er übersetzt die Bibel. Er will, dass jeder Mensch die Schrift lesen und verstehen kann. Er setzt also auf das Wort. Und er will keine Interpretation. Damit macht er die Menschen mündig. Nun sind sie ihrem eigenen Gewissen verpflichtet. Das bedeutet einerseits Freiheit und andererseits Selbstverantwortung.

Der Mensch wird erwachsen. Er kann Gott von "Angesicht zu Angesicht" gegenübertreten. Er kann mit ihm streiten und ihn lieben. Wenn das kein Grund zum Feiern ist.  

Und diese Liebe Gottes ist allen Menschen bereits gegeben. Und zwar ohne Bedingungen und gleich. Gott nimmt die Menschen so an, wie sie sind. So versteht Luther die Bibel und daher sein Zorn gegen eine Kirche, die Geld nimmt für Gottes Zuwendung.

Natürlich war Luther nicht alleine. Und er war auch nicht der erste, der die herrschende Kirche kritisiert hat. Erinnert sei hier an Jan Hus. Dessen Leben endet auf dem Scheiterhaufen. Martin Luther hat es geschafft Dinge in Gang zu setzen, die bis heute wirken: Deutsch als unsere gemeinsame Muttersprache und Bildung für alle. Er war der richtige Mann. Zur richtigen Zeit. In Wittenberg.

Das ist ein Grund zu feiern.

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2017, 11:03 Uhr

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2 Kommentare

07.01.2017 11:01 Liane 2

„Geht man allen Religionen auf den Grund, so beruhen sie auf einem mehr oder minder widersinnigen System von Fabeln. Es ist unmöglich, dass ein Mensch von gesundem Verstand, der diese Dinge kritisch untersucht, nicht ihre Verkehrtheit erkennt.“
(Friedrich der Große, König von Preußen, 1712-1786)

06.01.2017 19:21 HERBERT WALLASCH, Pirna 1

Wo und wie würde er heute wohl sprechen, predigen? Ich könnte es mir schon vorstellen!