Energiewirtschaft in Sachsen : Vattenfall will Pumpspeicher-Kraftwerke abschalten
Dem weltweit ältesten Pumpspeicher-Kraftwerk droht das Aus. Wie der Energiekonzern Vattenfall am Dienstag mitteilte, wird im Zuge der Energiewende die Stilllegung älterer Anlagen geprüft. Dazu zählt vor allem das 1927 bis 1930 gebaute Kraftwerk im Dresdner Stadtteil Niederwartha. Aber auch die 1981 in Betrieb gegangene Anlage in Markersbach bei Chemnitz steht auf der Kippe.
Befreiung vom Netzentgelt gefordert
Dem Leiter der deutschen Vattenfall-Sparte Wasserkraft, Gunnar Groebler, zufolge können die Werke kaum noch wirtschaftlich betrieben werden, weil sie seit 2008 mit Netznutzungsentgelten belastet und einem Endverbraucher gleichgestellt würden. Die vom Netzbetreiber geforderte Abgabe sei vergleichsweise besonders hoch und solle ab Januar nochmals um 40 Prozent steigen. Da Pumpspeicher-Kraftwerke aber auch Strom ins Netz zurückspeisten, halte man die Abgabe nicht für gerechtfertigt, sagte Groebler. Er forderte eine Befreiung vom Netznutzungsentgelt. Dafür gebe es im Bundesrat auch schon eine Mehrheit.
Für Vattenfall geht die Rechnung nicht mehr auf
Ein Pumpspeicherwerk ist nur wirtschaftlich, weil es die im Tagesverlauf auftretenden Strompreisunterschiede ausnutzt. Vereinfacht gesagt, wird das Wasser mit billigem, reichlich vorhandenem Nachtstrom in das obere Speicherbecken gepumpt, während es tagsüber Turbinen antreibt und teureren, benötigten Tagstrom erzeugt. Das Werk könnte aber auch Sonnen- oder Windstrom "zwischenspeichern". Der Wirkungsgrad der Anlagen liegt bei etwa 80 Prozent. 2008 erzielte Vattenfall noch Markterlöse zwischen 20 und 35 Euro pro Megawattstunde Strom aus seinen Pumpspeicher-Kraftwerken. Derzeit sind es nur noch knapp fünf Euro.
Verliert Dresden seine Notfall-Starthilfe?
Vattenfall prüft nach eigenen Angaben die Investitions- und Instandhaltungsmaßnahmen in seinen Pumpspeicher-Kraftwerken und will die Hälfte der Anlagen bis 2020 stilllegen. Der Standort Niederwartha sollte eigentlich im kommenden Jahr für 120 Millionen Euro saniert werden, jetzt könnte er schon in den nächsten Monaten stillgelegt werden. Schon jetzt wird von den möglichen 120 Megawatt Leistung nur noch ein Drittel genutzt. Doch die Niederwarthaer Anlage hat für Dresden große Bedeutung: Sie ist Teil des Netznotplans der Stadt und stellt bei einem Stromausfall den "Starterstrom" für das Kraftwerk der Stadtwerke an der Nossener Straße bereit. Vattenfall zufolge gab es erst im März dieses Jahres einen Engpass, bei dem das Pumpspeicher-Kraftwerk einspringen musste.
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