Dresdner Fans zünden zu Spielbeginn bengalisches Feuer.
Die Fans waren in Karlsruhe einheitlich in militärähnlicher Tarnkleidung mit dem aufgedruckten Schriftzug "Footballarmy Dynamo Dresden" unterwegs. Bildrechte: dpa

Nach Ausschreitungen Ermittlungen gegen 28 Fans von Dynamo Dresden

Vor allem im Raum Dresden ist die Polizei mit einer Razzia gegen Fans von Dynamo Dresden vorgegangen. Hintergrund sind die Ausschreitungen im Umfeld des Dynamo-Spiels im Mai in Karlsruhe. Gegen die Organisatoren der damaligen Fan-Aktion wird unter anderem wegen Landfriedensbruch ermittelt. In Dresden erläuterten die Behörden ihr Vorgehen.

Dresdner Fans zünden zu Spielbeginn bengalisches Feuer.
Die Fans waren in Karlsruhe einheitlich in militärähnlicher Tarnkleidung mit dem aufgedruckten Schriftzug "Footballarmy Dynamo Dresden" unterwegs. Bildrechte: dpa

Polizei und Justiz sind mit einer Razzia gegen Fans des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden vorgegangen. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ermittelt gegen 28 Tatverdächtige zwischen 23 und 34 Jahren. Ein Beschuldigter wurde in der Schweiz vorläufig festgenommen. Hintergrund sind die Ausschreitungen im Umfeld des Dynamo-Spiels am 14. Mai beim Karlsruher SC. Die Tatverdächtigen sollen die Aktion organisiert haben. Sie seien als "Führungspersönlichkeiten" der Dresdner Fans identifiziert worden und trügen die Mitverantwortung, erklärte der Karlsruher Staatsanwalt Tobias Wagner. Ihnen werde Landfriedensbruch und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vorgeworfen.

1.500 Mitglieder der Dresdner Fan-Szene waren damals in militanter Aufmachung unter dem Motto "Krieg dem DFB" durch die Stadt marschiert und hatten Polizisten mit Pyrotechnik beschossen. Am Stadion überrannten die Marschteilnehmer die Kontrollen.

Die Polizei rechnete nicht damit, dass Dresdner Fans die Einlasssperren überrennen.

Gerhard Heck Polizeipräsidium Karlsruhe

Bleibende Schäden bei Polizeibeamten

21 Beamte erlitten schmerzhafte Knalltraumata, zahlreiche Ordner wurden verletzt. Einige der betroffenen Polizisten seien monatelang ausgefallen und könnten bis heute nicht am Schießtraining der Polizei teilnehmen, erklärte Gerhard Heck vom Polizeipräsidium Karlsruhe auf einer Pressekonferenz in Dresden.

Drei Männer sitzen bei einer Pressekonferenz nebeneinander
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch auf die Ränge war Pyrotechnik gebracht worden, die während des Spiels aus dem einheitlich uniformierten Gästeblock abgefeuert wurde. Dresdner Fans, die ohne einheitliche Tarnkleidung in den Block kamen, wurden gewaltsam hinausgedrängt.

Bislang kein konkreter Tatverdacht

Die Behörden konnten bislang keine Tatverdächtigen identifizieren, die die illegale Pyrotechnik geworfen haben. Die beteiligten Personen trugen neben der Tarnkleidung auch Gesichtsbemalung und seien immer nur kurz in Erscheinung getreten, so Gerhard Heck von der Karlsruher Polizei. Die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz richteten sich deshalb gegen unbekannte Täter.

Konzertierte Aktion in drei Bundesländern

Die Polizei hatte am Dienstag zeitgleich insgesamt 35 Wohnungen und Geschäfte überwiegend in Dresden und Umgebung, in Zwickau sowie in Brandenburg, Baden-Württemberg und der Schweiz durchsucht. Dabei wurden laut Ermittler PC´s, Smartphones, Pyrotechnik und Tarnkleidung sichergestellt. Zudem fanden sie eine Waffe für Gummigeschosse und einen Schlagring. Daneben wurde das Kraftfahrzeug beschlagnahmt, das dem Fanmarsch in Karlsruhe vorausgefahren war. Etwa 370 Polizisten waren an der Razzia beteiligt, davon 100 aus Karlsruhe.

Die beschlagnahmten Beweismittel werden nun von der Ermittlungsgruppe "Dynamo" in Karlsruhe ausgewertet. Erst dann entscheidet sich, ob Anklage gegen einen oder mehrere der tatverdächtigen Organisatoren erhoben wird. Laut Polizeisprecher Raphael Fiedler wird das mindestens einen Monat dauern.

Unmut über Durchsuchung von Fanprojekt

Für Kritik sorgte der Umstand, dass auch das Fanprojekt von Dynamo Dresden von der Durchsuchung betroffen war. Grünen-Politiker Valentin Lippmann erklärte, Durchsuchungen eines sozialpädagogischen Fanprojekts seien mehr als kritisch. "Sie zerstören das besondere Vertrauensverhältnis von Sozialpädagogen und Fußballfans und erweisen der Gewaltprävention im Fußball einen Bärendienst."

Quelle: PM/dpa/kb

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.12.2017 | ab 10:00 Uhr in den landesweiten Nachrichten | MDR SACHSENSPIEGEL | 5.12.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2017, 09:30 Uhr

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65 Kommentare

07.12.2017 00:48 Hmhmhm @ Ullrich 57 65

Ich befürchte auch, dass Lehmis Rücktritt was mit den "Karlsruhe-Entgleisungen" zu tun hat. Schon komisch, dass Lehmie sich zeitnah zu potentiellen Straftaten seiner Lemminge distanziert hat und nun vor etwa einer Woche vor den Razzien in Ehren verabschiedet wurde...

07.12.2017 21:14 Guter Schwabe 64

@62: Ja, wenn es sich um Straftäter handelt. Ergebnisse wird es hier nicht geben, da der Tatbestand einer Straftat nicht erfüllt ist.
@63:Ich eiere um gar nichts rum. Ich empfehle mal die Polizei Berichte vom14.05 und die Berichte der dort anwesenden Fans zu lesen. Ob diese Aktion Mist, wie Sie schreiben, war, dass muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Medien haben schon am 15.05 dafür gesorgt, dass hier einseitig berichtet wurden. Das selbe jetzt wieder und in absehbarer Zeit noch mal. Schönen Abend noch

07.12.2017 19:29 Donnerstag 63

Nr. 61 - Guter Schwabe
Oh Mann. Haben Sie noch nicht einmal den Mumm zu sagen: Die Straftaten da waren großer Mist?

Stattdessen eiern Sie um eine Antwort herum.
Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Polizei sich das alles ausgedacht hat. Aber wahrscheinlich kommt jetzt noch eine wilde Verschwörungstheorie. Bin gespannt.

Und die Verletzten waren alles Statisten, oder wie?

Ich finde es jedenfalls gut, dass nach solchen Gewalttätern gefahndet wird. Sie nicht???

07.12.2017 19:04 P. Neunderster 62

Zu 61 "Guter Schwabe":

Die Polizei ermittelt unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch und diverser anderer Delikte. Es sind zahlreiche Menschen verletzt worden, illegale Pyrotechnik wurde gezündet, 28 Menschen durch ein Knalltrauma geschädigt.

Da war also nichts? Haha!

Nochmal die Frage an Sie:
Haben Sie etwas dagegen, dass die Polizei nach den Straftätern sucht?

Bitte antworten sie mit "Ja" oder "Nein" - anstatt auszuweichen.

07.12.2017 17:47 Guter Schwabe 61

@ 60: Gegenfrage, welche meinen Sie. Doch nicht Jene die es nicht gibt. Darum auch wie schon geschrieben der Aufwand.

07.12.2017 16:36 Kondukeit 60

@ 58, Guter Schwabe

Wenn man Sie so reden hört, stellt sich folgende Frage:

Gefällt es Ihnen nicht, dass die Polizei die Straftäter sucht?

07.12.2017 15:52 Ullrich 59

Höre ich bei ihnen heraus, dass sie davon ausgehen das in Karlsruhe alles bestens war?
In anderen Fällen erwarten sie auch, dass bis zum Ende ermittelt wird.
Einige Straftäter und Chaoten bringen Dynamo immer wieder negativ in die Schlagzeilen. Das hat der beste Verein der Welt nicht verdient. Deshalb begrüße ich dir Ermittlungen ausdrücklich, weil jede Maßnahme aus der Ultra Szene heraus bis jetzt ins leere lief!

07.12.2017 13:31 Guter Schwabe 58

@57 Ullrich: ... Und Ermittlungen hab es schließlich schon vorher - siehe Berichte über Kontrollen im Rahmen des DFB Pokal Spiel in Freiburg.
Genau darum geht es. Auch beim Freiburg Spiel wurde, außer besagtes Obstmesser nichts verwertbares gefunden.
Die Polizei versucht krampfhaft, ihre Vorgehensweise bei Spielen von Dynamo Dresden im Südwesten, mit Beweisen zu rechtfertigen. Zur Zeit ohne Erfolg.

07.12.2017 10:13 Ullrich 57

Ich Frage mich gerade ernsthaft, ob diese Ereignisse und Lehmanns Rücktritt als Capo etwas miteinander zu tun haben. Gleichzeitig sollten einige das Statement der und nach den Ereignissen von Karlsruhe einmal lesen (Website Ultras Dynamo).
Und Ermittlungen hab es schließlich schon vorher - siehe Berichte über Kontrollen im Rahmen des DFB Pokal Spiel in Freiburg.

07.12.2017 08:10 Schneemann 56

Sind wir Fußballfans jetzt die neuen Terroristen? Unglaublich! Natürlich gibt's in den Fanszenen Problembürger, um die sich ggf. Polizei und Staatsanwaltschaft kümmern soll. Im Rahmen unseres Linksstaates. Aber muß deswegen so ein Popanz aufgebaut werden? Das sind doch wieder die üblichen Ablenkungsmanöver von den wahren Zuständen in diesem Land!