Tillich
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Reaktionen zum Rücktritt Tillichs "... das ist ein Paukenschlag"

Tillich
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Sorben: Tillich hat sich seiner Muttersprache nicht geschämt

"Ich habe nicht mit dem Rücktritt gerechnet. Aber mit einem Tag Abstand denke ich, dass es souverän war. Das Wahlergebnis, vor allem auch in unserer Region, war katastrophal für die Politik. Tillich war für uns immer offen, er hat sich nicht geschämt, mit uns in unserer Muttersprache zu sprechen."
(David Statnik, Vorsitzender des sorbischen Dachverbandes Domowina)

Freie Wähler: Tillich stiehlt sich davon

Die Freien Wähler Sachsen kritisieren Tillichs Rücktritt als einfachen Weg, sich davon zu stehlen. Landesvorsitzender Steffen Große: "Es ist traurig, dass Tillich nicht die Kraft findet, eigene Fehler zu korrigieren und mit einer neuen Mannschaft einen neuen, einen Gestaltungskurs einzuschlagen. Jetzt hinterlässt er eine halbierte CDU und einem gescheiterten Bundestagskandidaten."
(Steffen Große, Vorsitzender der Freien Wähler Sachsen)

Arbeitgeber: Dank für kooperative Zusammenarbeit

"Die sächsische Wirtschaft hat es zu schätzen gewusst, dass er immer ein offenes Ohr für unsere Belange hatte. Allerdings kann ich nur davor warnen, zu glauben, dass mit einer neuen Personalie auch die Probleme gelöst sind. Denn das schlechte Abschneiden der sächsischen CDU bei der Bundestagswahl war vor allen eine deutliche Kritik an der Bundespolitik."
(Jörg Brückner, Präsident der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft e.V.)

Bautzens Landrat: Tillichs Rücktritt bedauerlich

Michael Harig
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"Ich bedaure diesen Rücktritt persönlich außerordentlich, weil die insbesondere die CDU seit 27 Jahren dieses Land erfolgreich gestaltet hat; und Stanislaw Tillich zwei Drittel der Zeit in direkter Weise letztlich mit."
(Michael Harig, Landrat im Landkreis Bautzen)

Bischöfe: Tillichs katholische Prägung war spürbar und er begleitete die Ökumene

Die Bischöfe Heinrich Timmerevers und Carsten Rentzing haben den Rücktritt Tillichs mit "großem Bedauern" aufgenommen. Timmerevers würdigte Tillich als "Landesvater und Staatsmann von enormem Verantwortungsbewusstsein, höchster Vertrauenswürdigkeit und absoluter Integrität". Tillichs katholische Prägung sei für ihn deutlich spürbar gewesen.

Der evangelische Landesbischof Rentzing betonte, seine Gespräche mit Tillich seien "von einem guten Geist des Miteinanders" getragen worden. "Auch im ökumenischen Kontext der Kirchen habe ich ihn immer als einen aufmerksamen wie auch verständnisvollen Begleiter und Beobachter erlebt", so Rentzing.

CDU-Bundestagsabgeordnete: Den Tatsachen ins Auge sehen

"Es tut mir leid. Ich schätze Herrn Tillich als Mensch und als Ministerpräsident. Gleichwohl verkennen wir nicht, dass die politische Diskussion nach der Bundestagswahl sehr zugespitzt geführt wird und Konsequenzen gefordert werden. Und im politischen Arbeitsrahmen muss man dann einfach den Tatsachen ins Auge sehen und die Schlüsse ziehen. Das hat er getan. Das ist, denke ich, für die politische Diskussion ein richtiger Schritt."
(Maria Michalk, langjährige Bundestagsabgeordnete der CDU)

Politikwissenschaftler: Womöglich viel Kritik bei Tillich gelandet

Werner Patzelt
Werner Patzelt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Dieser Rücktritt kommt sehr überraschend. Dann nach einer Wahlniederlage nimmt man üblicherweise entweder gleich seinen Hut oder man versucht, die Sache durchzustehen. Womöglich ist in der Zwischenzeit viel innerparteiliche Kritik beim Ministerpräsidenten gelandet. Womöglich hat ihn auch die Kritik seines Amts-Vorvorgänges Biedenkopf zutiefst verletzt."
(Prof. Werner Patzelt, Technische Universität Dresden)

Reaktionen aus Sachsen zu Tillichs Entscheidung

Was sagen politische Mitstreiter und Gegner in Sachsen zum angekündigten Rücktritt von Ministerpäsident Tillich? Einige Reaktionen:

Sachsens Umweltminister Frank Kupfer bei einer Rede im Landtag
Der Vorsitzende der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtags, Frank Kupfer, zollt Tillich Respekt: "Er hat damit Größe bewiesen und die Verantwortung für das Ergebnis der Bundestagswahl übernommen, auch wenn er nicht die Hauptschuld dafür trägt. Ich bin dankbar, dass er unserem Land so lange gedient hat. Stanislaw Tillich hat den Übergang so gestaltet, dass unsere Partei eine Perspektive hat." Bildrechte: MDR/Diana Köhler
Sachsens Umweltminister Frank Kupfer bei einer Rede im Landtag
Der Vorsitzende der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtags, Frank Kupfer, zollt Tillich Respekt: "Er hat damit Größe bewiesen und die Verantwortung für das Ergebnis der Bundestagswahl übernommen, auch wenn er nicht die Hauptschuld dafür trägt. Ich bin dankbar, dass er unserem Land so lange gedient hat. Stanislaw Tillich hat den Übergang so gestaltet, dass unsere Partei eine Perspektive hat." Bildrechte: MDR/Diana Köhler
Martin Dulig
Für Sachsens SPD-Landeschef und Vize-Ministerpräsident Martin Dulig ist Tillichs angekündigter Rücktritt konsequent und folgerichtig: "Die Art und Weise, wie die CDU in den letzten Jahren hier in Sachsen Politik gemacht hat, hat doch zu einer riesengroßen Vertrauenskrise geführt.[…] Und trotz alledem: In erster Linie gilt mein Dank Stanislaw Tillich, denn wir haben trotz unterschiedlicher Haltungen und Meinungen in vielen Fragen vertrauensvoll und vor allem lösungsorientiert zusammengearbeitet." Bildrechte: dpa
Volkmar Zschocke
Volkmar Zschocke, Fraktionsvorsitzender von Bündnis '90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, bezeichnet den Schritt von Tillich als richtig und logisch: "Er steckt in der schwersten Krise seiner Amtszeit. Mit ihm ist die Richtungsänderung hin zu einer Politik, die Sachsen zukunftsfest macht, unmöglich. Sein verantwortungsloser Rechtskurs hat die AfD gestärkt, aber kein einziges Problem im Land gelöst. Ob der designierte Nachfolger Michael Kretschmer der richtige Mann für einen Kurswechsel ist, darf bezweifelt werden." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Jörg Urban, Mitglied des Fraktionsvorstands der Alternative für Deutschland (AfD), sitzt am 27.09.2017 während der Sitzung des Landtages in Dresden (Sachsen) im Sitzungssaal.
Für AfD-Fraktionsvorstandsmitglied Jörg Urban verdient Tillichs Rücktritt großen Respekt: "An Tillich sollte sich Kanzlerin Merkel ein Beispiel nehmen, die ein schlechtes Wahlergebnis nach dem anderen einfährt, aber offenbar überhaupt nicht daran denkt, Platz für einen Neuanfang zu machen. Der von Tillich favorisierte Nachfolger für das Amt des Ministerpräsidenten, Generalsekretär Kretschmer, ist allerdings alles andere als ein Neuanfang. […] Man kann einen zurückgetretenen Wahlverlierer schlecht mit einem anderen Wahlverlierer austauschen und einfach weiterwursteln." Bildrechte: dpa
Frauke Petry
Die sächsische Landtagsabgeordnete und ehemalige AfD-Chefin Frauke Petry sieht durch den Wechsel an der Regierungsspitze in Sachsen Chancen für andere konservative Kräfte und spielt damit auf die von ihr mitinitiierte "Blaue Partei" an: "Ein extrem schwacher Ministerpräsident versucht gerade, einen schwachen Wahlkreisverlierer als Nachfolger zu inthronisieren. Damit tut er der CDU, vor allem aber Sachsen, keinen Gefallen." Bildrechte: IMAGO
Der Vorsitzende der sächsischen FDP, Holger Zastrow, spricht am 20.05.2017 beim Landesparteitag der Liberalen in Glauchau (Sachsen).
Der sächsische FDP-Vorsitzende Holger Zastrow wertet Tillichs Rücktritt als tiefe Zäsur: "Ich zolle dem Ministerpräsidenten Respekt für seine Entscheidung, kann Zeitpunkt, Form und Inhalt seiner Rücktrittserklärung jedoch nicht nachvollziehen. […] Michael Kretschmer als Nachfolger vorzuschlagen, ist überraschend und sehr irritierend. Der Vorschlag zeigt, dass die sächsische CDU ihr Gespür für Land und Leute verloren hat. Offenbar arbeitet sie an ihrem Ende als Volkspartei. An vorgezogenen Neuwahlen führt jetzt kein Weg mehr vorbei." Bildrechte: dpa
 Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU)
Nach Ansicht des sächsischen Bundestagsabgeordneten und Bundesinnenministers Thomas de Maizière (CDU) war der Rücktritt Tillichs nicht nötig: "Es hätte auch einen Weg gegeben mit einer großen Kabinettsumbildung unter seiner Führung, einen neuen Anfang zu machen. Er hat anders entschieden. Diese Entscheidung verdient allergrößten Respekt." Bildrechte: dpa
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Gewerkschaft: Chance für eine Kurskorrektur in Sachsen

"Der Rücktritt von Ministerpräsident Tillich in Sachsen bietet die Chance für eine Kurskorrektur in Richtung Modernisierung und soziale Gerechtigkeit. In keinem anderen Bundesland ist der Anteil der vom Mindestlohn betroffenen Betriebe und Arbeitnehmer höher."
(Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen)

AfD: Tillich verantwortlich für das Wahldebakel der CDU

"Etwas überraschend kam dieser Rücktritt schon. Gleichwohl ist nicht zu übersehen, dass sich die CDU in einem instabilen Zustand befindet. Tillich ist ja mit seiner Politik einer der Hauptverantwortlichen für das Debakel, das die CDU in Sachsen bei der Bundestagswahl erlebt hat."
(Arndt Noack, sächsischer Landesvorstand der AfD)

Studenten: Hochschulen brauchen Zuwendung

"Wir fordern, dass seitens der Staatsregierung endlich eine zukunftsorientierte Politik eingeschlagen wird, die sich klar von populistischen Forderungen abgrenzt. Herr Tillich war vor allem ein Bewahrer unter dessen Führung kein großer Wandel passierte."
(Daniel Irmer, Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften)

Schüler: Rücktritt ist ein Paukenschlag

"Der Rücktritt des Ministerpräsidenten ist ein Paukenschlag. Trotz des Personalwechsels in der Regierung kann die Bewältigung der Probleme im Land und besonders in den Schulen aber nicht warten. Besonders die jahrelange Sparpolitik muss im Hinblick auf die Absicherung der Unterrichtsversorgung sofort beendet werden."
(Erik Bußmann, stellvertretender Vorsitzender des Landesschülerrates)

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.01.2017 | 05:00 Uhr sowie MDR SACHSENSPIEGEL | 19.01.2017 | 19:00 Uhr

Quellen: PM/MDR/as

Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2017, 20:31 Uhr

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