Sachsen

TU Chemnitz : Forscher entwickeln lebensrettenden Schlauch

Forscher der Technischen Universität Chemnitz haben einen Rettungsschlauch zur Evakuierung von Hochhäusern, Bohrinseln und anderen hohen Gebäuden entwickelt. Wie die Uni am Montag mitteilte, soll das System nach der TÜV-Abnahme von sächsischen Firmen hergestellt werden und 2014 verfügbar sein.

Lars Jahreis testet Materialien
Lars Jahreis testet im Labor, welche Materialien den hohen Belastungen standhalten.

Anlass für die Forschung waren die Szenen, die sich am 11. September 2001 am New Yorker World Trade Center abspielten. Dort sprangen nach den Flugzeugattentaten die Menschen oberhalb der Einschlagstellen in Panik in die Tiefe, weil die Rettungswege in den Türmen unpassierbar waren. Lars Jahreis, wissenschaftlicher Mitarbeiter im TU-Bereich Fördertechnik, erklärt: "Dieses Szenario hat gezeigt, dass für Gebäude ein weiterer Evakuierungsweg gebraucht wird, um Menschen in Sicherheit zu bringen, wenn die Treppen nicht mehr passierbar sind." Ziel der Forscher war die Entwicklung eines völlig neuen Evakuierungssystems.

Luftkissengebremster Fall

Rettungsschlauch
Die Forscher testeten ihre Erfindung an einem Turm in Görlitz.

Die TU-Wissenschaftler begannen gemeinsam mit einer deutschen Tochter des Schweizer Unternehmens AH Invention und weiteren sächsischen Firmen zu tüfteln. Das Ergebnis: ein Schlauchsystem, das zusammengepackt in einen Container passt, der beispielsweise auf dem Dach eines Hochhauses stehen kann. Im Notfall wird es vollautomatisch entlang der Fassade bis zum Erdboden herabgelassen und verankert. Die Menschen können durch den Schlauch gefahrlos nach unten gelangen. Dieser besteht außen aus einem aluminiumverstärkten Spezialgewebe und innen aus einem textilen, durch Ventile gesteuerten Luftkammersystem. Damit wird ein ungebremster freier Fall der Menschen verhindert. Stahlseile halten den Schlauch in Form. Die hitzebeständige Außenhaut kann kurzzeitig sogar Feuer standhalten.

Weitere Optimierung trotz erfolgreichem Test

Ein Proband lässt sich von Seilen gesichert in einen Schlauch fallen
Die ersten menschlichen Probanden wurden noch mit Seilen gesichert, der Test verlief aber ohne Zwischenfälle.

Das Evakuierungssystem, das laut deutscher Gesetzgebung übrigens nicht als Rettungsweg gilt, ist derzeit auf maximal 100 Meter ausgelegt. Jahreis zufolge wird aber an einer Verlängerung auf mehrere Hundert Meter gearbeitet. Getestet haben die Forscher ihr "Swiss Rescue System" bisher in einem 24 Meter hohen Turm in Görlitz, zuerst mit Säcken und Dummys. Danach sprangen - erst an Seilen, später ungesichert - Probanden in den Rettungsschlauch. Alle kamen heil unten an, allerdings entstand beim Rutschen durch Reibung ein Temperaturanstieg bis zu 15 Grad Celsius. "Das wollen wir noch weiter optimieren, aber schon jetzt sind Verbrennungen weitgehend ausgeschlossen", sagte Jahreis.

Die zweite Projektphase startet im Dezember, danach soll der TÜV Süd den Rettungsschlauch unter die Lupe nehmen und bis Mitte 2014 für den Einsatz als Evakuierungssystem zertifizieren. Die Serienfertigung werden zwei sächsische Firmen übernehmen: ein Zeltbau- und Planenbetrieb in Plauen stellt den Schlauch her, eine Görlitzer Stahlbaufirma den Großteil der technischen Bestandteile.

Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2012, 18:15 Uhr

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