Naturschutz vs. Tourismus : Experten kritisieren Wegedichte in der Sächsischen Schweiz
"Natur Natur sein lassen", so lautet die Hauptforderung der Expertenkommission, die den Nationalpark Sächsische Schweiz im vergangenen Jahr begutachtet hat. Im Abschlussbericht ist von "großen, nicht übersehbaren Defiziten in verschiedenen Bereichen" die Rede. Dazu gehört unter anderem die Größe der Schutzzone, die nach Ansicht der Experten bis 2020 auf 75 Prozent der Fläche vergrößert werden sollte. Derzeit sind etwa 54 Prozent der Gesamtfläche naturbelassen. Außerdem sollten die Waldpflegemaßnahmen und die Borkenkäferbekämpfung verringert und die Wegedichte reduziert werden. Auch die Verkehrsführung im Nationalpark steht in der Kritik. Gemeinsam mit den Anrainergemeinden sollten Maßnahmen zur Verkehrsoptimierung bzw. –beruhigung ergriffen werden.
Die Experten haben aber auch positive Ergebnisse formuliert. So haben sie beispielsweise die gute Vernetzung mit den benachbarten tschechischen Schutzgebieten, die positiven Impulse für die Regionalentwicklung und die enge Zusammenarbeit mit den Wander- und Bergsportverbänden gewürdigt. Außerdem attestieren die Experten dem Nationalpark eine "hervorragende Naturausstattung" mit Lebensräumen von nationaler und internationaler Bedeutung.
Umweltminister will keine Abstriche beim Wegenetz machen
Die Sächsische Schweiz soll trotz der Bedenken der Naturschutzexperten ein Wanderparadies bleiben. Sachsens Umweltminister Frank Kupfer erklärte, er wolle keine Abstriche am Wegenetz vornehmen. Das Ergebnis des Evaluierungsberichts enthalte eine Reihe von Vorschlägen, über die nachgedacht werden könne. Die Vorstellung jedoch, schon in wenigen Jahren 75 Prozent der Flächen sich selbst zu überlassen und das dichte Wegenetz zu verringern, gehe absolut an der Realität vorbei. Das Wegekonzept im Nationalpark ist laut Kupfer im Konsens mit Naturschutz-, Bergsport- und Wanderverbänden entstanden. "Bei der Gründung des Nationalparks gehörten Naturerlebnis und Naturerfahrung ausdrücklich zu den Zielen."
Grundsätzlich möchte auch das Umweltministerium so viel Natur wie möglich erhalten. Der überwiegende Teil der Flächen im Nationalpark soll laut Kupfer deshalb einer natürlichen Waldentwicklung überlassen werden. Dazu würden aber auch nach 2020 vor allem in standortuntypischen reinen Fichtenbeständen noch Waldpflegemaßnahmen nötig sein, die zu einer natürlichen Baumartenzusammensetzung führen und großflächige Waldschäden durch den Borkenkäfer verhindern sollen.
Im Rahmen einer bundesweiten Untersuchung haben Naturschutzexperten im vergangenen Jahr alle 14 deutschen Nationalparks bewertet, darunter auch den Nationalpark Sächsische Schweiz.
Der Nationalpark Sächsische Schweiz
Der Nationalpark Sächsische Schweiz gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen in Ostdeutschland. Ein Teil des Elbsandsteingebirges - wie die Sächsische Schweiz auch genannt wird - wurde 1990 zum Nationalpark erklärt. Seine Fläche ist auf rund 93 Quadratkilometer begrenzt und zu 92 Prozent von Wald bedeckt. Etwa 54 Prozent der Gesamtfläche sind derzeit naturbelassen - das heißt, es finden in den Wäldern keine Pflegemaßnahmen statt - sie werden sich selbst überlassen.
Die Sächsische Schweiz ist Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. So kommen hier beispielsweise noch Fischotter, Schwarzstorch, Wanderfalke, Uhu und Sperlingskauz in guten und stabilen Populationen vor. Selbst Wildkatze und Wolf sind in diesem Jahr bereits nachgewiesen worden.
Zugleich dient der Nationalpark als Paradies für Wanderfreunde und Bergsteiger. 400 Kilometer Wanderwege sind ausgewiesen, das gesamte Elbsandsteingebirge hat mehr als 1.000 Kletterfelsen. Bei Touristen ist vor allem die Bastei beliebt - der Felsen bietet hoch über der Elbe einen fantastischen Ausblick. Als Wahrzeichen gilt die spitze Felsennadel der Barbarine am Pfaffenstein. Die Festung Königstein auf dem gleichnamigen Felsplateau ist ein Besuchermagnet.
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