Sachsen

Sächsische Wörter 2012 gekürt : Die Sachsen lieben das "Didschn"

Im Dresdner Schauspielhaus sind am Tag der Deutschen Einheit zum fünften Mal die sächsischen Wörter des Jahres gekürt worden. Vor ausverkauftem Haus verkündeten die Schauspieler und Kabarettisten Olaf Schubert, Uwe Steimle und Tom Pauls die Sieger in den drei Kategorien.

Rund um Lebensmittel

Zum beliebtesten sächsischen Wort wurde "didschn" gekürt. Es beschreibt die typische Angewohnheiten vieler Sachsen, vor allem festen Kuchen vor dem Genießen in den Kaffee einzutauchen. Natürlich können aber auch Kekse in Milch oder andere Lebensmittel in andere Getränke "gedidschd" werden - je nach Geschmack. In der Kategorie "bedrohtestes sächsisches Wort" entschied sich die Jury für "Renfdl". Nichtsachsen ist es unter dem weniger liebevollen Begriff "Brotkanten" bekannt.

Die schönen und weniger schönen Seiten von "plumbn"

Zum schönsten sächsischen Wort erklärte die Jury "plumbn". Es hat gleich mehrere Bedeutungen. Zum einen steht es für das Pumpen von Wasser, zum anderen sagt der Sachse bei starkem Regen: "Es blumpt ganz schön" - also schüttet wie aus Eimern. Einige meinen mit "plumbn" auch ein ganz anderes Schütten, nämlich das einer großen Menge von mehr oder weniger alkoholischen Getränken in den Rachen. Die sehr humoristische Gala zur Kür der drei Wörter wurde musikalisch vom "Prinzen"-Sänger Sebastian Krumbiegel und der Band "2Hot" begleitet.

Rege Anteilnahme an der Aktion

Die Idee zu den sächsischen Wörtern des Jahres entstand 2008. "Wir müssen den sächsischen Wortschatz retten", sagten sich damals prominente Sachsen, wie Uwe Steimle und Tom Pauls, aber auch Journalisten. Gemeinsam wollten sie etwas für die Pflege des Dialekts tun und griffen die Idee des Autors Peter Ufer auf, jedes Jahr das schönste, das beliebteste und das bedrohteste sächsische Wort zu küren.

Auch Anfang 2012 rief die Ilse-Bähnert-Stiftung zur Förderung sächsischer Kultur und Sprache gemeinsam mit MDR 1 RADIO SACHSEN sowie der "Sächsischen Zeitung" und der "Freien Presse" die Sachsen dazu auf, ihre Favoriten einzureichen - mehr als 3.000 Wortvorschläge gingen ein. An der Internet-Abstimmung über das beliebteste Wort beteiligten sich mehr als 20.000 Sachsen. Über das schönste und das bedrohteste Wort entschied eine Jury, der neben den drei Kabarettisten und Peter Ufer auch MDR-Moderator Andreas Berger angehört.

Sächsische Wörter des Jahres
Jahr Beliebtestes Wort Schönstes Wort Bedrohtestes Wort
2008 nu
(als Lückenfüller oder Synonym für "ja")
muddln
(vor sich hin arbeiten, sein Ding machen, etwas ziel- und lustlos bei der Sache sein)
lawede
(instabil, ausgeleiert, marode)
2009 färdsch
(fertig)
fischelant
(clever, rührig, auf Zack)
Asch
(Aufwaschschüssel oder große Waschschüssel)
2010 Hornzsche
(Rumpelkammer oder altes, verwahrlostes Haus)
bäbbeln
(Fußballspielen/ Kicken als Freizeitvertreib
dschidschoriengrien
(kräftige, "giftige" Grüntöne)
2011 katschn
(laut kauen oder schmatzen)
bomforzionös
(großartig, aber etwas pompös)
Haderlump
(Taugenichts/ Landstreicher in abgerissener Kleidung)
2012 didschen
(Lebensmittel in Flüssigkeit eintunken)
plumbn
(Wasser pumpen, heftiger Starkregen, schnell und viel trinken)
Renfdl
(Brotkanten)

Wenig Anklang in anderen Bundesländern

So sehr sich die Sachsen auch um ihren Dialekt bemühen, bundesweit findet er offenbar wenig Anklang. Einer aktuellen Studie zufolge ist er der unbeliebteste in ganz Deutschland. Nur acht Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut YouGov Befragten bezeichneten Sächsisch als ihre Lieblings-Mundart. Ganz vorn auf der Hitliste der sympathischsten Dialekte landeten Norddeutsch und Bayerisch mit 29 beziehungsweise 27 Prozent. Ein Trost für die Sachsen: Unterscheidet man zwischen ost- und westdeutschen Studienteilnehmern, liegt ihr Dialekt zumindest im Gebiet der einstigen DDR wesentlich weiter vorn.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2012, 17:23 Uhr

8. Reiner Arndt:
@3. Rosi: Das Wort "färdsch" finde ich auch allerliebst, danke! Für mich das Beste an Ihrer Antwort.;-)
04.10.2012
18:54 Uhr
7. Nordlicht:
Ist doch schön zu hören, daß die Sachsen ihre Mundart so in Ehren halten. Die anderen Bundesländer sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Umfragen nach den beliebtesten deutschen Dialekten halte ich für absolut überflüssig und geschmacklos. Im Übrigen gibt es keinen "norddeutschen Dialekt". Es gibt nur Plattdeutsch bzw. Niederdeutsch und Friesisch als eigenständige Sprachen neben Hochdeutsch sowie Missingsch in einigen Großstädten. Jede Mundart und jede Minderheitensprache im deutschen Sprachraum hat ihre liebens- und schützenswerten Eigenschaften und muß erhalten bleiben.
04.10.2012
12:00 Uhr
6. Ernst Bauer:
auch "bäbbeln" ist mir nicht bekannt, nur "bämpen", was bei uns zum Fußballspielen gesagt wurde und für "Ränftl", sagen wir "Ranft oder Ränft", sicherlich gibt es da noch andere Spielarten zwischen Ost- und Westsachsen.
04.10.2012
09:57 Uhr
5. Ernst Bauer:
das Wort "katschn", wird wie mir seit Kindheit bekannt ist eigentlich wie "ketschen" ausgesprochen, "ketsche nich so!", das a im Wort könnte jedoch eine erzgebirgische Mundart sein.
04.10.2012
09:53 Uhr
4. Gerd:
Diese Disskusionen über Mundarten kann man nicht verstehen.Jeder in seiner Heimat hat seine Mundart.Ich bin Oberlausitzer,also einer mit dem Rad`l ei der Gurgl.Ich akzeptiere doch auch jede Sprache und mache mich auch nicht lustig über Bayern, BWB,er Kölner usw. Also Ihr Lieben Mitbürger ,was soll dieses Gehabe.Seid nett zueinander in Deutschen Ländern.
04.10.2012
08:33 Uhr
3. Rosi:
Hallo, Gitte und Reiner, warum so verbissen. Ich bin Sachse und fühle mich nicht verhöhnt. Einfach diese Wörter im Gedächtnis behalten und auch mal richtig darüber lachen können. Es wäre doch schade, wenn wir sie vergessen. Danke, Olaf Schubert, Uwe Steimle und Tom Pauls für die Pfelge unserer sächsischen Spache, färdsch!
03.10.2012
22:26 Uhr
2. Reiner Arndt:
Wenn immer wieder Sächsisch als besonders unbeliebt gilt, hat das sicherlich viel mit Vorurteilen zu tun. Aber mancher Prominente, der auf Kosten des Sächsischen sein Geld verdient, sollte nach seiner Verantwortung fragen! Es nützt doch nicht viel, sich für "bedrohte" sächsische Begriffe einzusetzen, wenn man am nächsten Tag wieder die Kittelschürze überzuwirft und die Sachsen als Deppen der Nation vorführt! Ist das so schwer zu begreifen?
03.10.2012
17:08 Uhr
1. gitte:
In vielen Filmen u.ä. wird der sächsische Dialekt dann noch von Nichtsachsen gesprochen, damit es so richtig schön ordinär und dumm klingt. Vielleicht ist den Verhöhnern unseres Dialektes Gert Fröbe ein Begriff? Mit dem Zwickauer Schauspieler hat man doch gern in der BRD Punkte gesammelt... Goldfinger ..
03.10.2012
16:20 Uhr

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