Sachsen

Sächsische Wörter 2013 gekürt : Die alte "Hitsche" kommt zu ihren Ehren

Im Dresdner Schauspielhaus sind am Tag der Deutschen Einheit zum sechsten Mal die sächsischen Wörter des Jahres gekürt worden. Das beliebteste Wort 2013 ist die "Hitsche" - eine Fußbank.

Jurymitglied und Journalist Peter Ufer über den Sieger: "Das Wort kommt ursprünglich vom Hocken oder vom Rutschen. Denn die Fußbank wurde und wird ja ständig hin und her geschoben." Auch in Verbindung mit alten Autos oder Kinderwagen sei es in Gebrauch. Das beliebteste Wort wird alljährlich per Internet-Voting von den Sachsen bestimmt. 2013 riefen die Ilse-Bähnert-Stiftung, MDR 1 RADIO SACHSEN sowie die "Sächsische Zeitung" und die "Freien Presse" gemeinsam zu der Aktion auf.

Nicht alles kann schnorbslich sein

Sächsische Wörter des Jahres 2013
Über 4.500 Sachsen stimmten über das beliebteste Wort ab.

Weiterhin ehrte die Ilse-Bähnert-Stiftung das schönste Wort: "forhohnebibln". Es kommt vom Substantiv "Hohn" und bedeutet also jemanden zu veralbern. In der Kategorie bedrohtes Wort entschied sich die Jury für das Adjektiv "schnorbslich". Peter Ufer erläutert: "Schnorbslich kommt von schnurpsen und heißt köstlich, aber bezieht sich nicht auf jede, sondern auf ausgewählte Mahlzeiten." Diese ausgewählten Speisen müssen ein leises krachendes Geräusch beim Kauen machen und dazu noch gut schmecken. Dann erst ist dieses Attribut angebracht.

Während der ausverkauften Veranstaltung im Schauspielhaus hielten die Initiatoren der Aktion, die Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle und Tom Pauls, sowie der Journalist Peter Ufer auf die jeweiligen Siegerwörter eine Laudatio.

Pflege fürs Sächsische schon seit 2008

Die Idee zu den sächsischen Worten des Jahres entstand 2008. "Wir müssen den sächsischen Wortschatz retten", sagten sich damals prominente Sachsen, wie Uwe Steimle und Tom Pauls, aber auch Journalisten, wie Andreas Berger von MDR 1 RADIO SACHSEN. Gemeinsam wollten sie etwas für die Pflege des Dialekts tun und griffen die Idee des Autors Peter Ufer auf, jedes Jahr das schönste, das beliebteste und das bedrohteste sächsische Wort zu küren.

Sächsische Wörter des Jahres
Jahr Beliebtestes Wort Schönstes Wort Bedrohtes Wort
2008 nu
(als Lückenfüller oder Synonym für "ja")
muddln
(vor sich hin arbeiten, sein Ding machen, etwas ziel- und lustlos bei der Sache sein)
lawede
(instabil, ausgeleiert, marode)
2009 färdsch
(fertig)
fischelant
(clever, rührig, auf Zack)
Asch
(Aufwaschschüssel oder große Waschschüssel)
2010 Hornzsche
(Rumpelkammer oder altes, verwahrlostes Haus)
bäbbeln
(Fußballspielen/ Kicken als Freizeitvertreib
dschidschoriengrien
(kräftige, "giftige" Grüntöne)
2011 katschn
(laut kauen oder schmatzen)
bomforzionös
(großartig, aber etwas pompös)
Haderlump
(Taugenichts/ Landstreicher in abgerissener Kleidung)
2012 didschen
(Lebensmittel in Flüssigkeit eintunken)
plumbn
(Wasser pumpen, heftiger Starkregen, schnell und viel trinken)
Renfdl
(Brotkanten)
2013 Hitsche (Fußbank) forhohnebibln (verspotten) schnorbslich (köstlich)
Sächsische Wörter des Jahres 2012
MDR 1 RADIO SACHSEN

Dienstags direkt | 01.10.2013: Gibt es DEN Sachsen?

Wer ist der Sachse? Was macht ihn aus? Kathleen Rothe hat zusammen mit einer Vogtländerin, einem Leipziger und einem Dresdner nach einer Antwort gesucht.

01.10.2013, 20:00 Uhr | 111:45 min

Zuletzt aktualisiert: 03. Oktober 2013, 19:58 Uhr

11. MiNi:
Schnorbslich habe ich noch nie gehört. Heute also nicht umsonst aufgestanden, denn man hat wieder etwas dazu gelernt. Ich hab grade ne rohe Möhre reingeschnobst aber schnobslich woor die ni. Du kannst se bissl mit Budder dinstn, da schmeckt se aber ooch bloß bissl sießer.
04.10.2013
19:02 Uhr
10. Engelhardt, Jens:
zu "dschidschoriengrien (kräftige, "giftige" Grüntöne)" bei Wikipedia: Georgi Wassiljewitsch Tschitscherin Pokitiker; offenbar modisch und modebewusst (Beschreibung dort lt. Hemmingway); un ä häbbchen bomforzionös! Ich bin awwer keene richtchjer Saggse von Geburd; nur Browintz Saggsn!!! Machts juuut, alleman. JE/HH
04.10.2013
11:00 Uhr
9. MDR.DE_Redaktion:
@Hilla: Danke für den Hinweis. Der Fehler wurde korrigiert. Gruß MDR.DE_Redaktion
04.10.2013
10:19 Uhr
8. Hannes:
Nuu bin ich schonn eenfuffzsch Jahre e richtcher Sachse von Geburd an abor schnorbslich oder wie das heeßt habch noch nie geheert. Mar lernt ähm nie aus. Iss fleicht ä Wort aus Dräsdn ;-)
04.10.2013
05:39 Uhr
7. Hilla:
"für's" steht für "für das" und schreibt man ohne Apostroph. Bitte Regeln nachlernen.
03.10.2013
20:03 Uhr
6. Jens:
[...] in ganz Deutschland bekannt. Da könnten die Sachsen auch gleich die Umlaute für sich beanspruchen weil sie so häufig in ihrem Dialekt Verwendung finden. Ist doch alles Bescheuert. | [Anmerkung der MDR.DE_Redaktion: externer Link gelöscht]
03.10.2013
19:34 Uhr
5. Krulle:
Also bei uns (Frankenberg bei Chemnitz) heißt das verhunebiebeln...mit "u". Da siehd mor ma wiedor, wie sich das säggs'sche schon innorhalb von Saggsn unnerscheided...
03.10.2013
17:04 Uhr
4. Reiner Arndt:
So ä Gemähre! Bloos weil dor Steimle un de olle Bähnerten dos sachn, destoweschn meent doch "schnorpslich" noch lange ni "köstlich" Mir saten immer schnorpslich, wenn was krachn tat beim Spachtln - so, nu wisstor Bescheid, nor!
03.10.2013
16:59 Uhr
3. Volker:
amüsant: 'Sächsisch' ist eingentlich Thüringisch und das 'echte' Sächsisch wird/wurde in Niedersachsen und Westfalen gesprochen. 'Sachsen' und 'Sachsen-Anhalt' haben mit den echten Sachsen soviel zu tun, wie Oberbayern und Kölner.
03.10.2013
16:39 Uhr
2. bach:
Ich weiß ja nicht, was an "verhohepiepeln" und "pomfortionös" besonders sächsisch sein soll. Wörter, die allgemein in Deutschland verbreitet sind, einfach nur in der sächsischen Aussprache als schönstes sächsisches Wort zu küren ist doch etwas mager für eine Jury. Bin selwert Pälzer und babbel a Pälzisch. Ich glaab, dess es Sächische doch e bissje mäh hermache konn, orre??
03.10.2013
16:30 Uhr

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