Annaberg-Buchholz : Blitzschachturnier in 100 Metern Tiefe
Zum "Schach im Schacht" haben sich am Sonnabend 61 Denksportler aus Sachsen und Berlin im Erzgebirge getroffen. Das nach Angaben des Schachclubs 1865 Annaberg-Buchholz bundesweit erste Turnier unter Tage fand in 100 Meter Tiefe im Markus-Röhling-Stolln im Ortsteil Frohnau statt. Mit dem Wettkampf wollte der Verein die spannende Bergbauhistorie und die traditionsreiche Geschichte des Schachsports im Erzgebirge miteinander verbinden.
Einer der ältesten Schachvereine Deutschlands
Anlass für das außergewöhnliche Turnier war die Gründung des ersten Schachvereins in Buchholz vor genau 150 Jahren, am 28. Januar 1862. Die Gründungsurkunde sei erst kürzlich im Archiv der Stadt Annaberg-Buchholz gefunden worden, teilte das Rathaus mit. Sie bezeuge, dass der örtliche Schachclub zu den ältesten in Deutschland gehört. Derzeit hat er 35 aktive Mitglieder. Auf die Idee für das Schach(t)-Turnier kam Vereinschef Ronald Wilhelm, als er dem lettischen Großmeister Zigurds Lanka im vergangenen Jahr das heutige Besucherbergwerk zeigte.
Spiel der Könige am Ort schwerster Arbeit
Die Schachbegeisterten im Alter von sieben bis 72 Jahren waren am Mittag mit der Grubenbahn 600 Meter in den Schacht des Markus-Röhling-Stollns eingefahren. Ausgestattet mit einem Schutzhelm traten sie bei sieben bis zehn Grad Celsius Raumtemperatur im ehemaligen Maschinensaal im Blitzschach gegeneinander an. Zum Aufwärmen gab es Tee und Glühwein für die Spieler. Nach 13 Runden stand der Internationale Schachmeister Cliff Wichmann aus Aue als Sieger fest. Luise Schnabel aus Berlin - mit sieben Jahren die jüngste Teilnehmerin - kam auf einen achtbaren 43. Platz. Wegen der positiven Resonanz denkt der Verein über eine Neuauflage des Turniers im kommenden Jahr nach.
Am Veranstaltungsort wurden von 1500 bis 1857 Silber und Kobalterz gefördert. Die Grube gehörte dabei zu den ertragreichsten in der Region. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nach Uranerz gesucht, aber keine abbauwürdige Menge gefunden. 1994 eröffnete der Schacht als Besucherbergwerk. Der frühere Maschinensaal wird auch für Veranstaltungen, wie Mettenschichten und Bergmannsessen genutzt. Und der ehemalige Munitionsbunker der Wismut AG wurde zum Trauraum für Hochzeiten umgestaltet.
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