Weg aus der Arbeitslosigkeit : Ehemalige Schlecker-Mitarbeiter sollen Dorfläden gründen
Anfang Juli hatte der Mitteldeutsche Genossenschaftsverband erstmals die Gründung von Genossenschaften zur Übernahme von Schlecker-Filialen ins Gespräch gebracht. Es gebe kompetente Verkäuferinnen und leerstehende Läden im ländlichen Raum, sagte damals Vorstandschef Gerald Thalheim. Am Dienstag diskutierten in Dresden Vertreter von Gewerkschaften und Banken mit Landwirtschaftsminister Frank Kupfer über diesen Vorschlag und kamen zu einem ähnlichen Ergebnis. Unterdessen kündigte die Landesarbeitsagentur für Donnerstag einen Aktionstag für die gekündigten Mitarbeiterinnen der einstigen Drogeriekette an.
Ehemalige Verkäuferinnen der Drogeriekette Schlecker sollen geschlossene Dorfläden wiederbeleben. Dafür haben sich bei einem Treffen in Dresden Sachsens Landwirtschaftsminister Frank Kupfer, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der Handels- und Genossenschaftsverband und Vertreter von Banken ausgesprochen.
DGB-Vizechef Markus Schlimbach sagte, eine solche Neugründung sei ein schwieriger, aber hoffnungsvoller Weg. Die Frauen bräuchten dabei Hilfe. Insbesondere Bürgermeister müssten mit den Frauen nach Wegen suchen, wie die geschlossenen Schlecker-Filialen beispielsweise als Dorfläden schnell wiedereröffnet werden könnten.
Kupfer sieht Zukunft für Genossenschaften
Kupfer begrüßte den Vorstoß des DGB. Die Schlecker-Pleite hinterlasse eine Versorgungslücke im ländlichen Raum, sagte der Minister. Als gute Beispiele für funktionierende Genossenschaften führte Kupfer die Gemeinden Falkenau im Landkreis Mittelsachsen und Bad Schlema im Erzgebirge auf. Die genossenschaftlich geführten Dorfläden würden mit großem Erfolg betrieben. Er ermunterte ehemalige Schlecker-Verkäuferinnen, diese Modelle auch in anderen Gemeinden einzuführen. Damit würden sie regionalen Erzeugern gleichzeitig neue Absatzmöglichkeiten schaffen. "Die Menschen in den Dörfern wünschen sich eine Grundausstattung auch mit Versorgungseinrichtungen. Wenn sie schon für die einfachsten Besorgungen in die nächste große Stadt fahren müssen, verliert der ländliche Raum einen Teil seiner Lebensqualität. Das gilt selbstverständlich auch für Waren des täglichen Bedarfs."
Laut DGB wurde bei dem Treffen vereinbart, dass die Regionalmanager für den ländlichen Raum über die Fördermöglichkeiten informieren. Bei der Gründung einer Genossenschaft leiste der Mitteldeutsche Genossenschaftsverband Hilfe. Finanzielle Unterstützung ist unter anderem über die Förderrichtlinie Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) möglich.
Aktionstag für entlassene Schlecker-Angestellte in Chemnitz
Unterdessen kündigte die Arbeitsagentur in Chemnitz einen Aktionstag für die entlassenen Mitarbeiterinnen von Schlecker an. An diesem Donnerstag gibt es in Chemnitz eine Informationsveranstaltung mit persönlichen Beratungen. Angaben der Agentur zufolge haben sich in Chemnitz und Mittelsachsen rund 70 Frauen gemeldet, die durch die zweite Kündigungswelle Ende Juni ihren Job verloren haben. Von den etwa 60 Frauen aus der Region, die schon zuvor gekündigt worden waren, hätten inzwischen knapp zwei Drittel wieder eine Arbeit. Damit sieht es in der Region Chemnitz besser aus als in Sachsen insgesamt. Landesweit hatten mit Stand Ende Juni erst 21,4 Prozent der Beschäftigten wieder eine Arbeit, die mit der ersten Kündigungswelle ihren Job verloren hatten. Neue Zahlen würden in der kommenden Woche erwartet, sagte der Sprecher der Landesarbeitsagentur, Frank Vollgold.
Wegen der Insolvenz der Drogeriekette Schlecker waren allein in Sachsen 270 Filialen geschlossen worden, mehr als 800 Frauen verloren ihren Job.

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